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    Zuletzt aktualisiert: 03.05.2011 um 19:57 UhrKommentare

    Türkisch an Schule: Gül blitzt ab

    13 Fremdsprachen werden an Schulen heute angeboten, Türkisch ist nicht dabei. Daran änderte auch Abdullah Güls Staatsbesuch nichts.

    Foto © APA

    Mit leeren Händen wird der türkische Präsident Abdullah Gül heute Österreich in der Sprachenfrage verlassen. Die Hoffnung, dass den rund 270.000 in Österreich lebenden Türken an Volks-, Haupt-, Mittel- oder Berufsschulen Unterricht auch in ihrer Muttersprache angeboten wird, hat sich nicht erfüllt. Deutsch ist und bleibt - von einigen Ausnahmen abgesehen (französischsprachiges Lycée in Wien, englischsprachiges GIBS in Graz, slowenisches Gymnasium in Klagenfurt, diverse bilinguale Schulversuche) - Unterrichtssprache. Das machte die Koalition deutlich.

    Dennoch gibt es Bewegung in der Frage. Unterrichtsministerin Claudia Schmied kann sich Türkisch als Fremdsprache und als Maturafach vorstellen. "Ich sehe keine objektiven Probleme bei einer Erweiterung des Sprachenkanons um Türkisch. Zumal man im Nachbarland Deutschland seit fast drei Jahrzehnten gute Erfahrungen mit Türkisch als Abiturfach hat." Die Einführung habe derzeit aber "keine Priorität", so die Ministerin gestern.

    Dass Türkisch nicht als zweite, dritte oder vierte lebende Fremdsprache an den Schulen angeboten wird, ist sonderbar. Derzeit können Schüler in 13 Sprachen maturieren, nicht jedoch in Türkisch. Schmied lässt sich bei Türkisch nicht von integrationspolitischen, sondern von wirtschaftspolitischen Überlegungen leiten. Die Türkei zählt zu den großen Hoffnungsmärkten für Österreichs Unternehmer.

    Was aber keineswegs bedeutet, dass an Österreichs Schulen nicht Türkisch gesprochen wird. Seit 1992 wird an Volks- und Hauptschulen, seit 2001 (Schwarz-Blau) auch an Gymnasien ein muttersprachlicher Förderunterricht angeboten. In den Genuss kommen rund 30.700 Kinder, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und deshalb den Unterricht nicht verfolgen können.

    Zweifelhafter Besuch

    Keine Änderung hat Güls Besuch an Österreichs Haltung zum EU-Beitritt gebracht: Österreich präferiert eine privilegierte Partnerschaft und nicht den Vollbeitritt. Gestern besuchte Gül die konservativ-islamische Studentinnen-Vereinigung "Wonder", die Kleine Zeitung berichtete. Die umstrittene Organisation steht der türkischen Regierungspartei AKP nahe. Zuletzt geriet sie in die Schlagzeilen, weil islamistische Fundamentalisten dort einen Vortrag hielten. Medien waren bei dem gestrigen Treffen unerwünscht.

    MICHAEL JUNGWIRTH


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