"Hauen Sie doch ab, Frau Merkel!"
Athen im Ausnahmezustand. Angela Merkel besuchte ein Land, das am Boden liegt. Mehr als Verständnis brachte sie den Griechen nicht mit. Von Gerd Höhler

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Der Luftwaffen-Airbus mit Angela Merkel hatte noch nicht einmal den griechischen Luftraum erreicht, da entrollte eine Demonstrantin vor am Syntagmaplatz das erste Transparent: "Frau Merkel, get out!", stand auf dem Plakat. Aber das bekam die Kanzlerin ebenso wenig zu sehen wie die Spruchbänder der kommunistischen Partei, die zum "Volksaufstand gegen die Sparpolitik" aufriefen.
Während sich die Demonstranten zu Zehntausenden vor den Polizeisperren drängten, mit denen das Athener Regierungsviertel abgeriegelt war, bekam die Kanzlerin auf dem Athener Flughafen einen großen Bahnhof geboten: Nicht nur Regierungschef Antonis Samaras war zum Flughafen geeilt. Gleich vier Kabinettsmitglieder standen Spalier. Dabei wusste Samaras schon vor Merkels Ankunft, dass die Kanzlerin weder Geld mitbringt noch eine Zusage zu der von Athen gewünschten Streckung des Konsolidierungsprogramms - allenfalls Verständnis.
Und das zeigte Merkel. Bei ihrem Auftritt mit Samaras lobte sie die Griechen, es gebe "jeden Tag Fortschritte". Aber "es ist noch etliches zu tun". Die Kanzlerin sei als Freundin Griechenlands nach Athen gekommen, unterstrich der Premier.
Doch für viele Griechen bleibt die Kanzlerin ein rotes Tuch, eine Hassfigur. Sie sehen in der "eisernen Kanzlerin" jene Frau, die Griechenland besonders harte Sparmaßnahmen diktiert. Merkel kam in ein Land, das am Boden liegt: Griechenland geht ins sechste Jahr der Rezession, seit Beginn der Krise hat das Land mehr als ein Viertel seiner Wirtschaftskraft verloren. Jeder vierte Grieche ist ohne Arbeit, unter den Jugendlichen sogar mehr als jeder zweite. Darin liegt sozialer Sprengstoff. Entsprechend drakonisch waren die Sicherheitsmaßnahmen. 7000 Polizisten waren aufgeboten, um die Kanzlerin zu schützen. Die Demonstrationen verliefen zunächst friedlich. Als 50 vermummte Jugendliche Steine auf Polizisten warfen, setzten diese Schlagstöcke, Tränengas und Blendgranaten ein. Die Lage beruhigte sich aber wieder.
Rotes Tuch
Am Nachmittag gingen Merkel und Samaras vom Amtssitz des Premiers hinüber zum Palais des Staatspräsidenten. Der 83-jährige Karolos Papoulias verkörpert wie kein anderer griechischer Politiker den Spannungsbogen der deutsch-griechischen Beziehungen: Als 14-Jähriger kämpfte er gegen die Nazi-Besatzer. Später studierte er in Köln Jus, fand dort während der Diktatur politisches Asyl. Papoulias ist ein Freund der Deutschen. Gerade deshalb leidet er besonders unter dem Tiefpunkt der deutsch-griechischen Beziehungen. Das wird Merkel gespürt haben.
Ultimatum
Die Kanzlerin mag den Griechen mit mehr Verständnis begegnen als noch vor einigen Monaten, aber an den harten Fakten ändert ihr Besuch nichts. Athen bleibt unter Druck: Die Euro-Finanzminister lobten in Luxemburg zwar "bedeutende Fortschritte", fordern aber "weitere Anstrengungen". Bis zum EU-Gipfel in zehn Tagen soll Griechenland endlich das neue Sparpaket schnüren sowie 89 Reformen umsetzen, die teils seit Monaten unerledigt sind. Sonst will die Euro-Gruppe die nächste Kreditrate von 31,5 Milliarden Euro nicht auszahlen - und dem Land droht der Staatsbankrott.
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Auf Merkels Programm stand am Nachmittag noch ein Gespräch mit Staatspräsident Karolos Papoulias. Zudem traf die deutsche Kanzlerin Unternehmer aus beiden Ländern.












