Euro-Paket - Märkte feiern EU-Rettungsmaßnahmen
Der Euro erholte sich am Montag deutlich nach seinen jüngsten Kursverlusten. Auch an den Aktienbörsen griffen Investoren beherzt zu, bei den Finanzwerten gab es teilweise Rekord-Kursgewinne.

Foto © APADie Börsen feiern das Euro-Paket
Die EU-Staaten haben mit ihrem Rettungsschirm für strauchelnde Mitgliedsländer für große Erleichterung an den Finanzmärkten gesorgt. Nicht nur die Börsen bekamen Auftrieb, auch die Risikoaufschläge für Anleihen hoch verschuldeter südeuropäischer Staaten wie Griechenland und Portugal gingen stark zurück. Finanzgeschäfte, die auf eine Pleite dieser Staaten spekulieren, ebbten ab. Analysten begrüßten das am Wochenende auf den Weg gebrachte gigantische Hilfsprogramm als wirksamen und dringend notwendigen Schritt zur Stabilisierung. Zugleich wurden aber Warnungen laut: Langfristig würden die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Zone und damit auch die Gemeinschaftswährung belastet.
Die EU-Finanzminister hatten einen Kreditrahmen von insgesamt 500 Mrd. Euro für klamme Mitgliedstaaten beschlossen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll mindestens noch 250 Mrd. Euro dazulegen und die Europäische Zentralbank (EZB) die Maßnahmen durch den Aufkauf von Staatsanleihen und Geldmarktoperationen flankieren.
Spielregeln geändert
"Diese Maßnahmen verändern kurz- und mittelfristig die Spielregeln", betonte Dariusz Kowalczyk, Chef-Investmentstratege beim Vermögensberater SJS Markets. Mit rund 750 Mrd. Euro sei das Volumen des Rettungspaktes groß genug, um kurzfristig die Spekulationen auf eine Pleite Griechenlands zu beenden. Citigroup-Volkswirt Jürgen Michels urteilte ähnlich: "Das Paket signalisiert, die europäischen Entscheidungsträger - die Deutschen eingeschlossen - haben realisiert, dass die Stabilität der Währungsunion gefährdet ist. Im Gegensatz zu den vorherigen Maßnahmen in der Staatsschuldenkrise sind diese Maßnahmen mutig und umfangreich."
Commerzbank-Volkswirt Jörg Krämer kritisierte jedoch, durch die Entscheidung der EU habe sich die Euro-Zone von einer durch den Maastricht-Vertrag charakterisierten Währungsunion zu einer Transferunion gewandelt. Ähnlich urteilte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research: "Dies ist der Beginn einer 'Umverteilung-von-Einkommen'-Gesellschaft, welche erfolgreiche Volkswirtschaften der Region schwächt und die Volkswirtschaften stützt, die nicht in einer Position sind, die Konsequenzen aus dem Beitritt zur Europäischen Währungsunion zu tragen. Das wird das Wachstum in der gesamten Region auf längere Sicht schwächen."
Euro über 1,30 US-Dollar
Der Euro kostete am Vormittag mit 1,3074 Dollar drei US-Cent mehr als zum New Yorker Freitagsschluss. Am europäischen Aktienmarkt verbuchte der EuroStoxx50 mit knapp acht Prozent sein größtes Tagesplus seit den Kursturbulenzen kurz nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008. Gefragt waren vor allem Finanzwerte, heraus ragten hier die spanischen Großbanken Santander und BBVA mit Rekord-Kursgewinnen von jeweils rund 20 Prozent. Die Papiere der Deutschen Bank legten in der Spitze 12,4 Prozent zu. Der Dax notierte 4,7 Prozent im Plus. Zuvor hatten bereits die Börsen in Tokio und Hongkong deutlich zugelegt.
Auch an den Rentenmärkten entspannte sich die Lage dramatisch. Die von Anlegern geforderten Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen halbierten sich. Die Spreads für portugiesische und spanische gingen ebenfalls deutlich zurück. Im Gegenzug rutschte der Bund-Future um 185 Ticks auf 125,12 Punkte ab. Dies ist der größte Kursrutsch seit einem dreiviertel Jahr.
Die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite Griechenlands ist aus Sicht der Anleger stark gesunken. Die Kosten für eine Versicherung eines zehn Mio. Euro schweren Kredites an das Land gingen um rund ein Drittel auf 657.000 Euro zurück. An den Rohstoffmärkten zeigte sich eine gestiegene Risikobereitschaft der Anleger. Das als sicherer Anlagehafen geltende Gold verbilligte sich um zwei Prozent auf 1.184,85 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).
Features
Der Rettungsschirm im Detail
60 Milliarden Euro an Krediten kommen aus dem EU-Gemeinschaftsbudget. Diese steht unmittelbar per Verordnung zur Verfügung.
440 Milliarden Euro werden über eine Zweckgesellschaft zur Verfügung gestellt. Dafür stellen alle beteiligten Mitgliedstaaten - das sind bisher alle Euro-Länder sowie Polen und Schweden - Garantien bereit.
Der Internationale Währungsfonds steuert eine Kreditlinie von rund 250 Milliarden Euro bei. Der IWF muss außerdem über ein gemeinsames Programm bei der Aktivierung der europäischen Kredite eingeschaltet werden.













