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Zuletzt aktualisiert: 11.01.2012 um 21:12 UhrKommentare

Ungarn stürmen heimische Banken

Die schwierige Lage in ihrem Heimatland lässt viele Ungarn um ihr Geld zittern. Das bringen sie jetzt verstärkt nach Österreich. Die Kundenfrequenz aus Ungarn hat sich zum Teil vervierfacht.

Foto © APA

Veranlagen Sie Ihr Geld sicher, stabil und seriös. Bei der Bank Burgenland" - in ungarischer Sprache wirbt die zum Grawe-Konzern gehörende Bank Burgenland im Grenzgebiet zwischen Österreich und Ungarn um Kunden. Mit Erfolg. Viele Ungarn bringen ihr Geld ob der Unsicherheiten im eigenen Land derzeit nach Österreich, vor allem ins Burgenland und in die Oststeiermark. "Wir erleben den Ansturm ungarischer Kunden bereits seit Dezember 2011, derzeit ist er dramatisch", betont der Vorstandschef der Bank, Christian Jauk. Das Volumen von Spar- und Termineinlagen von ungarischen Staatsbürgern in der Bank Burgenland habe sich über das ganze Jahr 2011 nahezu verdoppelt und liegt im mittleren zweistelligen Euro Millionenbereich. "In den letzten Wochen hat die Nachfrage noch einmal angezogen, die Kundenfrequenz aus Ungarn hat sich vervierfacht", so Jauk.

Ein Vorteil sei, dass viele Mitarbeiter der Bank Burgenland Ungarisch sprechen, "doch der derzeitige Ansturm ist kaum zu bewältigen". Die Gründe? "Viele Ungarn berichten uns, dass sie Angst vor einem Zusammenbruch haben und ihr Geld in Sicherheit bringen wollen."

Ihm sei klar, dass der verstärkte Kapitalabfluss aus Ungarn die Situation im Land noch weiter verschärfe. "Das kommt einer selbsterfüllenden Prophezeiung sehr nahe", so Jauk. "Eine schwierige Situation."

Auch bei der Steiermärkischen Sparkasse werden - vor allem in Hartberg - verstärkt Anfragen von verunsicherten ungarischen Kunden registriert, bestätigt Vorstandschef Gerhard Fabisch.

Die BKS-Bank hat im grenznahen Bereich bereits ihre Mitarbeiterkapazitäten erhöht. "In den Filialen in Mattersburg und Eisenstadt spüren wir den Zustrom von ungarischen Kunden sehr stark. Es ist hier zu einer Verdopplung der Kundenkontakte gekommen", so BKS-Vorstandsdirektorin Herta Stockbauer.

Schon lange im Geschäft

In grenznahen Orten im Südburgenland und der Oststeiermark waren kleine Bankfilialen schon lange mit den Kunden aus dem Nachbarland gut im Geschäft. "Von unseren Kunden arbeiten viele in Österreich und haben hier ihr Gehaltskonto", sagt ein Raiffeisenbank-Mitarbeiter. Die Bankberater bekommen auch die Sorgen ihrer ungarischen Klienten mit. "Erst gestern hat sich einer über die steigenden Lebenskosten in Ungarn beklagt. Nachdem er bereits in Österreich arbeitet, überlegt er jetzt, ob er nicht ganz hierherziehen soll und sich das Pendeln erspart", erzählt ein Bankangestellter. Er berichtet, dass das Kreditgeschäft mit den Ungarn zum Erliegen gekommen sei. Auch, weil die Banken vorsichtiger sind: "Mit Ausweis und Grundbuchsauszug in die Bank zu kommen, reicht heute nicht mehr."

MANFRED NEUPER, HARALD HOFER

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