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Zuletzt aktualisiert: 22.06.2011 um 22:23 UhrKommentare

Weiter stützen oder stürzen?

Weitere Milliarden- Hilfen, eine Umschuldung, gemeinsame Euro-Anleihen? Welcher Weg für die Rettung Griechenlands der richtige ist. Ein Überblick.

Foto © Fotolia: egeneralk

Die Vertrauensabstimmung im griechischen Parlament hat Premier Giorgos Papandreou gewonnen. Mehr als ein Etappensieg ist das nicht. Denn in der kommenden Woche muss das Parlament über das 78 Milliarden Euro schwere Sparpaket abstimmen. Und ab Donnerstag blickt alles auf den zweitägigen EU-Gipfel in Brüssel, der sich intensiv mit Griechenland auseinandersetzen wird. Indes wird weiter darüber diskutiert, welcher Weg für die Rettung Griechenlands der richtige ist.

Noch ist Griechenland nicht verloren

Haben die Milliarden-Zahlungen bisher überhaupt etwas verbessert?

Die Nervosität war enorm im Mai des Vorjahres. Griechenland war aufgrund seiner massiven Staatsverschuldung ins Visier der Ratingagenturen geraten. Und mit Griechenland der Euro. Eilig wurde in Brüssel der erste Euro-Rettungsschirm aufgespannt. Unter strengen Sparauflagen fließen seither Milliarden nach Griechenland. Renten wurden gekürzt, Steuern erhöht. Von 2009 auf 2010 hat das Land sein Haushaltsdefizit von gigantischen 15 auf rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt. Das ist insofern beachtlich, als durch die eisernen Sparmaßnahmen die Wirtschaft - und damit die Steuereinnahmen - noch weiter eingebrochen ist.

Bis spätestens Mitte Juli benötigt Griechenland die nächste 12-Milliarden-Kredittranche von der EU und dem Internationalen Währungsfonds, sonst ist das Land zahlungsunfähig. Bedingung ist ein weiteres Sparpaket der Griechen. Viele Experten stellen die Frage, ob Griechenland mit dem eingeschlagenen Weg überhaupt zu retten ist. Was spricht dafür, was dagegen?

Weiter zahlen. Sämtliche Alternativen, ob nun Umschuldung oder Staatsbankrott, hätten wohl noch viel gravierendere und teurere Auswirkungen. Hinzu käme die Ansteckungsgefahr. Mit Irland und Portugal sind bereits zwei weitere Euro-Länder unter dem EU-Rettungsschirm. Auch Länder wie Belgien, Spanien und womöglich sogar Italien könnten zu Wackelkandidaten werden. Stellt man im Falle Griechenlands die Hilfszahlungen ein oder lässt sich auf eine Umschuldung ein, wären die Märkte auch hinsichtlich der anderen Problemländer alarmiert. Ein Domino-Effekt könnte die Folge sein.

Zahlungen einstellen. Mit dem ersten Hilfspaket für Griechenland war die Prognose verknüpft, dass sich das Land ab 2012 wieder selbst am Kapitalmarkt Geld beschaffen kann. Das hat sich als totale Illusion herausgestellt, es wird also ein zweites Hilfspaket geben, weitere Milliarden müssen fließen. Die mit den Hilfszahlungen verknüpften Sparauflagen haben die griechische Wirtschaft abgewürgt, die Bürger sind wütend, soziale Unruhen werden häufiger. Auf der anderen Seite wächst auch in den anderen Euro-Ländern der Unmut über die immer neuen Milliarden-Zahlungen.

Noch ist Griechenland nicht gerettet

Sind die Milliarden-Zahlungen an die Griechen wirklich alternativenlos?

Mit der bisherigen Form der Griechenland-Hilfe ist man auf dem Holzweg, je länger dieser Weg fortgesetzt wird, desto teurer und gefährlicher wird die Situation - ökonomische Einschätzungen wie diese mehren sich. Doch gibt es Alternativen zu einem Hilfsprogramm, das seitens der EU-Politik stets als alternativenlos dargestellt wurde?

Gemeinsame Euro-Anleihen. Sogenannte Eurobonds sind Anleihen, die von allen Euro-Mitgliedsländern gemeinschaftlich am Markt ausgegeben werden. Die Euro-Länder würden so als Einheit auftreten und als Ganzes Kapital einsammeln. Damit könnten einzelne Problemländer aus der Schusslinie von Spekulanten genommen werden, weil die Haftung für die Anleihe auf alle Euro-Länder verteilt wird. Länder wie Griechenland, die sich derzeit kaum Geld an den Kapitalmärkten leihen können, hätten über die Euro-Bonds wieder Zugang zum Kapitalmarkt. Befürworter befinden sich sowohl in der Europäischen Zentralbank als auch in der EU-Kommission. Dagegen gibt es auch gewichtige Gegenargumente, vor allem aus den starken Euro-Ländern wie Deutschland, die sich auf den Kapitalmärkten zu sehr günstigen Konditionen Geld leihen können. Gemeinsame Euro-Anleihen hätten zur Folge, dass die starken Euro-Länder künftig mehr Zinsen zahlen müssen, weil sie eben auch die Haftung für die maroden Euro-Länder mitübernehmen müssten. Dadurch könnte in den Problemländern der Anreiz zur notwendigen Haushaltsdisziplin rapide sinken.

Umschuldung. Mit rund 350 Milliarden Euro ist der griechische Schuldenberg immens, die eisernen Sparpakete haben die Wirtschaft abgewürgt. Einige Experten halten einen Schuldenschnitt daher für unvermeidlich, weil sich Griechenland nur durch Wirtschaftswachstum nachhaltig sanieren kann. Eine Umschuldung birgt jedoch auch große Gefahren. Ratingagenturen würden Griechenland sofort als "Zahlungsausfall" einstufen, die griechischen Banken könnten bei der Europäischen Zentralbank keine griechischen Anleihen als "Sicherheit" mehr hinterlegen, um an Geld zu kommen. Dem dortigen Bankensystem würde der Kollaps drohen. Zur Stützung wären abermals Milliarden notwendig. Eine weitere Bankenkrise könnte die Folge sein.

MANFRED NEUPER, CLAUDIA HAASE, CARINA KERSCHBAUMER

Fakten

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