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    Zuletzt aktualisiert: 11.06.2012 um 17:24 UhrKommentare

    Entwarnung ade: Euro im Sinkflug

    Wie gewonnen, so zerronnen: Die geplanten Hilfen für spanische Banken haben am Finanzmarkt nur vorübergehend für eine gewisse Entspannung gesorgt - und auch der Euro ist wieder am absteigenden Ast.

    Foto © VRD - Fotolia.com

    Spanien steht trotz des Hilferufs für seine maroden Banken in der Euro-Krise weiter voll in der Schusslinie. Die Investoren verlangten am Montag sogar höhere Renditen für die Anleihen des EU-Landes, das auch wegen seiner Schuldenprobleme im Visier der Finanzmärkte steht. Auch für Italien wird der Schuldendienst immer teurer. Dennoch will das Land nicht als nächstes unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sieht die zugesagten EU-Hilfen für Spaniens Banken von bis zu 100 Milliarden Euro positiv: Sie seien "ein gutes Zeichen für Märkte und Partner, dass Europa handlungsfähig ist".

    Verhaltene Reaktion aus China

    Doch die Reaktion aus China fiel eher verhalten aus: "Wir hoffen, dass diese Maßnahmen hilfreich sein werden, die Krise einzudämmen", sagte Vize-Finanzminister Zhu Guangyao. Der amerikanische Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisierte das Vorgehen als "Voodoo-Ökonomie". "Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung", sagte der Forscher im Reuters-Interview. Dies könne nicht funktionieren. Stattdessen müsse Europa die Schaffung eines gemeinsamen Bankensystems und einer Fiskalunion vorantreiben.

    Lediglich ein Strohfeuer löste an den Finanzmärkten die Erleichterung über den Hilferuf Spaniens aus. Viele Anleger blieben am Montag skeptisch, ob die von den Euro-Partnern in Aussicht gestellten Finanzhilfen von bis zu 100 Mrd. Euro für die maroden spanischen Banken ausreichen, um die Schuldenkrise insgesamt in den Griff zu bekommen. Der Euro grenzte seine Gewinne ein und notierte am Nachmittag nur noch bei 1,2545 Dollar. Im Handelsverlauf war er zeitweise bis auf 1,2668 Dollar gestiegen. Der DAX notierte 0,8 Prozent im Plus bei 6.178 Punkten, nachdem er zeitweise auf bis zu 6.287 Zähler gestiegen war. Die US-Börsen verzeichneten zum Handelsstart nur leichte Gewinne.

    Der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn erklärte, die Eurogruppe habe sich am Samstag bewusst für eine hohe Summe an Hilfen entschieden, um keinerlei Zweifel über die Abwehrbereitschaft aufkommen zu lassen. Mit dem relativ großen Betrag sei das klamme Land für das allerschlimmste Szenario und den größten Stress im Bankensektor gewappnet. Allerdings werde der Regierung in Madrid zur Auflage gemacht, den Bankensektor umzubauen, damit die Institute der Realwirtschaft dienten statt sich wie in der Vergangenheit auf Spekulationen zu verlegen. Die EZB mahnte Spanien allerdings, seine Pläne zum Aufbau von Bad Banks zu überarbeiten, in die Geldhäuser ihre toxischen Vermögenswerte aus dem Immobiliensektor auslagern können. "Es bleibt unklar, ob das angestrebte Rahmenwerk ausreichend ist, um eine effiziente Trennung der Risiken der Banken zu erreichen", kritisierten die Frankfurter Währungshüter.

    Ob die Hilfe für Spanien aus dem provisorischen Euro-Rettungsschirm EFSF oder dem dauerhaften Euro-Stabilitätsmechanismus ESM kommen wird, ließ die deutsche Regierung offen. Dies hänge davon ab, wann Spanien den Antrag stellen werde, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Auflagen für die Hilfen seien in beiden Fällen dieselben. Der ESM soll ab dem 1. Juli handlungsfähig sein. Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums ergänzte, er gehe davon aus, dass es auf den ESM hinauslaufe. Bei der Finanzierung seien dann alle 17 Länder der Euro-Zone mit im Boot. Ökonomen warnten allerdings davor, dass bei einer Auszahlung durch den ESM, dessen Status als vorrangiger Gläubiger für Unsicherheit unter privaten Investoren sorgen könnte. Dies könnte dazu führen, dass spanische Anleihen weniger attraktiv würden und die Renditen noch weiter in die Höhe schnellten. Aus hochrangigen Kreisen der Euro-Zone verlautete, der Kredit für Spanien könne daher zunächst vom EFSF gewährt und später vom ESM übernommen werden.

    Astronomisch hohe Summen

    Spaniens Banken kämpfen nach dem Platzen einer Immobilienblase mit faulen Krediten in ihren Bilanzen. Der Staat hat bereits 4,5 Milliarden Euro in das landesweit viertgrößte Geldhaus Bankia gepumpt. Erst jüngst hatte der Sparkassenkonzern die Regierung in Madrid um weitere 19 Milliarden Euro an Finanzhilfen gebeten. Das klamme Land kann sich selbst aber an den Kapitalmärkten nur noch zu hohen Zinsen frisches Geld besorgen. Mit dem Hilferuf an Brüssel erhoffte sich Spanien eine Linderung dieser Probleme - jedoch vergeblich: Die Kurse der zehnjährigen Papiere Spaniens rutschten nach einem kurzen Erholungsmoment wieder ab, im Gegenzug stiegen die Renditen: Spanische Bonds wurden mit 6,487 Prozent verzinst. Ihre italienische Pendants rentierten in der Spitze auch wieder über der als längerfristig kaum tragbar geltenden Marke von sechs Prozent.

    "Es ist nicht auszuschließen, dass Spanien auch den großen Rettungsschirm benötigen wird", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. Kurzfristig bestehe bereits die Gefahr, dass es wegen der Ansteckungsgefahren zu Marktturbulenzen komme, wenn eine reformfeindliche Regierung in Athen den Euro aufgebe: Die Anleihen von Spanien und Italien würden behandelt wie toxische Papiere. Dabei werde eingepreist, dass diese Länder den Euro eventuell verlassen müssen. Der Wirtschaftsweise Lars Feld sieht in dem Hilfsantrag Spaniens das Risiko, dass damit eine "Stigmatisierung" verbunden sein könnte, die sich negativ auf die Refinanzierungskosten auswirkt. "Wir wissen noch nicht, ob dieser Effekt eintritt", sagte der Freiburger Forscher Reuters.


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