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Zuletzt aktualisiert: 19.06.2011 um 21:46 UhrKommentare

Wettlauf gegen den Bankrott

Schicksalstage für den Euro: Die EU ringt um weitere Milliarden für Griechenland. Eile ist angesagt. Mit jedem Tag wird die Rettung teurer.

Foto © Fotolia - crimson

Es sind Worte, wie man sie im friedensverwöhnten Europa nur selten zu hören bekommt: "Ich lasse das Verteidigungsministerium und ziehe in den wahren Krieg", sagte der neue griechische Finanzminister Evangelos Venizelos dieser Tage bei der Amtsübergabe.

Das war nicht übertrieben: Die Lage ist dramatisch. Seit gestern beraten die Finanzminister der Euroländer in Luxemburg über weitere Milliardenhilfen für das vom Bankrott bedrohte Griechenland. Und was immer sie am Ende beschließen werden: Es wird über die Zukunft des Euro entscheiden. Meistert die EU die schwerste Krise in ihrer Geschichte oder scheitert sie an der Rettung Griechenlands?

Feuer am Dach

Spätestens beim EU-Gipfel ab Donnerstag müssen die Staats- und Regierungschefs eine Einigung erzielen. Die Zeit drängt.

Ohne die Auszahlung der nächsten Kreditrate der Europäer und des Internationalen Währungsfonds aus dem ersten Notpaket ist Griechenland in drei Wochen pleite. An sich ist die Freigabe der Gelder in der Höhe von 12 Milliarden Euro beschlossene Sache. Doch die Finanzminister wollen eine Garantie dafür, dass Ministerpräsident Giorgos Papandreou sein ambitioniertes Spar- und Privatisierungsprogramm umsetzt. Ob ihm das gelingt, ist aufgrund der neuen Massenproteste und Streiks ungewisser denn je. Am Dienstag stellt der Premier im Parlament die Vertrauensfrage.

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble machte in Luxemburg klar, dass es Hilfen nur dann gibt, wenn Athen weiter spart: "Die Entscheidung fällt nicht hier, sondern in Athen. Griechenland muss die Voraussetzungen erfüllen, damit die nächste Trancheausgezahlt werden kann", sagte er.

Da Griechenland aber um jeden Preis gerettet werden soll, wird den Europäern nichts anderes übrig bleiben, als zu zahlen. Die Ansteckungsgefahr für andere Euroländer wäre einfach zu groß. "Wir spielen mit dem Feuer", warnte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter meinte: "Die Lage ist sehr ernst". Dies umso mehr, als auch möglichst rasch ein zweites Rettungspaket für Griechenland geschnürt werden muss. Das Land benötigt weitere bis 120 Milliarden Euro. Deutschland verlangt dafür eine "substanzielle" Beteiligung privater Gläubiger. Doch das ist vielen Euroländern zu riskant. Die mächtigen Ratingagenturen haben bereits damit gedroht, Athen bei einem erzwungenen Gläubigerverzicht als bankrott einzustufen. Sollte dieser Fall eintreten, kann die Europäische Zentralbank (EZB)) keine griechische Staatsanleihen mehr als Sicherheit akzeptieren.

Mit einem neuen Kompromissvorschlag will Schäuble nun den Streit entschärfen. Findet er Gehör, würde das Rettungspaket und damit auch der österreichische Beitrag dazu, teurer.

STEFAN WINKLER, BRÜSSEL

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