Ulrike Lunacek: Voggenhubers Schatten war zu lang
Ulrike Lunacek schaut am Wahlabend durch die Finger. Die Grünen, selbst deklarierte Europapartei, müssen künftig mit einer Europa-Abgeordneten auskommen.

Foto © APAUlrike Lunacek
Ob das Lunacek oder Eva Lichtenberger
ist, die vom zweiten Platz aus einen eigenen Wahlkampf geführt hat,
wird sich erst nach Vorliegen der Vorzugsstimmen zeigen. Neben einem
schon bei den letzten Wahlen offenkundig gewordenen Negativ-Trend für
die Grünen war es wohl vor allem die Medien-Kampagne des beleidigten
Johannes Voggenhuber, die Lunacek und die ihren am Weg nach Brüssel
bremste.
Lunaceks Kür zur Spitzenkandidatin war eine der blutigsten, die
Österreichs Innenpolitik in den letzten Jahren zu bieten hatte. Mit
Unterstützung der Parteispitze rang sie beim Bundeskongress der
Grünen den langjährigen EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber
nieder, der sich darauf empört zurückzog, um wenig später zu
versuchen, sich mit der Finte einer Solidaritätskandidatur vom
letzten Listenplatz aus mittels Vorzugsstimmen doch wieder ein Mandat
in Brüssel zu holen. Als ihm da der Erweiterte Bundesvorstand einen
Strich durch die Rechnung machte, gab es für Voggenhuber kein Halten
mehr.
Rückenwind.
Von seinen Fans auch in diversen Medien gepusht ließ er kaum eine
Gelegenheit aus, über den Zustand der Grünen zu klagen, prophezeite
seiner Partei grobe Verluste und weigerte sich zu guter Letzt auch
noch, seinen früheren Weggefährten eine Wahlempfehlung zukommen zu
lassen.
Lunacek wurde im Rahmen dieser Kampagne als eher unbeleckt
dargestellt, was europäische Dinge angeht. Dabei leitete sie während
der vergangenen drei Jahre immerhin die Europäischen Grünen und
verfügt europaweit über beste Kontakte.
Das darzustellen gelang Lunacek offenbar nicht ausreichend. Ihr
Wahlkampf war zwar engagiert, aber nicht unbedingt zündend. Die
Plakate, in denen Lunacek als Freiheitskämpferin stilisiert wurde,
sorgten für mehr Gespött als Bewunderung. Sich aus dem Schatten
Voggenhubers zu lösen, gelang nicht.
Keine Aufgabe.
Aufgeben wird die gebürtige Kremserin - geboren am 26. Mai 1957 -
trotz des Rückschlages vom heutigen Sonntag wohl nicht. Kämpfen ist
die ausgebildete Dolmetscherin für Englisch und Spanisch gewohnt.
Schon früh war Lunacek für die Rechte von Frauen aktiv. Sie war etwa
beim Aufbau des Innsbrucker Frauenhauses involviert, Redakteurin des
Magazins "Südwind" und Obfrau des Vereines "Frauensolidarität".
Weitere Stationen der passionierten Schwimmerin, die diverse
Medaillen bei den lesbisch-schwulen Eurogames ergatterte: Der
Sportverein für Lesben und Freundinnen "Marantana", das
Österreichische Lesben- und Schwulenforum und das Wiener
"TheaterBrett", wo sie als Pantomime auftrat.
1994 delegierte der Österreichische Informationsdienst Lunacek zur
UNO-Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung nach Kairo. Hartnäckig
forderte die bekennende Lesbe, die seit 15 Jahren in einer
Fernbeziehung mit einer Peruanerin lebt, bei ihrem ersten
internationalen Auftritt die Besserstellung Homosexueller ein.
In denkbar schlechten Zeiten stieß Lunacek zu den Grünen. Sie
kandidierte 1995 erstmals für den Nationalrat und erlebte eine
vernichtende Niederlage der Partei. Ein Mandat blieb ihr vorerst
verwehrt. Entschädigt wurde Lunacek ein Jahr später, als sie zur
Grünen Bundesgeschäftsführerin avancierte. 1999 gelang schließlich
der Sprung in den Nationalrat.
Im Hohen Haus angelangt, konnte Lunacek unbeirrt für die
rechtliche Gleichstellung und soziale Akzeptanz homosexueller
Menschen auftreten. Das tat sie stets mit Selbstbewusstsein, einengen
ließ sie sich auf eine derartige Rolle allerdings nicht. Seit der Kür
Eva Glawischnigs ist ihr Standing in der Partei noch höher, sie
fungiert als stellvertretende Klubobfrau. Als außenpolitische
Sprecherin holte sich Lunacek zusätzliches Rüstzeug für das
Europaparlament. Ob sie nun dort auch einzieht, hängt letztlich von
der Popularität Eva Lichtenbergers bei der Grünen Wählerschaft ab.











