Mit Zahlen-Akrobatik zum Billionen-Schirm
Mit trickreicher Buchung spannen die Euro-Länder ihren Rettungsschirm auf über 800 Milliarden Euro. Maria Fekter verkündet die Botschaft als Erste und löst einen Eklat aus.

Foto © APAEuro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker mit Maria Fekter
Es gibt nichts Schlimmeres, als einem Alphamännchen die Show zu stehlen. Diese Erfahrung machte Finanzministerin Maria Fekter beim Treffen der Euro-Finanzminister in Kopenhagen. Sie wagte es, vor Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker die Details über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms zu verkünden. Beleidigt blies der Luxemburger daraufhin seine eigene Pressekonferenz ab.
Er habe "das Geschwätz beenden" wollen, begründete Juncker seinen eigenwilligen Schritt gegenüber "Le Monde". Dafür ließ er den Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi wie ein nicht abgeholtes Paket vor dem Presse-Saal stehen.
Gekränktes Ego hin, gekränktes Ego her. Die Finanzminister verständigten sich in Kopenhagen darauf, die Gesamtkapazität der Brandmauer gegen die Euro-Krise temporär auf die Summe von 700 Milliarden Euro aufzupumpen. Offiziell ist sogar von 800 Milliarden die Rede. In US-Dollar sei das eine Billion und folglich ein wichtiges Signal an die Partner in aller Welt, hieß es.
Doch das ist pure Schönrechnerei, die Euro-Retter zahlen in Wahrheit keinen Cent mehr zur Rettung ihrer gemeinsamen Währung (siehe rechts). Trotzdem ist die in der dänischen Hauptstadt gefundene Formel ein Kompromiss. Bis vor wenigen Tagen hatte sich Deutschland massiv gegen eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirmes gewehrt. Wäre es nach Berlin gegangen, hätte der künftige Rettungsfonds ESM, der im Juli den bisherigen Rettungsfonds EFSF ablöst, mit nur 500 Milliarden Euro ausgestattet werden sollen.
Die verstärkte Schutzmauer ließ auch die Anleger weitestgehend unbeeindruckt. Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar kaum bewegt, an den internationalen Börsen tat sich wenig.












