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Zuletzt aktualisiert: 11.11.2010 um 17:04 UhrKommentare

Neue Regeln: EU nimmt Hedgefonds an die Leine

Die als "Heuschrecken" bekannten Hedgefonds werden in Zukunft einheitlichen Regeln unterworfen. Damit sollen Investoren besser geschützt und die Finanzmärkte stabilisiert werden.

Foto © Gina Sanders - Fotolia.com

Das EU-Parlament hat am Donnerstag den Weg zur europaweiten Regulierung von alternativen Investmentfonds frei gemacht. Erstmals wird es damit möglich sein, auch Hedgefonds und die als "Heuschrecken" verschrienen Private-Equity-Fonds einer EU-weit einheitlichen Regelung zu unterwerfen. Ein Kernelement des Vorhabens ist der "Europäische Pass", der es Fondsanbietern aus der EU - und später auch aus Drittstaaten - ermöglicht, nach der Zulassung in einem EU-Land ihr Produkt auch in allen anderen Mitgliedsländern anzubieten. Private-Equity-Fonds wird das "Ausschlachten" von Unternehmen erschwert, sie müssen zwei Jahre lang das Geld im übernommenen Unternehmen lassen. Die Zustimmung erfolgte mit großer Mehrheit, nur die Grünen stimmten dagegen, für sie geht die Regulierung zu wenig weit.

Bis die neuen Regeln in vollem Umfang wirksam werden, werden noch einige Jahre vergehen. Nach dem Inkrafttreten der Richtlinie mit Jahresbeginn 2011 haben die nationalen Parlamente bis 2013 Zeit für die Umsetzung. Nach weiteren zwei Jahren und nachdem die künftige europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA einen Bericht über die Umsetzung der Richtlinie vorgelegt hat, kann der Pass auch auf Nicht-EU-Fonds ausgeweitet werden. Nach weiteren drei Jahren, in denen ein duales System läuft, ist ein weiterer Bericht der ESMA vorgesehen, und die EU-Kommission kann festlegen, ab wann die nationalen Regulierungen beendet werden müssen.

Regeln sollen Finanzmärkte stabilisieren

Die Hedgefonds-Richtlinie der EU umfasst alle alternativen Investmentfonds und Fondsmanager, die nicht schon unter die UCITS-Regelung fallen, durch die die "normalen" Investmentfonds geregelt werden. Das von den alternativen Fonds verwaltete Vermögen wird auf über 1.000 Mrd. Euro geschätzt. Ziel des Regelwerkes ist es daher auch, einen Beitrag zur Stabilität der Finanzmärkte zu liefern. Nach der noch ausstehenden formalen Zustimmung durch den EU-Rat kann die Richtlinie mit Jahresbeginn 2011 in Kraft treten.

Eine bessere Kontrolle und Überwachung der alternativen Investmentfonds soll durch Registrierungs- und Informationspflichten erreicht werden. Daneben sind zur Stabilisierung und Verbesserung des Risikomanagements der Fonds Mindestanforderungen für das Eigenkapital vorgesehen. Nationale Schlupflöcher bei der Authorisierung sollen ebenfalls geschlossen werden. Am Ende des Regelprozesses soll es einen einheitlichen europäischen Markt auch für alternative Finanzprodukte geben, aufbauend auf dem "Europäischen Pass" und unter Kontrolle der künftigen europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA. Der Gesetzestext, um den ein Jahr lang hart gerungen und lobbyiert wurde, enthält nun auch Entlohnungsregeln für Fondsmanager, die jetzt den gleichen verbindlichen Auflagen unterliegen, die die EU für Bankmanager vorsieht. Weiters müssen Depot- und Verwahrstellen in Zukunft für Schadenersatzansprüche haften.

Während konservative und sozialdemokratische Fraktionen im EU-Parlament dem Kompromissvorschlag zustimmten, lehnten ihn die Grünen als "inakzeptabel" ab.

"Das ist keine Revolution, aber eine Trendumkehr", so die SPÖ-Europaabgeordnete Evelyn Regner. Sie sehe nun "nicht die wunderbare neue Welt" kommen, aber es handle sich um einen wichtigen Baustein für eine Finanzmarktregulierung. Mit Einschränkungen seien auch Private Equity-Fonds erfasst, wobei hier "nicht alles schön zu reden" sei, denn bei Übernahme von Unternehmen mit bis 250 Arbeitnehmer seien sie von der Regelung ausgenommen, und "da haben wir in Österreich nicht wenige". Der Missbrauch durch "asset stripping" - das "Ausschlachten" eines übernommenen Unternehmens - werde hintangehalten.

"Mit der heutigen Annahme der Hedgefonds-Richtlinie ist es uns gelungen erstmals aus 27 unterschiedlichen Regeln eine EU-weite Vereinheitlichung zu schaffen. Das ist eine notwendige Maßnahme zur Schließung von Regulierungslücken und zur Stärkung des Finanzbinnenmarktes", betonte der ÖVP-Europaabgeordnete Othmar Karas. Alle Produkte und Fondsmanager müssten jetzt EU-weit registriert und autorisiert werden.

Für die Grünen geht der Beschluss dagegen nicht weit genug. "Im Kern wird sie an den bisherigen Spekulationen der Fonds nichts verändern", kritisierte die Europaabgeordnete Ulrike Lunacek. Die EU sei bei der konsequenten Regulierung gescheitert. Auch in Zukunft werden von diesen Fonds Systemrisiken ausgehen. Vor allem werde es keine europäische Begrenzung des Leverage der Fonds geben, und die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde werde nicht in der Lage sein, Hedgefonds aus Drittländern einheitliche europäische Auflagen zu erteilen. Im Übrigen würden alle Regeln nur Fondsmanager betreffen, wenn sie ihre Fonds aktiv vermarkten. Die passive Vermarktung von Steueroasen-Fonds in der EU sei auch künftig möglich. Damit werde das Prinzip verletzt, dass kein Akteur ohne Regulierung bleiben sollte. "Das ist ein schwerer Sündenfall nach der Finanzkrise", so Lunacek. Auch die Regeln für Private-Equity-Fonds gehen den Grünen nicht weit genug, der Schutz vor "räuberischen Managementpraktiken" bleibe völlig ungenügend.


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