Treibjagd vor dem Elysee Palast
Angesichts der vielen Kandidaten aus dem eigenen Lager muss Sarkozy befürchten, bei der Wahl zum Präsidenten schon früh auszuscheiden. Das Rennen macht, wer in der Gunst der Verlierer ganz oben steht - Armut als politisches Kapital.

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Ein Schreckgespenst geht um. 2002 war es den Franzosen erschienen, hatte sie das Fürchten gelehrt. Präsidentschaftswahlen waren damals. Das Feld der Bewerber nahm sich stattlich aus. Zumal links der politischen Mitte war das Gedränge groß. Und dann ist es eben passiert. Die Kandidaten der Linken machten sich die Stimmen streitig, neutralisierten sich. Der Sozialist Lionel Jospin schied in der ersten Runde aus. Der rechtsradikale Jean-Marie Le Pen zog mit Jacques Chiracs in die Stichwahl ein. Eine schwarze Stunde der französischen Demokratie.
Jetzt ist das Gespenst wieder auferstanden. Im nächsten Frühjahr will sich Staatschef Nicolas Sarkozy um ein zweites Mandat bewerben. Sein Herausforderer, der Sozialist Francois Hollande, liegt in den Umfragen mit 33 Prozent vorne. Der Amtsinhaber kommt auf 26 Prozent. Doch von einem Duell kann keine Rede sein. Wie 2002 hat ein munterer Kandidatenreigen eingesetzt.
Mehr als ein Dutzend Bewerber greifen nach der Präsidentenschärpe. Nun sind noch Francois Bayrou und Dominique de Villepin hinzugestoßen. Der eine ist in der politischen Mitte beheimatet; der andere weiter rechts. Die Zahl der Kandidaten, die um die Gunst des bürgerlich-konservativen Publikums werben, hat sich auf acht erhöht. Für Sarkozy mögen das der Rivalen aus dem eigenen Lager zu viele sein. Wie einst Jospin muss er befürchten, bereits in der ersten Runde auf der Strecke zu bleiben. Marine Le Pen, Tochter des Triumphators 2002, liegt mit 19 Prozent Zustimmung in aussichtsreicher Lauerstellung.
Flagge zeigen
Nicht, dass sich all die nach Präsidentschaftsehren strebenden Politiker ernsthafte Chancen ausrechnen könnten, als einer der beiden Besten in die Stichwahl zu gelangen. Trotz seines Illustren Namens erfreut sich Ex-Premier Villepin in der Wählerschaft eines Rückhalts von gerade einem Prozent.
Aber wer in Frankreich politisch wahrgenommen werden will, muss bei den Wahlen Flagge zeigen. Hinzu kommt, dass das Wählerverhalten in der sich verschärfenden Krise schwer vorauszusagen ist. Die Unwägbarkeiten scheinen größer als gewöhnlich und damit die Chancen eines Außenseiters, den Überraschungscoup zu landen. Binnen einer Woche ist Bayrou in Umfragen von sieben auf 13 Prozent geklettert. Genauso schnell mag es auch wieder abwärts gehen.
Das gilt umso mehr, als fast alle Kandidaten versuchen, aus der Not ihrer Landsleute Kapital zu schlagen. Da ist nicht nur Marine le Pen, die sich an die "Vergessenen wendet, von denen man niemals spricht, die in den Börsenkursen keinen Niederschlag finden". Vom Linksradikalen Jean-Luc Mélenchon bis hin zum aristokratisch-vornehmen Gaullisten Villepin: Alle werben um die Gunst der Verlierer oder derer, die befürchten, ihnen bald anzugehören. Hoffnung macht allein, dass das Trauma von 2002 noch immer schmerzt.
Alles, nur das nicht mehr, sagen sich viele Franzosen und kündigen an, "nützlich wählen zu wollen", sprich: aus Vernunftsgründen im April für Hollande oder Sarkozy zu stimmen.
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Fakten
Termin: Die Präsidentenwahl findet am 22. April 2012 statt, eine Stichwahl am 6. Mai 2012
Modus: Wahlberechtigt ist jeder Staatsbürger mit vollendetem da 18. Lebensjahr. Der Präsident wird direkt durch das Volk gewählt
Kandidaten: Nicolas Sarkozy (UMP/Union für eine Volksbewegung, konservativ). Francoise Hollande (PS/Sozialistische Partei). Francois Bayrou (MD/Demokratische Bewegung, Mitte). Dominique Villepin (RS/Solidarische Republik, konservativ. Außerdem Marine Le Pen, rechtsextreme FN/Nationale Front und Eva Joly (Grüne)











