Sparbuch wird Fehlinvestition
Die EZB hat am Donnerstag einen historischen Schritt getan. Der Leitzinssatz ist unter die Ein-Prozent-Marke gesunken. Das wirkt sich auch auf das Geld am Sparbuch aus, das noch schneller an Wert verliert.

Foto © © bpstocks - Fotolia.com
"Deutschland verdient mit Schulden erstmals Geld", "Investoren schenken Deutschland Geld", "Anleger verzichten auf Rendite" - Schlagzeilen der vergangene Monate. Am 9. Jänner dieses Jahres war es zum ersten Mal soweit: Der deutsche Bund brachte am Markt Geldmarktpapiere mit sechs Monaten Laufzeit zu einem Durchschnittszins von minus 0,01 Prozent unter. Auch in Österreich gab es heuer erstmals Negativzinsen auf kurzlaufende Geldmarktpapiere der Republik.
Müssen nun, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf 0,75 Prozent gesenkt hat, auch Privatkunden bald drauflegen, wenn sie Geld zur Bank tragen? Aktuell werfen Tages- und Festgeld schon kaum Rendite ab. Oft - so auch in Österreich - liegt die Verzinsung unter der Inflation, so dass Anleger praktisch Geld verlieren. Die EZB hat das Geld im Euroraum so billig gemacht wie nie zuvor, darum sind auch viele Banken nicht bereit, ihren Kunden üppige Zinsen zu bieten.
Zinsen werden sinken
Die Bank Austria erwartet, dass die Zinsen "generell weiter sinken werden". Was die Kreditzinsen betreffe, werde die Leitzinssenkung "in der Preisgestaltung berücksichtigt werden", hieß es am Donnerstag aus der Bank. Bei der Spareinlagen werde die Bank Austria aufgrund der EZB-Zinssenkung keine Zinssenkungen vornehmen, aber "den Markt laufend beobachten".
Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) hat nach eigenen Angaben ihre Sparzinsen schon vor Tagen, mit 2. Juli, "angepasst". Das betraf etwa Laufzeiten von 9 Monaten, wo der Zinssatz um 0,125 Prozentpunkte auf bis zu 1 Prozent sank, bei Einlagen zwischen 18 und 24 Monaten Laufzeit wurde um einen Viertelprozentpunkt abgesenkt. Andere Sparformen blieben wieder unverändert. Auch andere Banken haben Sparzinssenkungen schon vor Wochen vorweggenommen.
Keine Negativzinsen
"Ich kenne keine Bank, die ihren Kunden null Prozent Zinsen anbietet. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Bank das machen würde", meint jedoch Max Herbst, der mit seiner unabhängigen FMH Finanzberatung in Frankfurt regelmäßig ein Auge auf die Entwicklung von Sparzinsen hat. Drei Gründe sprechen - nicht nur nach Herbsts Überzeugung - auch künftig gegen negative Zinsen für Kleinanleger:
Verlässliche Einlagen
Banken sind auf einen stabilen Kundenstamm und verlässliche Einlagen angewiesen - erst recht in Zeiten, in denen Regulatoren dickere Kapitalpolster verlangen.
Großer Wettbewerb
Der Wettbewerb ist groß. Schon jetzt buhlen ausländische Banken mit Tagesgeldzinsen weit über dem Marktniveau erfolgreich um Privatanleger.
Sparer sind nicht blöd
Auch der trägste Kunde, der seine Ersparnisse derzeit zu mickrigen Zinsen schmoren lässt, dürfte aufmerken werden, wenn ihm seine Bank mitteilt, dass von 1.000 Euro auf dem Konto am Jahresende nur noch 995 übrigbleiben. "Wir sind zwar so verrückt, Geld für ein Prozent Zinsen auf dem Sparbuch zu parken. Aber wenn es ins Minus gehen sollte, würden die Sparer doch wach werden", glaubt Herbst.












