Österreicher nach Euro-Gipfel "spontan erleichtert"
Die Österreicher sind nach dem Euro-Gipfel zwar "spontan erleichtert", die "sorgenvolle Anspannung" ist jedoch geblieben. Dies ergab eine Umfrage des Forschungs- und Beratungsinstituts Oekonsult unmittelbar nach Bekanntwerden der Gipfel-Beschlüsse.

Foto © APASarkozy, Zapatero, Faymann (v.l.)
Dass die Österreicher nur wenig mehr als ein "zähneknirschendes Aufatmen zeigen", habe gute Gründe. Stehen doch die wirklich harten Zeiten erst bevor, so Oekonsult-Chef Joshi M.A. Schillhab. Nach dem verkündeten "Gipfel-Erfolg" gaben 52 Prozent der Befragten an, sie hätten mit einem Scheitern gerechnet.
Nur 2 Prozent der Österreicher wissen laut Umfrage nichts von der "Euro-Rettung". Die überwiegende Mehrheit, nämlich 85 Prozent der heimischen Bevölkerung, haben die Medienberichterstattung im Vorfeld des entscheidenden Euro-Gipfels und die dort gefassten Beschlüsse verfolgt, davon 58 Prozent mit besonders hoher Aufmerksamkeit. 92 Prozent der Befragten wurden durch "das Stakkato an Krisenmeldungen von den Finanzmärkten" sehr beunruhigt. Die vorläufige Erleichterung nach dem Gipfel wird von insgesamt 87 Prozent geteilt.
Allerdings sei man von einer echten Lösung der Finanzprobleme in Europa auch nach dem Gipfel noch weit entfernt, meinen 91 Prozent der Befragten. Von Nachhaltigkeit sei weiterhin keine Rede. Nicht einmal 1 Prozent der Befragten will vorbehaltlos der aufgestellten Behauptung widersprechen, das Brüsseler Maßnahmenpaket habe Europa bestenfalls eine Atempause verschafft.
Ärger über Schuldenschnitt
Sehr verärgert sind die Österreicher über den Schuldennachlass für Griechenland. Eine überwältigende Mehrheit von 95 Prozent lehnt den Schuldenschnitt für die Hellenen ab. 51 Prozent sind darüber "geradezu empört".
Eine "vorsichtige Mehrheit" von 67 Prozent wünscht sich mehr Kontrolle, aber auch mehr Durchgriffsrechte für Brüssel wenn in einzelnen Euroländern die Staatsfinanzen aus dem Ruder zu laufen drohen, so die Umfrage. Während 10 Prozent strikt gegen mehr Durchgriffsrechte bei Finanzsündern sind, halten dies 17 Prozent uneingeschränkt für notwendig. 53 Prozent halten den Schuldenerlass für das geringste aller Übel, 93 Prozent verlangen Garantien gegen Wiederholungsfälle.
Trotz EU-Skepsis sind dennoch 77 Prozent der Befragten der Meinung, ohne den Zusammenhalt des großen europäischen Wirtschaftsraumes hätten Währungsspekulanten gegen hilflose einzelne Euroländer ein sehr viel leichteres Spiel. Krisenopfer im persönlichen Umfeld kennen lediglich 10 Prozent der Österreicher.
Mehr als drei Viertel der Österreicher oder genau 78 Prozent sind wütend darüber, wie ungerecht Wohlstand und Vermögen in Europa, aber auch in Österreich, verteilt sind. 43 Prozent davon betonen diesen Unmut "mit äußerstem Nachdruck". Nur 7 Prozent sind mit der Vermögensverteilung zufrieden. 87 Prozent der Befragten stimmen Protestbewegungen wie etwa in Frankfurt ("Schranken für die Banken") zu, 36 Prozent sogar ohne die geringste Einschränkung. Selbst aktiv zu werden und sich der Protestbewegung "Occupy Austria" anzuschließen, ist für die meisten allerdings noch zu früh und zu weit gedacht. 54 Prozent sagen, sie hätten dies bereits erwogen, darunter 10 Prozent, für die das eine absolut realistische Option darstellt. 11 Prozent schließen für sich eine aktive Teilnahme an einem Occupy-Protestcamp definitiv und kategorisch aus.
Insgesamt geben drei Viertel der Österreicher an, wirklich beunruhigt zu sein. Von diesen 75 Prozent bekunden sogar 20 Prozent, dass sie zutiefst in Sorge leben. Nur jeder zehnte Österreicher teilt solche Zukunftsängste nicht.
Das Forschungs-und Beratungsinstitut Oekonsult hat hat die Umfrage unmittelbar nach Bekanntwerden der Gipfel-Beschlüsse gestartet. Vom 27. bis zum 30. Oktober 2011 wurden österreichweit 1.011 Personen der werktätigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren befragt.












