Griechenland nun zu "Ramsch-Wert"
Während die EU um die Nothilfe für Athen zankt, lassen die Finanzhaie das Land fallen und nehmen dazu noch Portugal ins Visier. Finanzmärkte reagierten mit Panik: In Windeseile rasselte der Euro auf ein Jahrestief.

Foto © 3desc - Fotolia.comMitgefangen - mitgehangen: Droht Europa die nächste Pleite?
Portugals Ministerpräsident José Sócrates trägt zwar den Namen eines großen Griechen. Aber zurzeit setzt der smarte Sozialist Himmel und Hölle in Bewegung, um auch nur den zartesten Eindruck zu vermeiden, zwischen seinem Land und den vom Staatsbankrott bedrohten Hellenen bestünde große Nähe. "Portugal ist nicht Griechenland", beteuert er, während zu Hause die Eisenbahner gegen seine Sparpläne auf die Barrikaden steigen.
Auf "Ramschstatus" herabgestuft
Doch das schert die Spekulanten einen Teufel. Jetzt tritt ein, wovor sich alle gefürchtet haben. Während Europa weiter um eine Lösung für den ägäischen Patienten zankt, hat die Ratingagentur Standard & Poor's nun nicht nur die Kreditwürdigkeit der Hellenen auf "Ramschstatus" herabgestuft. Auch die Bonität Portugals wurde erneut abgewertet.
Die Märkte reagierten mit Panik. In Windeseile rasselte der Euro auf ein neues Jahrestief. Zugleich schossen die Risikoaufschläge für griechische und portugiesische Staatsanleihen in Rekordhöhen. Wird Portugal das nächste Griechenland?
Namhafte Ökonomen wie Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz warnen schon lange vor so einem Dominoeffekt. Vor allem der von Deutschland eingeschlagene Kurs wird von vielen Experten scharf kritisiert. Es sei ein gefährliches Spiel, das Berlin mit seiner harten Haltung in Sachen Griechenland spiele, da dies stark zur Verunsicherung auf den Märkten beitrage: "Es wäre für Deutschland günstiger, Geld an Griechenland zu leihen, als die Hilfe an immer neue Bedingungen zu knüpfen", sagt etwa Paul De Grauwe, Währungsökonom an der Universität Löwen.
Unbeeindruckt davon gibt sich jetzt aber auch Österreichs Finanzminister Josef Pröll als monetärer Falke. Es werde kein Geld fließen, solange es kein gemeinsames Vorgehen aller EU-Staaten gebe, sagte er.
Unterdessen steigen die Zinsen für Griechenland und für Portugal weiter und weiter. Das macht es der Regierung von Premier Sócrates, die im Vorjahr ein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent zu verantworten hatte, immer schwerer, ihre Schulden zu begleichen. Allein heuer sind 20 Milliarden Euro fällig.
Mit radikalen Kürzungen im öffentlichen Dienst sowie bei Sozial- und Militärausgaben will der Sozialist das Budgetdefizit bis 2013 auf drei Prozent drücken. Doch wie bei Griechenland ist die Gefahr groß, dass mit dem Radikalsparen die ohnehin schwächelnde Wirtschaft völlig abgewürgt wird.
Europas Sorgenkinder
Aber nicht nur das Land, von dem aus einst die Karavellen Heinrichs des Seefahrers die Weltmeere eroberten, wird immer mehr zum Problemfall für Europa. Auch in den Euroländern Spanien und Irland, das mit 14,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2009 der ärgste EU-Haushaltssünder war, schmilzt das Vertrauen der Anleger in die Fähigkeit des Staates, die Defizite zu senken.
Griechenland werde nicht das letzte Euroland sein, dass die Hilfe des Internationalen Währungsfonds benötigt, sagt US-Ökonom Kenneth Rogoff. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den nächsten drei Jahren noch ein IWF-Hilfsprogramm in mindestens einem weiteren Land der Eurozone benötigen, ist höher, als dass es nicht passiert", meint der Harvardprofessor.
Spanien auch gefährdet
Nicht auszudenken, was passiert, wenn das große Spanien strauchelt. Seine Volkswirtschaft ist viermal so groß wie die griechische. Die Iberer, die lange als Musterschüler der Eurozone galten, leiden darunter, dass die Krise eine Immobilienblase platzen ließ. Die Wirtschaft ging auf Talfahrt, die Arbeitslosigkeit stieg rasant an. 2009 kletterte das Staatsdefizit auf 11,2 Prozent.
Auch Italien steckt tief in den roten Zahlen. Doch eigenartigerweise hat die Bonität des Landes bislang nicht darunter gelitten. Noch nicht. Dabei werden die Staatsschulden heuer auf 117 Prozent des Bruttoinlandsprodukts explodieren und die Wirtschaft wird weiter schrumpfen. Die Vorboten des Orkans sind also längst da, und mit ihnen wächst die Angst vorm Sturm, der sich da über Europa zusammenbraut.











