Europa spricht offen über das Euro-Ende
Spekulationen über ein Aus der Euro-Zone sorgen für Wirbel. Die Staaten sollen sich vorbereiten, rät der finnische Außenminister. Banken und Unternehmen machen genau das.

Foto © APFinnischer Außenminister Tuomioja, Österreichs Spindelegger, Großbritanniens Hague (v.l.)
Die Machtzentren der EuroZone bereiten sich auf Schicksalswochen für die Gemeinschaftswährung vor. Es soll ein heißer Herbst werden mit wichtigen Entscheidungen, die ihren Schatten vorauswerfen.
Wie angespannt die Nerven sind, beweist Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja, der in der gestrigen Ausgabe des britischen "Daily Telegraph" offen über den Bruch der Euro-Zone spekulierte. Sein Land hätte bereits Vorbereitungen für ein solches Szenario und einen "Handlungsplan für jede Eventualität" getroffen: "Das ist nicht etwas, was jeder in Finnland befürwortet, geschweige denn die Regierung. Aber wir müssen darauf vorbereitet sein", sagte der Politiker und forderte auch andere Euro-Länder auf, Vorkehrungen zu treffen.
Ein Auseinanderbrechen des Euro müsse ja nicht das Ende der EU bedeuten, zitierte die Zeitung den Finnen. Auch wenn Tuomioja seine Aussagen später relativierte, war der Wirbel perfekt.
Dazu passte der Sager von Österreichs Vizekanzler Michael Spindelegger, der fordert, dass man Länder aus der Euro-Zone rauswerfen können muss (siehe unten). Drastischer hatte es bereits der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) formuliert, der offen für den Rauswurf Griechenlands eintrat.
Finnlands Europaminister Alexander Stubb bemühte sich, die Wogen zu glätten. Die Meinung seines Kollegen sei nicht die Position der Regierung: "Wir stehen zu 100 Prozent zum Euro."
Auch der Sprecher der EU-Kommission, Olivier Bailly, sorgte für eine Klarstellung. Das Projekt der gemeinsamen Währung sei unumkehrbar und die Kommission arbeite weder an einer Aufteilung der Euro-Zone noch an Notfallplänen.
Geld abgezogen
Banken, Investoren und Unternehmen tun aber genau das - sie befürchten das Aus der Euro-Zone und wappnen sich. "Banken und Unternehmen gehen dazu über, sich lokal zu finanzieren", erklärte Thomas Meyer, bis vor Kurzem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, im "Spiegel". Seit Monaten bereits ziehen die Institute Geld aus den Krisenstaaten ab, selbst dann, wenn es sich um Tochterunternehmen handelt. Geldreserven werden lieber bei der Europäischen Zentralbank geparkt.
Jüngst zeigte auch der Ölkonzern Shell, wie es um sein Vertrauen in den Euro bestellt ist. Der britisch-niederländische Multi kündigte an, Geldanlagen von südeuropäischen Banken im Wert von bis zu 12,2 Milliarden Euro abzuziehen und in US-Staatsanleihen zu transferieren. "Es gab ein Umdenken hinsichtlich unserer Bereitschaft, Kreditrisiken in Europa einzugehen", begründete Shell-Finanzvorstand Simon Henry.
Aber auch die breite Masse der Anleger begibt sich mit den Reserven längst in sichere Häfen. Das zeigen die Gold-Nachfrage, die Immobilienpreise und die Flucht in Sachwerte.











