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Zuletzt aktualisiert: 28.04.2010 um 12:01 UhrKommentare

Japan als nächstes Griechenland?

Die Schuldenkrise in Europa löst Schockwellen an den internationalen Finanzmärkten aus - zunehmend gerät dabei auch Japan wieder in den Fokus - anders als Griechenland ist Japan allerdings nicht im Ausland, sondern fast ausschließlich bei seinen eigenen Bürgern verschuldet.

Foto © Reuters

Denn mit schon bald 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hat die fernöstliche Wirtschaftsmacht den mit Abstand höchsten Schuldenberg unter den großen Industrienationen angehäuft. Der Internationale Währungsfonds IWF rechnet sogar mit einem Anschwellen der Schulden bis 2014 auf 246 Prozent. Schon wird der Teufel eines japanischen Staatsbankrotts an die Wand gemalt.

"Japan wird das nächste Griechenland sein", prophezeit der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, im Gespräch mit der "Welt". Ein Blick auf die schieren Zahlen mag diese Horrorvision tatsächlich nahelegen. Schließlich hat die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt in den vergangenen Jahrzehnten eine Staatsschuld von umgerechnet fast fünf Bill. Euro angehäuft. Und doch ist Japan nicht Griechenland.

Anders als Griechenland ist Japan nicht im Ausland, sondern fast ausschließlich bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Ausländische Investoren halten anteilsmäßig nur etwa sechs Prozent der japanischen Staatsanleihen. Umgekehrt ist Japan dank seines starken Exportmotors und seiner Leistungsbilanzüberschüsse eine der weltweit größten Gläubigernationen. Bei den Währungsreserven wird Japan nur von China übertroffen. Die Verschuldung ist also mehr ein inländisches Problem.

"Damit sind die öffentlichen Schulden Japans im Grunde mit einer Steuer gleichzusetzen", sagt Martin Schulz, Ökonom am Fujitsu Research Institute in Tokio. Anders als in Griechenland könnte Japan zur Begleichung der Schulden nämlich jederzeit die Steuern erhöhen oder sich durch eine Inflation entschulden. Japan ist jedoch bisher keinen dieser Wege gegangen. Ein Grund: Der Schuldendienst der Regierung ist im internationalen Vergleich weiterhin sehr niedrig.

Japan muss für seine Schulden nämlich gerade einmal schlappe 1,3 Prozent Zinsen bezahlen. "Der enorme Schuldenberg verursacht daher zur Zeit nur Kosten in Höhe von nicht einmal einem Prozent des jährlichen Bruttosozialprodukts", so Schulz. Kritiker halten dem entgegen, dass Japan nicht ewig die Zinsen bei null Prozent belassen könne. Was, wenn Japans Bürger angesichts der Schuldenkrise in Europa das Interesse am Halten von staatlichen Wertpapieren verlieren? In einem solchen Fall müssten die Japaner in kürzester Zeit mit Steuererhöhungen rechnen. Zudem würden sie riskieren, dass die Zentralbank des Landes massiv eingreift, um mit Hilfe des Druckens von Geld die niedrigen Zinsen beizubehalten.

Wesentlich wahrscheinlicher dürfte es indes aus Sicht von Ökonomen sein, dass es in Japan zu einem graduellen Übergang zu einer expansiveren Geldpolitik und Steuererhöhungen über die nächsten fünf Jahre kommt.


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DIE MASSNAHMEN

  • 50 Prozentiger Schuldenschnitt für Griechenland.
  • Erhöhung der öffentlichen Mittel von 109 Mrd. Euro auf 130 Mrd. Euro.
  • Eine Bankenrekapitalisierung von 106 Mrd. Euro. Davon fallen 2,9 Mrd. Euro an Österreich.
  • Schlagkraft des Euro-Rettungsschirms wird auf eine Billion Euro angehoben.

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