Hahn hat sich "offensichtlich die Dissertation erschwindelt"
Der Plagiatsjäger Stefan Weber hat sich im Auftrag der Grünen die Dissertation von EU-Kommissar und Ex-Wissenschaftsminister Johannes Hahn vorgenommen. Sein ernüchterndes Ergebnis: 76 Plagiate auf 254 Seiten.

Foto © APADr. Johannes Hahn ... oder doch nicht?
Der ehemalige Wissenschaftsminister und derzeitige EU-Kommissar Johannes Hahn (V) hat sich "offensichtlich seine Dissertation erschwindelt". Das ist laut dem Grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz das Ergebnis einer Überprüfung der Dissertation Hahns durch den als "Plagiatsjäger" bekanntgewordenen Medienwissenschafter Stefan Weber, die dieser im Auftrag des Grünen Klubs durchgeführt hat und das Pilz am Montag bei einer Pressekonferenz präsentiert hat. Demnach sind zumindest 17,2 Prozent der Gesamtzeilenanzahl der Arbeit plagiiert.
Konkret hat Weber im Schnitt auf jeder vierten Seite von Hahns 254 Seiten umfassenden Arbeit "Die Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Beispiel der Stadt" (1987) Plagiatsfragmente entdeckt. Insgesamt waren es 76 Plagiatsfragmente, in 68 Fällen hat Hahn laut dem Gutachten den Text angepasst - man könne daher nicht von vergessenen Anführungszeichen reden, so Pilz. Dies sei absichtlich geschehen, es handle sich daher um "Manipulation, möglicherweise Fälschung". Laut Pilz könnte Hahn in noch größerem Umfang abgeschrieben haben, als Weber in seinem rein manuellen Vergleich der Dissertation mit 21 Werken aus der Literaturliste feststellen konnte.
Uni deckt Minister
Harsche Kritik übte Pilz in diesem Zusammenhang an der Uni Wien: "Die Universität deckt ihre Minister", so habe sie eine Anzeige Weber aus 2007 "einfach liegen gelassen". Er gehe davon aus, dass jenes Gutachten, das die Uni Wien nun bei der Agentur für wissenschaftliche Integrität angefordert hat und das bis Herbst veröffentlicht werden soll, "sauber" sein werde. Er wolle sich aber sowohl die Rolle von Hahns Doktorvater Peter Kampits als auch der für die Einleitung von Plagiatsprüfungen in Verdachtsfällen zuständigen Studienpräses Brigitte Kopp ansehen.












