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Zuletzt aktualisiert: 14.09.2011 um 18:53 UhrKommentare

Schuldenkrise: Europa fährt Achterbahn

Die europäische Schuldenkrise gleicht beinahe der Hysterie an den Börsen: Von der griechischen Insolvenz bis hin zur helfenden Hand aus China und Eurobonds - derzeit sind alle Optionen ein Thema, doch eine gemeinsame Marschrichtung zeichent sich weiterhin nicht ab.

Foto © AP

Im griechischen Schuldendrama will Ministerpräsident Giorgos Papandreou in einem Krisentelefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy auf eine stärkere Beteiligung der Banken am zweiten Hilfspaket für sein Land dringen. Bisher sollen sich nach noch nicht offiziell bestätigten Informationen die Banken in Deutschland und Frankreich bereiterklärt haben, eine Streckung der Zahlungsfristen für etwa 75 Prozent ihrer Griechenland-Anleihen zu akzeptieren. Athen will eine Beteiligung von 90 Prozent erreichen.

Papandreou, Merkel und Sarkozy wollten sich am frühen Abend telefonisch über die Finanzkrise in Griechenland austauschen. Im Mittelpunkt der Gespräche sollte nach Informationen aus Kreisen des Athener Finanzministeriums auch die jüngsten Überlegungen über eine geordnete Insolvenz Griechenlands erörtert werden. Zudem wolle Papandreou seinen Gesprächspartnern versichern, dass Athen alle seine Verpflichtungen erfüllen werde, hieß es.

Eurobonds kommen ins Spiel

Angesichts der Krise in Griechenland setzt die EU-Kommission auf Eurobonds, also gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder: "Die EU-Kommission wird Optionen vorbereiten für die Einführung von Eurobonds", kündigte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso im Europaparlament an. Einige Möglichkeiten könnten im Rahmen der bestehenden Verträge realisiert werden, für andere müsse der EU-Vertrag geändert werden. Allerdings warnte Barroso: "Das wird natürlich nicht die Wunderlösung sein für die Probleme, denen wir gegenüberstehen." Notwendig sei eine weitere politische Integration. Eurobonds können allerdings nicht von der Kommission eingeführt werden; nötig ist ein Ja der Mitgliedsstaaten.

China winkt mit finanzieller Hilfe

Und noch eine Option tut sich am Horizont auf: - Im Kampf gegen die Schuldenkrise in Europa und den USA will sich China mit neuen Investitionen engagieren. Allerdings fordert die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt für mögliche Finanzspritzen auch ein Entgegenkommen von Europäern und Amerikanern. So solle die EU Peking als Marktwirtschaft anerkennen, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao am Mittwoch zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in der chinesischen Hafenstadt Dalian. Von den USA forderte er zudem mehr Offenheit gegenüber Investitionen chinesischer Firmen und eine Aufhebung von Exportbeschränkungen. Mit der Hoffnung auf eine baldige Lösung der Krise ging es für die Märkte zunächst nach oben.

China sei bereit, "eine helfende Hand auszustrecken" und mehr in den europäischen Ländern und den USA zu investieren", sagte Wen Jiabao vor den 1.700 Teilnehmern des "Sommer-Davos" genannten Treffens des Weltwirtschaftsforums. Er habe seine Hilfe in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso angeboten. Gleichzeitig forderte er "mutige Schritte" der Europäer seinem Land gegenüber, insbesondere die Gewährung des Status als Marktwirtschaft. Das würde dem Riesenreich Vorteile in Handelsstreitigkeiten geben. Er hoffe auf einen Durchbruch schon auf dem nächsten EU-China-Gipfel am 25. Oktober.

"Die Weltwirtschaft erholt sich langsam, aber Instabilität und Unsicherheit wachsen", sagte Wen Jiabao. Gleichwohl zeigte er sich demonstrativ zuversichtlich, dass die Europäer und Amerikaner ihre Probleme bewältigen könnten. Alle Regierungen müssten aber "ihre Verantwortung erfüllen und ihr eigenes Haus in Ordnung bringen".


Fakten

Anders als geplant werden die internationalen Finanzkontrolleure nach Angaben der Regierung in Athen erst am kommenden Montag die Gespräche zur Lage der griechischen Finanzen aufnehmen. Dies sagte ein Sprecher des Athener Finanzministeriums der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Ursprünglich wurde die "Troika" von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) an diesem Mittwoch in Athen erwartet. In der griechischen Hauptstadt ist unterdessen die sogenannte Task Force der EU eingetroffen. Die EU-Experten sollen Griechenland bei der Umsetzung wichtiger Reformen helfen.

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