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Zuletzt aktualisiert: 23.01.2011 um 13:26 UhrKommentare

Warum hält sich Berlusconi eigentlich noch?

Italiens Regierungschef sorgt mittlerweile für ungläubiges Kopfschütteln, trotzdem steht er weiter in der Gunst der Wähler: Man steht zu ihm, man kennt ihn und man wählt ihn - trotz Skandalen.

Foto © Reuters

Sexaffären wie am laufenden Band, ein wirtschaftlich kränkelndes Italien und ein leckgeschlagenes Regierungsschiff im Sturm - wie kann Silvio Berlusconi trotz alledem vom Palazzo Chigi in Rom aus immer noch das Land lenken? Kaum ein anderer Premier wäre nach genüsslich ausgebreiteten Details über Sexabenteuer, angesichts mühsam abgewehrter Korruptionsprozesse und einer fehlenden Mehrheit im Parlament noch in Amt und Würden. Anders der "Cavaliere", der Oberwasser auch dann noch zu haben scheint, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht. Ist der Mailänder Medienzar "alternativlos"?

Peinlichkeiten eines 74-Jährigen

Der jüngste "Fall Ruby" um eine vor kurzem noch minderjährige Marokkanerin sieht den 74-Jährigen - mal wieder - von allen Seiten umzingelt und unter Druck gesetzt. Papst Benedikt XVI. spricht von fehlender Moral, Staatspräsident Giorgio Napolitano ist entsetzt, die Mailänder Staatsanwälte ermitteln wegen Prostitution und wegen Amtsmissbrauchs, und aus dem Parlament schlägt ihm Frust selbst aus den eigenen Reihen wegen seiner Eskapaden entgegen. "Und doch scheint er die Zustimmung des Landes nicht zu verlieren", hält der "Corriere della Sera" fest. Die Analyse von Umfragen zeigt, warum dem so ist.

Viele Italiener wollen Berlusconi offenbar trotz der Affäre nicht abstrafen, lassen den "Fall Ruby" an sich abperlen wie von einem Regenmantel, schauen sich vielleicht noch die vulgär-grotesken Seiten an mit den jungen Schönen aus dem "Harem" des Regierungschefs. Die Wähler seien immer noch geneigt, Berlusconi zu stützen, und dies aus "Mangel an einer glaubwürdigen Alternative". So erklärt sich der Mailänder Fachmann Paolo Natale vom Demoskopie-Institut Ipsos eine der letzten Umfragen, die Berlusconi schätzen dürfte: Man steht zu ihm, man kennt ihn und man wählt ihn.

Ein Körnchen Wahrheit könnte da schon drin sein. Erst "wenn sich in der Zukunft die Probleme der Wirtschaftskrise verschärfen sollten, wird Berlusconi Gefahr laufen, dafür zu büßen", analysiert der Ipsos-Chef Nando Pagnoncelli. Kein Wunder, dass der Ministerpräsident bei jeder Gelegenheit verkündet, er müsse im Amt bleiben, um das Land durch die Krise zu steuern. Nun ist Italien seit einiger Zeit durch die Probleme der Regierung und ihres Chefs wie gelähmt und wirkt nicht gerade wie ein Schiff, das gekonnt durch den Sturm gebracht wird. Was Wahlen entscheidet, hat seinerzeit das Wahlkampfteam des US-Präsidentschaftskandidaten Bill Clinton vorgemacht: "It's the economy, stupid!"

Pragmatisch, nicht idealistisch

Es ist aber nicht nur die Wirtschaft, also die Sorge um Arbeitsplätze etwa bei Fiat, die viele Italiener über den Schaden für das Image ihres Landes im Ausland hinwegsehen lassen. Pragmatisch und nicht mehr idealistisch geprägt scheint ein großer Teil der öffentlichen Meinung. Und den Staatsanwälten, die einst heroisch den Korruptionssumpf "Bella Italia" trockenzulegen versuchten, schlägt vielleicht auch nicht mehr die bedingungslose Bewunderung entgegen. Der "Krieg" zwischen Berlusconi und den ihn verfolgenden Richtern und Staatsanwälten könnte in der Tat auch all jene ermüden, die um ihren Job kämpfen, um ihre Bildungschancen oder ums Überleben im Alter. Pragmatismus meint auch Resignation, und die herrscht vor. Es fragt sich nur, wie lange Berlusconi davon noch profitieren kann.

Es könnte sein, dass weniger die Ermittler im "Fall Ruby" ihm das entscheidende Bein stellen werden. Im Parlament steht demnächst eine Abstimmung über eine Föderalismus-Reform an, auf die Bündnispartner Umberto Bossi von der Lega Nord pocht. Falls dieses Gesetz nicht im Sinne des reichen Nordens durchkommt, dann könnte die Lega Nord auf Neuwahlen pochen. Aber selbst für den Fall gibt sich Berlusconi optimistisch. Er hat die Umfragen und ein Wahlgesetz im Rücken, das große Parteien begünstigt - also seine "Volk der Freiheit" genannte PdL.

Hanns-Jochen Kaffsack/dpa

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