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Zuletzt aktualisiert: 09.10.2010 um 18:44 UhrKommentare

Merkel und Erdogan für bessere Integration der Türken

Eine bessere Integration ermöglicht auch, dass die Menschen türkischer Herkunft die gleichen Chancen hätten. "Assimilation steht überhaupt nicht auf der Tagesordnung", so die deutsche Kanzlerin.

Angela Merkel und Tayyip Erdogan

Foto © ReutersAngela Merkel und Tayyip Erdogan

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan haben zu einer besseren Integration der Türken in Deutschland aufgerufen. Es gebe noch unverkennbare Probleme, die gelöst werden sollten, sagte Merkel am Samstag nach einem Gespräch mit Erdogan in Berlin. Beide Seiten wollen zum 50-jährigen Jubiläum der Gastarbeiteranwerbung im Oktober 2011 Bilanz ziehen. Erdogan sagte, man wolle herausfinden, "wo wir angekommen sind und was wir noch tun könnten".Bei der Integration sei es wichtig, Werte und Lebensweisen der Gesellschaft, in der man lebe, zu respektieren und sich anzupassen. "Da bin ich selbstverständlich dafür, dass die Menschen türkischer Abstammung hier in Deutschland sich integrieren für ihr eigenes Glück."

"Assimilation steht nicht auf der Tagesordnung"

Nach Merkels Worten geht es um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben - etwa dem Erlernen der deutschen Sprache und dem Akzeptieren der Verfassung. Vor allem gehe es aber darum, dass Menschen türkischer Herkunft die gleichen Chancen hätten. Oft hätten diese Bürger eine geringere Ausbildung und beendeten seltener die Schule mit einem Abschluss. "Das möchten wir ändern", sagte die deutsche Kanzlerin. Der Schlüssel dazu sei Integration. "Assimilation steht überhaupt nicht auf der Tagesordnung."

Bildungschancen erhöhen

Erdogan erklärte, um die Bildungschancen von Deutsch-Türken zu verbessern, solle in Istanbul eine türkisch-deutsche Universität und in Deutschland ein Pendant dazu gegründet werden. Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff hatte in seiner Rede zur deutschen Einheit jüngst betont, neben Christentum und Judentum gehöre auch der Islam zu Deutschland. Erdogan lobte, dass Wulff eine Realität angesprochen habe: "Ich erkenne das hoch an."

Während CSU-Chef Horst Seehofer im Nachrichtenmagazin "Focus" dazu aufrief, die Zuwanderung aus "fremden Kulturkreisen" wie etwa der Türkei zu bremsen, forderte die deutsche Industrie eine zügige Fortsetzung der EU-Beitrittsgespräche mit dem Land am Bosporus. "Für die deutsche Wirtschaft ist die Türkei ein stabiler Partner", sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes BDI, Seehofers Parteifreund Werner Schnappauf. "Das Land bleibt absehbar ein Wachstumsmarkt in strategisch bedeutender Lage."

Merkel hatte in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Erdogan betont, dass die EU-Beitrittsgespräche "ergebnisoffen" blieben. Die deutsche Kanzlerin will im Jänner nach Zypern reisen, um in dem dortigen Konflikt zwischen der griechischen und türkischen Volksgruppe zu vermitteln. Wegen des Konflikts blockiert Zypern mehrere Verhandlungskapitel, lediglich zwei können noch eröffnet werden. In den fünf Jahren seit Verhandlungsbeginn sind erst 13 der 35 Kapitel eröffnet worden, ein einziges (Wissenschaft) wurde abgeschlossen: Unter österreichischem EU-Ratsvorsitz im Jahr 2006.


Umfrage zum EU-Beitritt

Deutschland, Frankreich und Österreich gehören zu jenen EU-Staaten, die einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der Union am skeptischsten gegenüberstehen. In Deutschland sprechen sich einer aktuellen Umfrage des Instituts "Emnid" zufolge 69 Prozent der Bürger dagegen aus, 27 Prozent sind dafür. Besonders groß sei die Ablehnung bei Senioren sowie CDU-Anhängern.

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