Paketbomben: EU warnt vor Panik
EU-Verkehrskommissar Siim Kallas hat angesichts der jüngsten Bedrohungen durch Terrorfrachten vor "Panik" gewarnt. Er sprach sich am Freitag in Brüssel auch gegen übertriebene Maßnahmen als Reaktion auf die "ernsten Zwischenfälle" aus.

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Nach dem Fund mehrerer Paketbomben hat die Europäischen Union vor übertriebenen Maßnahmen und "Panik" gewarnt. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sprach am Freitag in Brüssel von "ernsten Zwischenfällen", äußerte sich aber zurückhaltend zur Forderung nach drakonischen Kontrollen und Landeverboten für Frachtflieger aus Drittstaaten. Falschen Paketbombenalarm gab es indes an der deutschen Botschaft in Kopenhagen sowie in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Die griechischen Behörden fahndeten weiter auf Hochtouren nach Hintermännern der jüngsten Paketbombenserie.
Kallas sprach sich für ein Schließen von "Lücken" bei den Sicherheitsvorkehrungen aus, warnte aber zugleich vor einer übermäßigen Belastung der Luftfahrtindustrie. Das Motto könne nicht lauten "No flight, no risk" ("Kein Flug, kein Risiko"), betonte der estnische Politiker. Die Maßnahmen dürften nicht zulasten der Unternehmen gehen und müssten für die Flughäfen umsetzbar sein. Es müsse auch sichergestellt werden, dass die Maßnahmen nicht zur Entstehung neuer Lücken führen. "Wir müssen sehen, wo der Schwachpunkt in der Kette liegt."
So würfe man nicht in ein "völliges Misstrauen" insgesamt verfallen, sagte er auf eine Frage nach den Kontrollen auf griechischen Flughäfen. Deutschen Medienberichten zufolge hätte nämlich die für die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bestimmte Paketbombe am Flughafen Athen erkannt werden müssen. Die dortige Sicherheitsfirma hatte betont, bei der Durchleuchtung nichts entdeckt zu haben.
Luftfahrtsicherheitsexperten der EU-Staaten kamen am heutigen Freitag in Brüssel zu einer mehrstündigen Sitzung zusammen, um über die jüngste Bedrohung durch Terrorfrachten zu beraten. Vonseiten der EU-Kommission hieß es, die Union arbeite diesbezüglich eng mit internationalen Partnern, vor allem den USA, aber auch Australien zusammen. Derzeit gehe es um die Schaffung eines Konzepts des "zuverlässigen Frächters", wonach die Kontrolle der Pakete bei den Frachtfirmen selbst liegt. Am Montag werden die Paketbomben auch bei den Beratungen der EU-Innenminister in Brüssel ein Thema sein. Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer hat bereits angekündigt, die Kontrollen zu verschärfen, etwa durch mehr Mitarbeiter im Luftfahrt-Bundesamt, das Medienberichten zufolge unter chronischem Personalmangel leidet.
Die jüngste Paketbombe war am gestrigen Donnerstag in Athen aufgetaucht, am heutigen Freitag gab es mehrmals falschen Alarm. An der deutschen Botschaft in Kopenhagen sorgte ein Paket mit Bewerbungsunterlagen für Aufregung. Die Sendung wurde von der Polizei untersucht, nachdem sie verdächtigt "gepiepst" habe, berichtete das deutsche Außenministerium in Berlin. Der Vorfall habe gezeigt, dass die Sicherheitsvorkehrungen gut funktionierten, lobte der Sprecher die nach den Paketbombenfunden der vergangenen Tage "sensibilisierten" Botschaftsmitarbeiter.
In Sofia gab es zwei Mal falschen Alarm. In einer verdächtigen Sendung für die israelische Botschaft in Sofia wurde kein Sprengstoff gefunden, meldete das bulgarische Innenministerium. Eine Postfiliale im Zentrum der Hauptstadt war zuvor wegen Bombenalarms für mehrere Stunden geschlossen geblieben. In Bulgarien gilt derzeit höchste Sicherheitsstufe für Pakete, alle Postsendungen würden einer Röntgenkontrolle unterzogen.
Die Zahl der seit Montag in Athen, Berlin und Bologna entdeckten Paketbomben beläuft sich bisher auf 14. Die Sprengsätze, die in ausgehöhlten Büchern versteckt waren, waren an ausländische Botschaften in Athen, EU-Behörden sowie mehrere europäische Staatsführer adressiert. Die griechischen Sicherheitskräfte haben bisher zwei mutmaßliche Autonome als Urheber der Bombenserie festgenommen, nach weiteren Terroristen wird gefahndet. Griechenland nahm in der Nacht auf Freitag nach zwei Tagen Unterbrechung den internationalen Postverkehr wieder auf.
Innsbrucker Wissenschaftler entwickelten indes einen neuen "elektronischen Spürhund", der auch kleinste Mengen von Sprengstoffmolekülen in der Luft ausfindig machen kann. Das PTR-MS genannte System (Protonen-Tausch-Reaktions-Massenspektrometrie) hat eine höhere Auflösung als bisher verwendete Systeme, erklärte Tilmann Märk von der Universität Innsbruck am Freitag gegenüber der APA. Dadurch ließen sich Fehlalarme reduzieren. Auch könne das System das unter anderem in den Paketbomben in London und Dubai gefundene Pentaerythrityletranitrat (PETN) "in Echtzeit" erkennen.











