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Doch noch keine Einigung zu EU-Finanzrahmen Josipovic: "Beide Seiten werden profitieren" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: EU Nächster Artikel Doch noch keine Einigung zu EU-Finanzrahmen Josipovic: "Beide Seiten werden profitieren"
Zuletzt aktualisiert: 18.05.2012 um 20:20 UhrKommentare

Spanien warnt vor der Pleite

Fast täglich gibt's für die Regierung in Madrid neue Hiobsbotschaften. Die Bonität der Banken wurde in Serie abgestuft, das Land bezahlt mittlerweile astronomische Zinssätze für seine Schulden.

Der Mann wirkt gehetzt. Seine Augen flackern unruhig. Nervös blickt Spaniens konservativer Regierungschef Mariano Rajoy in die Runde, rattert noch schneller als üblich seine Beschwörungen herunter, dass das Krisenland Spanien nicht ohne Hoffnung sei. Dann rennt er zum Telefon, wo ein wichtiger Anruf wartet. Es herrschen hektische Zeiten für Spaniens Krisenmanager Rajoy, der angesichts immer neuer Brände nicht weiß, an welcher Front er zuerst löschen soll. Es wächst in der spanischen Regierung spürbar die Sorge, dass der Griechenland-Virus auch Spanien infiziert.

Gerade musste Rajoy die neuste Horrornachricht verdauen: Die Finanzmärkte entziehen Spaniens Banken zunehmend das Vertrauen. Die Bankenkrise verschärft sich, nachdem die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit von 16 spanischen Geldinstituten um bis zu drei Stufen fallen ließ. Die Bonität wird allgemein nur noch als mittelmäßig, bei einigen Geldhäusern als schlecht eingestuft. Zuvor hatte die Agentur Standard & Poor's die Bankenbranche abgestraft.

Zinsen auf Rekordniveau

Hinzu kommt, dass der Zinssatz, den Spanien für frisches Geld an den Märkten zahlen muss, sich auf gefährlicher Rekordhöhe einpendelt. Bis zu 6,5 Prozent verlangten die Anleger in den letzten Tagen für langfristige Staatsanleihen. Das ist nicht mehr weit von jener kritischen Sieben-Prozent-Schwelle entfernt, bei der Griechenland, Irland und Portugal um Hilfe rufen und um Notkredite des Euro-Rettungsfonds flehen mussten. Angesichts des Bankendramas, immer neuer Löcher im Staatshaushalt und einer abstürzenden Wirtschaft verliert das Ausland offenbar den Glauben, dass Spanien noch aus eigener Kraft aus der Krise kommt. "Die Lage ist extrem kompliziert", räumt Rajoy ein. "Es gibt ein ernstes Risiko, dass man uns kein Geld mehr leiht. Oder nur zu astronomischen Zinsen." Mit dem hohen Zinssatz werde es für Spanien "sehr schwierig, sich zu finanzieren". Eine indirekte Warnung vor einer möglichen Staatspleite. Bei steigenden Zinsen wird die Aufnahme neuer Staatskredite, ohne welche Spanien nicht überleben kann, teurer als gedacht, und die Defizitziele rücken in weite Ferne. Im Haushalt 2012 waren bisher schon satte 30 Milliarden Euro für die Kredittilgung eingeplant, dies dürfte nun nicht mehr ausreichen. Rajoy verteidigte derweil sein massives Anti-Krisen-Paket, mit dem er Spanien "aus dem Tief" holen will. Gestand aber zugleich zu, dass harte Kürzungen, Steuererhöhungen und Reformen "kurzfristig keinen Effekt haben werden". In Brüssel wachsen Zweifel daran, dass Spaniens Reformkurs ausreicht, um die Katastrophe abzuwenden. In der Überschrift der jüngsten EU-Wirtschaftsprognose fassten die Experten ihre pessimistische Einschätzung in drei Worten zusammen: "Vor schwierigen Zeiten."


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"Die Lage ist extrem kompliziert": Spaniens Regierungschef Mariano RajoyFoto © APA

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