Fredrik Reinfeldt: Erfolg mit "neuer Arbeiterpartei"
Mit seinem absehbaren zweiten Wahlsieg in Folge dürfte dem schwedischen Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt (45) ein historischer Triumph gelungen sein.
Noch nie zuvor ist in dem traditionell sozialdemokratisch geprägten skandinavischen Land ein konservativer Regierungschef nach einer vollen Amtszeit bestätigt worden. Reinfeldts Erfolg kommt nicht von ungefähr: Er hat die Konservativen in den vergangenen Jahren sukzessive in die politische Mitte gerückt und damit auch für bisherige Sozialdemokraten zusehends wählbar gemacht.
Der am 4. August 1965 in Österhaninge bei Stockholm geborene Reinfeldt engagierte sich schon früh politisch und trat mit 18 Jahren der konservativen Jugendorganisation MUF bei. Er studierte Betriebswirtschaft, schon mit 26 Jahren wurde er (1991) in den schwedischen Reichstag gewählt. Das Ruder bei den "Moderaterna" übernahm er im Jahr 2003, ein Jahr nach der Wahlschlappe der Konservativen. Reinfeldt löste damals den chronisch erfolglosen Parteichef Bo Lundgren ab.
Vorerst zum Entsetzen des Wirtschaftsflügels der Partei kehrte Reinfeldt der konsequenten Steuersenkungsstrategie den Rücken und verpasste der Partei ein komplett neues Image als "Neue Moderate". Reinfeldt schaffte es, die bis dahin stets zersplitterte Opposition der vier Mitte-Rechtsparteien erstmals zu einer kohärenten und ebenso zug- wie schlagkräftigen "Allianz" zusammenzuschmieden.
In dem er die Grundpfeiler des Wohlfahrtsstaats unangetastet ließ und nach dem Wahlsieg von 2006, gemeinsam mit seinem Finanzminister Anders Borg, zumindest scheinbar behutsam an Dienstleister auslagerte, gelang es ihm sukzessive, das Vertrauen von immer mehr ehemaligen sozialdemokratischen Wählern zu gewinnen. Heute bezeichnen sich die Konservativen als "neue Arbeiterpartei" Schwedens. Anfang 2007 holte die ÖVP Reinfeldt auf Initiative des heutigen Vizekanzlers Josef Pröll als Inspirator für ihre neue Linie zu einem Vortrag nach Wien.
Kurz vor der diesjährigen Wahl genoss Reinfeldt als Regierungschef das Vertrauen von fast zwei Dritteln der Wähler aller Parteien, während seine Herausforderin Mona Sahlin von den Sozialdemokraten insgesamt nur 18 Prozent Zustimmung erhielt. Gemeinsam mit dem neuen britischen Premier David Cameron - ebenso ein Mittvierziger - gilt Reinfeldt mittlerweile als Bannerträger der neuen "jungen" europäischen Rechten, die sich sensibler in sozialen und ökologischen Fragen zeigt.
Doch nicht immer sah es während der vergangenen vier Jahre so gut für Reinfeldt aus. Zwei seiner ursprünglichen Ministerinnen mussten gleich in den ersten Wochen seiner Regierungsperiode das Handtuch werfen, nachdem ihnen Steuerschummeleien nachgewiesen wurden. Weitere Skandale und Unstimmigkeiten sowie undurchsichtige Parteienfinanzierung und regionale Machenschaften der "Moderaten" konnten seinem persönlichen Image als besonnener und integrer Politiker letztlich jedoch wenig anhaben.
Reinfeldt ist mit der ebenfalls konservativen Gemeinderätin Filippa Reinfeldt verheiratet. Das Paar hat drei Kinder und lebt in der Stockholmer Vorortgemeinde Täby, die für ihren hohen Ausländeranteil bekannt ist. Ein Detail aus Reinfeldts Stammbaum beschäftigte vor vier Jahren den schwedischen Boulevard: Sein Ur-Urgroßvater, John Hood, war ein dunkelhäutiger Einwanderer, der Ende des 19.Jahrhunderts in Stockholm hängen blieb und die aus dem heutigen Lettland stammende Emma Dorothea Reinfeldt ehelichte. Ob Hood aus den USA oder aus einer niederländischen Kolonie im heutigen Südostasien stammte, ist unsicher.
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