Angst vor Rezession in Europa
EU-Herbstprognose: Trübe Aussichten für die Eurozone, noch trübere Prognosen für ihre Schlingerstaaten. Krise frisst Wachstum.

Foto © ReutersWirtschaftskommissar Olli Rehn
Düsterer kann eine Wirtschaftsprognose in so düsteren Zeiten kaum ausfallen: Die europäische Schuldenkrise wird das Wachstum in Europa im kommenden Jahr fast zum Stillstand bringen. Das sagt die Europäische Kommission in ihrem Herbstgutachten voraus.
Europa sei in einem Teufelskreis von Wirtschaftsflaute, Bankenturbulenzen und Staatsschuldenproblemen geraten. Die Wirtschaft werde "bis weit ins Jahr 2012 hinein stagnieren. Ja, es besteht das Risiko einer erneuten Rezession", warnte Wirtschaftskommissar Olli Rehn in Brüssel.
Er und seine Konjunkturexperten erwarten für das kommende Jahr nur noch ein Miniwachstum von 0,5 Prozent nach 1,5 Prozent im laufenden Jahr. Für 2013 werden von Brüssel dann wieder 1,3 Prozent prognostiziert.
Sind also die Aussichten für die Eurozone insgesamt schon trübe, so fallen sie für Griechenland und die anderen Schuldenstaaten nachgerade vernichtend aus.
Hoffnungsloser Fall Hellas?
Sollte der neue Rettungsplan für Hellas scheitern, werde die Gesamtverschuldung des Landes binnen zwei Jahren von derzeit knapp 163 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2011 auf horrende 200 Prozent explodieren, heißt es. Das wäre mehr als das Dreifache der in der EU erlaubten Schuldengrenze von maximal 60 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Italien, das größte Sorgenkind der Eurozone, wird laut Vorausschau zum Jahresende in die Rezession rutschen. Die Wirtschaft des Landes wird im vierten Quartal um 0,2 Prozent und zu Jahresanfang 2012 um weitere 0,1 Prozent schrumpfen. Bleibt das Wachstum zwei Vierteljahre in Folge negativ, sprechen Ökonomen von einer Rezession.
"Die wichtigste Aufgabe Italiens ist es, politische Stabilität wieder herzustellen", sagte Rehn.
Dass die astronomisch hohe Gesamtverschuldung Italiens nicht weiter steigen, sondern auf dem jetzigen Niveau stagnieren dürfte, wird in Brüssel jedoch als positiv gewertet.
Neben Griechenland werden nämlich auch in den Schlingerstaaten Irland und Portugal die Schuldenberge weiter in die Höhe wachsen: in Irland nach heuer rund 108 Prozent auf mehr als 117 Prozent 2012 und über 120 Prozent 2013. In Portugal erwartet die Kommission für kommendes Jahr eine Gesamtverschuldung von über 101 Prozent und das Jahr darauf von 111 Prozent.
Was besonders schwer wiegt: Anders als in Irland wird die Wirtschaft in Portugal um 3,0 Prozent einbrechen. Der Sanierungskurs der neuen konservativen Regierung würgt die Wirtschaft des Landes ab.
Für Brüssel bleibt der Abbau der Schulden dennoch oberste Priorität. Wegen zu hoher Staatsverschuldung droht die EU-Kommission gleich fünf Ländern, Belgien, Malta, Polen, Ungarn und Zypern, mit Sanktionsverfahren.
Die Zuspitzung der Euro-Krise lässt derweil die Gerüchteküche brodeln. So dächten Paris und Berlin über eine radikale Verkleinerung der Euro-Zone nach, war in den vergangenen Tagen in Brüssel zu hören. Unfug, dementierte die deutsche Bundesregierung. Kommissionschef Barroso warnte indes eindringlich vor einer Spaltung Europas in Eurozone und Nichteuroländer.











