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Zuletzt aktualisiert: 06.10.2011 um 21:54 UhrKommentare

EU-Sorgenkind Spanien macht Hausaufgaben

Spanien nimmt seine Probleme ernst und antwortet mit einschneidenden Reformen. In dem Land, das Österreichs Exporteure bislang unterschätzt haben, gibt es noch viel Potenzial. Auch jetzt an der Schwelle zur Krise.

Foto © Tschernitz

Die Goethe-Institute in Spanien hatten noch nie so viele Anmeldungen. 80.000 Spanier haben im ersten Halbjahr bereits für Deutschkurse inskribiert. Die jungen Spanier rüsten sich offenbar für den Sprung ins Ausland, wie damals in den 60er- Jahren, als die Südländer scharenweise in Deutschland Arbeit suchten. Die Arbeitslosigkeit ist mit rund 20 Prozent eine der höchsten in der EU, bei den Jugendlichen sind es sogar 45 Prozent - Zahlen, die Sprengstoff bergen, denn Jugendliche ohne Perspektive sind Gift für jedes Land. Dass die Wirtschaft dennoch funktioniert und immer noch fleißig konsumiert wird, liegt wohl an dem exorbitant hohen Anteil an Schwarzarbeit. In den noblen und teuren Geschäften ist von Krise keine Spur - nirgends ist die Dichte an Modeshops so groß wie in Barcelona. Die rund 10.000 Passagiere, die die Kreuzfahrtschiffe täglich in die Hauptstadt Kataloniens spucken, lassen viel Geld in der Stadt.

Kultur in der Fabrik

Der Spanier Amancio Ortega ist einer der reichsten Männer der Welt. Ihm gehört die Textilgruppe Inditex, zu der Millionenmarken wie Zara, Bershka, Massimo Dutti und Üterque gehören. Produziert werden die Textilien längst in Fernost, die zahlreichen Textilfabriken, für die Barcelona bekannt war, sind in Kunst- und Kulturzentren umgewandelt. In Barcelona werden die Waren nur noch logistisch in die ganze Welt verteilt. Dennoch ist Katalonien die Antriebsmaschine für die spanische Wirtschaft. Ein Drittel der Wirtschaftsleistung Spaniens kommt aus der autonomen Region, die immer öfter von der katalanischen Unabhängigkeit träumt.

Für exportwillige österreichische Firmen sei in Katalonien viel Platz. Zum Beispiel für Seilbahntechnik und elektronische Eintrittssysteme, für Tourismus- Know how - das Landesinnere ist touristisch vollkommen ungenützt - aber auch für Holz. "Holz war vor einigen Jahren noch kein Thema in Spanien, jetzt schnellt die Nachfrage in die Höhe", erklärt der Wirtschaftsdelegierte Robert Punkenhofer einer Kärntner Wirtschaftsdelegation. 400 Besucher bei einem ProHolz-Seminar in Barcelona überraschten auch ihn. Potenzial sieht er für Bio-, Milch- und Fleischprodukte, in Maschinen, der Wasser- und Energiewirtschaft. AVL, Zimmer, KTM, Stora Enso, Novomatic sind schon dort. Pago hat seine Produktion hingegen eingestellt. "Wir haben im Vorjahr 80 österreichische Firmen betreut", erklärt Punkenhofer. Das schlechte Image, das Spanien als "Pig-Land" hat, sollte nicht abschrecken. "Spanien macht seine Hausaufgaben besser als andere Länder." Die Staatsverschuldung ist mit 60 Prozent gering und die Reformen werden beherzt angepackt."

ELISABETH TSCHERNITZ-BERGER

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