Kärntner Fleisch in Krainer Wurst
Ist die Krainer Wurst rundum slowenisch? Kärntner Fleischerzeuger Ilgenfritz liefert das Fleisch für die Krainer nach Slowenien.

Foto © KKBurenwurst, Selchwurst und Krainer Wurst (von links)
Eigentlich müsste die EU-Kommission andere Sorgen haben, dennoch geht es in Brüssel um die Wurst. Genauer: um die Krainer Wurst. Bekanntlich hat Slowenien den Antrag auf Anerkennung des Namens "Krainer Wurst" als geschützte Herkunftsbezeichnung gestellt, was von Brüssel mittlerweile bestätigt worden ist.
Österreich und sämtliche EU-Länder haben nun sechs Monate Zeit, den slowenischen Vorschlag zu beeinspruchen. Die Länder müssen sich allerdings gute Argumente einfallen lassen. Die Aussage von Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich: "Wir lassen uns die Krainer nicht verbieten", wird nicht reichen.
Einer, der der Krainer schon aus wirtschaftlichen Gründen nachtrauern würde, ist der Villacher Karl Ilgenfritz, der größte Fleischverarbeiter in Kärnten. "Wir würden es überleben, aber einsehen tun wir das nicht. Krainer ist doch ein internationaler Begriff", versteht Ilgenfritz die Diskussion nicht.
Vor allem deshalb, weil die original Krainer Wurst, was die Ingredienzien betrifft, genau genommen, eine Kärntner Wurst ist. Ilgenfritz liefert nämlich Kärntner Schweinefleisch an den größten Erzeuger von Krainer Würsten, die slowenische Firma Arvaj in Krain. Immerhin drei Tonnen in der Woche. Daraus werden dann die Krainer gemacht. Ilgenfritz selbst erzeugt 50 Tonnen Krainer und ihre verwandten Selchwürste pro Jahr. "Wir liefern die Würste von Neapel bis nach Mailand und von Sizilien bis Friaul", ist Ilgenfritz stolz auf sein Know-how. "Krainer Würste gehören genauso zu Kärnten, wie zu Slowenien", meint er.
Er müsste, sollte die EU für Slowenien entscheiden, die Werbung umstellen, die Würste umbenennen und die Preislisten ändern. Wohl aber versteht er Slowenien: "Außer dem Karster Schinken haben die Slowenen in der EU kein typisches Lebensmittel zu bieten. Mit der Krainer wollen sie sich in der EU positionieren."
Schon einmal ist ein Lebensmittelstreit von der EU -Kommission entschieden worden. Friaul musste mit seinem Tocai Friulano abfahren, weil Ungarn meinte, der völlig anders schmeckende Tokaier könnte damit verwechselt werden. Heute heißt der Tocai zum Leidwesen der Friulaner "Friulano". Die Umstellung hatte die friulanischen Weinproduzenten damals viel Geld gekostet.
Features
Die Wurst
Burenwurst: Sie wird vor allem bei den traditionellen Wiener Würstl-buden verspeist. Der Brät- anteil, das ist die feine Masse, die die großen Fett- und Fleischstücke zusammenhält beträgt rund 50 Prozent.
Selchwurst: Die Selchwurst, oder Bauernwurst, wie sie in Kärnten gerne verspeist wird, hat einen Brätanteil von rund 20 Prozent. Es kann auch etwas Rindfleisch ins Brät gemischt werden.
Krainer Wurst: Sie ist durch den geringen Brätanteil von zehn Prozent trockener, dunkler und grober als die Selchwurst und hat einen festen Biss. Die Käsekrainer ist allerdings eine Wortschöpfung findiger Fleischer.











