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Zuletzt aktualisiert: 27.07.2012 um 18:16 UhrKommentare

Schnaps und Kuchen für jeden, der wählt

Rumänien befindet am Samstag über die Absetzung des Präsidenten durch die Regierung. Die Parteien greifen dabei zu beinharten Mitteln. Auf legale und illegale Weise wollen sie die Wähler überzeugen - Stimmenkauf eingeschlossen.

Traian Basescu bei einer Wahlkampf-Veranstaltung: Ein wenig Olympia-Stimmung

Foto © ReutersTraian Basescu bei einer Wahlkampf-Veranstaltung: Ein wenig Olympia-Stimmung

Marinel Grigoras ist Pragmatiker: "Gib mir drei Bier und ich wähle jeden", sagte er über das am Sonntag anstehende Referendum über die Zukunft des rumänischen Präsidenten Traian Basescu. "Oder ich gehe einfach gar nicht zur Wahl und bleibe in der Kneipe. Bei dieser Hitze wären drei Bier wirklich super", ergänzte er. Drei Bier sind für Leute wie Marinel nicht wenig. Ungefähr einen Euro kostet also eine Stimme oder eine Enthaltung beim Referendum.

Am Samstag entscheiden die Rumänen, ob Präsident Basescu im Amt verbleibt oder nicht. Der Kampf zwischen den Parteien wird hart geführt, Geld wird investiert, Macht ausgespielt. Am Ende zählt nur das Ergebnis. Nach Umfragen wollen die meisten Rumänen Basescu nicht mehr im Amt sehen. Aber nur, wenn mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten am Votum teilnimmt, ist es auch gültig. Wählen weniger, bleibt Basescu im Amt. Es müssten also 9,2 Millionen Rumänen zu den Wahlurnen gehen.

Wahlaufruf

Daher sehen sich Basescu und seine konservative Partei PDL im Vorteil. Und damit das auch so bleibt, rufen sie das Volk zum Wahlboykott auf: "Ich rate den Rumänen, nicht zu gegen"," sagt der Präsident, der seine Absetzung rückgängig machen will.

Die Regierungspartei Sozialliberale Union (USL) von Ministerpräsident Victor Ponta hat die Wahlzeiten verlängert, damit für die Abwahl Basescus auch wirklich genügend Wahlberechtigte kommen. Bis 23 Uhr dürfen die Rumänen am Samstag wählen.

Beide Parteien schmissen zudem mit dem Millionen nur so um sich. Auf legale und illegale Weise wollen sie die Wähler überzeugen - Stimmenkauf eingeschlossen. Die USL konzentriert sich naturgemäß auf die Mobilisierung. 10.000 Plakate im ganzen Land fordern die Bürger auf, sich am Referendum zu beteiligen und für die Absetzung zu stimmen. Sogar mehrere Hundert Busse wurden bereits gemietet, um die Rumänen zur Abstimmung zu fahren. Auch die Bürgermeister im Land setzen die Anweisungen der Partei um. Laurus Mircea, Bürgermeister von Mislauti, geht es ganz pragmatisch an. "Wir haben Schnaps, belegte Brötchen und Kuchen für alle, die wählen gehen", erklärte er.

Angeln statt wählen

Naturgemäß anders sehen die Vorbereitungen bei Dan Nita in Miroslava aus. Der Bürgermeister von der Basescu-Partei veranstaltet am Sonntag Wettbewerbe im Angeln, um die Leute von den Wahlurnen fernzuhalten. So oder so ähnlich sieht es fast im ganzen Land aus. In einigen Kommunen werden Nichtwählern Getränke und kostenlose Schwimmbadbesuche geboten. Weniger nette Bürgermeister halten den Bürgern für die Zukunft unangenehme persönliche Konsequenzen vor Augen, sollten die wählen gehen. Relativ simpel, aber durchaus effektiv ist die Methode einiger Unternehmer, die der PDL nahe stehen. Sie haben ihren Angestellten einfach die Ausweise abgenommen.

DENIS GRIGORESCU, BUKAREST

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