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Zuletzt aktualisiert: 05.09.2011 um 15:54 UhrKommentare

Banken und EZB wettern gegen IWF

Nicht nur aus der Bankenwelt hagelt es Kritik an den Warnungen des IWF. Auch die Europäische Zentralbank schießt sich auf den Internationalen Währungsfonds ein.

Foto © Fotolia/Photosani

Europas Finanzbranche und Notenbanker gehen auf Konfrontationskurs zum Internationalen Währungsfonds. Der designierte Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hält Warnungen des Fonds vor einem Kapitalloch von 200 Mrd. Euro bei den europäischen Banken für übertrieben.

Deutsche-Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret wurde am Montag noch deutlicher: "Solche Simulationen schaden mehr als sie nützen", betonte der ehemalige Investmentbanker. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann übte scharfe Kritik an Forderungen der neuen IWF-Chefin Christine Lagarde nach einer Zwangskapitalisierung der Institute. Eine solch "unglückliche Kommunikation" könne Krisen verschärfen, warnte der 2012 scheidende Spitzenbanker.

Zwangskapitalisierung sinnvoll

Der Internationale Währungsfonds hält eine Zwangskapitalisierung europäischer Geldhäuser für sinnvoll, um Rezessionen zu vermeiden. Auf Basis eines Szenarios, nach dem alle Banken ihre Euro-Staatsanleihen auf den Marktwert abschreiben, ermittelte der IWF einen Kapitalbedarf von 200 Mrd. Euro. Kritiker halten die Annahme für wirklichkeitsfremd. Die Zahl von 200 Mrd. Euro wurde Ende vergangener Woche öffentlich und stieß auf heftige Kritik in vielen Euro-Ländern. Dombret zufolge gibt es bei den deutschen Banken kein Kapitalproblem.

Ackermann nannte die IWF-Äußerungen nicht hilfreich und nicht gerechtfertigt. "Es ist offenkundig, um nicht zu sagen eine Binsenweisheit, dass es zahlreiche europäische Banken nicht verkraften würden, müssten sie die im Bankbuch gehaltenen Staatsanleihen auf Marktwerte abschreiben", betonte der 63-jährige auf einer Frankfurter Finanzkonferenz. Die Glaubwürdigkeit der staatlichen Milliardenspritzen in die Finanzbranche würde mit Zwangskapitalisierungen untergraben.

"Angriff auf das Geschäftsmodell der Banken"

Rückendeckung bekam Ackermann, der auch dem Weltbankenverband IIF vorsitzt, von anderen Instituten. "Der Gedanke des IWF ist ein Angriff auf das Geschäftsmodell der Banken", sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. Die französische Großbank BNP Paribas verwies auf die Ergebnisse des jüngsten Banken-Stresstests. Diese zeigten, dass das Bankensystem nicht rekapitalisiert werden müsse, sagte Verwaltungsratschef Michel Pebereau auf einer Konferenz in Paris. Lediglich für einzelne Institute sei dies zweifellos erforderlich. Die Belastungsprobe im Sommer hatte einen Kapitalbedarf von weniger als 3 Mrd. Euro ergeben.

Viele Experten halten die Stresstests aber für ungeeignet, da sie beispielsweise keine drastische Abwertung von Euro-Staatsanleihen berücksichtigt haben. Analysten gehen auf Basis realistischerer Annahmen eher von einem Kapitalbedarf von bis zu 100 Mrd. Euro aus, obwohl die europäischen Banken zuletzt bereits kräftig frische Mittel aufgenommen haben. Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro kritisiert, dass die europäischen Aufsichtsbehörden "wenig Mut" bewiesen hätten bei der Beurteilung der Banken. Dies mache auch die IWF-Schätzung von 200 Mrd. Euro deutlich. "Für mich zeigt das, dass (bei den Stresstests in Europa) nicht mutig genug gehandelt wurde", sagte Weder di Mauro auf einer Wissenschaftskonferenz in Frankfurt.


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