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Zuletzt aktualisiert: 15.01.2012 um 22:25 UhrKommentare

Troika-Besuch: Sein oder Nichtsein für Hellas

Am Montag reist die Troika wieder einmal nach Athen. Die Mission droht zum Fiasko zu geraten. Das Land liegt am Boden, die Reformen stocken.

Foto © AP

Den Euro-Rettern war nur eine kurze Atempause gegönnt. Nach der Abstrafung von neun der 17 Euro-Staaten durch die Rating-Agentur Standard & Poor's ist die Schuldenkrise neu aufgelodert. Doch nicht nur der Ratingschock erhöht den Druck auf die Europäer. Die Verhandlungen über den Fiskalpakt über mehr Haushaltsdisziplin, auf den sich alle EU-Staaten außer Großbritannien geeinigt haben, lahmen, die Zweifel am Sondervertrag mehren sich.

Schlechte Vorzeichen

Neues Ungemach droht den Rettungseuropäern auch aus Griechenland. Dort soll die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank diese Woche wieder einmal nach dem Rechten sehen. Für die Hellenen geht es um alles oder nichts, die Vorzeichen stehen schlecht. Die Verhandlungen der Regierung in Athen mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt für das Land, die vor Ankunft der Prüfer beendet sein sollten, wurden ergebnislos abgebrochen, wichtige strukturelle Reformen sind bis jetzt nicht umgesetzt, die Privatisierung stockt, die Wirtschaft bricht ein, die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordhoch. Sogar Premier Lukas Papademos spricht offen von einem Euro-Austritt.

Finanzminister Evangelos Venizelos hofft dennoch, die Verhandlungen mit den Banken noch in dieser Woche abschließen zu können. Die Zeit drängt: Spätestens Mitte März muss der Anleihetausch abgeschlossen sein. Davon hängt ab, ob Hellas von der EU und dem IWF die in Aussicht gestellten Hilfsgelder von 89 Milliarden Euro bekommt. Nur dann kann Athen eine am 20. März fällige Staatsanleihe von 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Sonst droht dem Land eine ungeordnete Insolvenz - mit unabsehbaren Folgen für Europa, wenn nicht gar für das globale Finanzsystem.

Gläubiger müssen verzichten

Die privaten Gläubiger, also vornehmlich Banken und Versicherungen, die griechische Staatsanleihen im Nennwert von 206 Milliarden Euro halten, sollen daher rasch auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. So beschloss es die EU mit Zustimmung des Internationalen Bankenverbandes IIF Ende Oktober. 15 Prozent ihrer Forderungen sollen die Gläubiger in bar bekommen, 35 Prozent in Form neuer Staatsanleihen. Vor allem um die Konditionen dieser Papiere wird gerungen. Es war der Streit um die Laufzeiten und die Verzinsung der neuen Anleihen, der am vergangenen Freitag zur Unterbrechung der Gespräche führte.

Vor allem vom Zins hängt für beide Seiten viel ab: Er entscheidet darüber, ob Griechenland seine Schulden in den kommenden Jahren finanzieren kann. Der Zins bestimmt aber auch, wie hoch die Verluste der privaten Gläubiger tatsächlich sind. Selbst wenn ein Kompromiss gefunden werden kann, bleibt aber offen, wie viele Private zu einem Forderungsverzicht bereit sind. Das bereitet nicht nur der Athener Regierung Kopfschmerzen.

Griechenlands Staatsschulden sollen mit dem "Haircut" von aktuell 162 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis Ende 2012 auf 151 Prozent und bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent gedrückt werden. Soweit die Theorie. Scheitert der Schuldenschnitt, wird das Land wohl den Euro aufgeben müssen.

STEFAN WINKLER, BRÜSSEL GERHARD HÖHLER, ATHEN

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