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Zuletzt aktualisiert: 07.06.2009 um 17:00 UhrKommentare

Ulrike Lunacek: Voggenhubers Schatten war zu lang

Ulrike Lunacek schaut am Wahlabend durch die Finger. Die Grünen, selbst deklarierte Europapartei, müssen künftig mit einer Europa-Abgeordneten auskommen.

Ulrike Lunacek

Foto © APAUlrike Lunacek

Ob das Lunacek oder Eva Lichtenberger ist, die vom zweiten Platz aus einen eigenen Wahlkampf geführt hat, wird sich erst nach Vorliegen der Vorzugsstimmen zeigen. Neben einem schon bei den letzten Wahlen offenkundig gewordenen Negativ-Trend für die Grünen war es wohl vor allem die Medien-Kampagne des beleidigten Johannes Voggenhuber, die Lunacek und die ihren am Weg nach Brüssel bremste.

Lunaceks Kür zur Spitzenkandidatin war eine der blutigsten, die Österreichs Innenpolitik in den letzten Jahren zu bieten hatte. Mit Unterstützung der Parteispitze rang sie beim Bundeskongress der Grünen den langjährigen EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber nieder, der sich darauf empört zurückzog, um wenig später zu versuchen, sich mit der Finte einer Solidaritätskandidatur vom letzten Listenplatz aus mittels Vorzugsstimmen doch wieder ein Mandat in Brüssel zu holen. Als ihm da der Erweiterte Bundesvorstand einen Strich durch die Rechnung machte, gab es für Voggenhuber kein Halten mehr.

Rückenwind. Von seinen Fans auch in diversen Medien gepusht ließ er kaum eine Gelegenheit aus, über den Zustand der Grünen zu klagen, prophezeite seiner Partei grobe Verluste und weigerte sich zu guter Letzt auch noch, seinen früheren Weggefährten eine Wahlempfehlung zukommen zu lassen. Lunacek wurde im Rahmen dieser Kampagne als eher unbeleckt dargestellt, was europäische Dinge angeht. Dabei leitete sie während der vergangenen drei Jahre immerhin die Europäischen Grünen und verfügt europaweit über beste Kontakte. Das darzustellen gelang Lunacek offenbar nicht ausreichend. Ihr Wahlkampf war zwar engagiert, aber nicht unbedingt zündend. Die Plakate, in denen Lunacek als Freiheitskämpferin stilisiert wurde, sorgten für mehr Gespött als Bewunderung. Sich aus dem Schatten Voggenhubers zu lösen, gelang nicht.

Keine Aufgabe. Aufgeben wird die gebürtige Kremserin - geboren am 26. Mai 1957 - trotz des Rückschlages vom heutigen Sonntag wohl nicht. Kämpfen ist die ausgebildete Dolmetscherin für Englisch und Spanisch gewohnt. Schon früh war Lunacek für die Rechte von Frauen aktiv. Sie war etwa beim Aufbau des Innsbrucker Frauenhauses involviert, Redakteurin des Magazins "Südwind" und Obfrau des Vereines "Frauensolidarität". Weitere Stationen der passionierten Schwimmerin, die diverse Medaillen bei den lesbisch-schwulen Eurogames ergatterte: Der Sportverein für Lesben und Freundinnen "Marantana", das Österreichische Lesben- und Schwulenforum und das Wiener "TheaterBrett", wo sie als Pantomime auftrat. 1994 delegierte der Österreichische Informationsdienst Lunacek zur UNO-Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung nach Kairo. Hartnäckig forderte die bekennende Lesbe, die seit 15 Jahren in einer Fernbeziehung mit einer Peruanerin lebt, bei ihrem ersten internationalen Auftritt die Besserstellung Homosexueller ein.

In denkbar schlechten Zeiten stieß Lunacek zu den Grünen. Sie kandidierte 1995 erstmals für den Nationalrat und erlebte eine vernichtende Niederlage der Partei. Ein Mandat blieb ihr vorerst verwehrt. Entschädigt wurde Lunacek ein Jahr später, als sie zur Grünen Bundesgeschäftsführerin avancierte. 1999 gelang schließlich der Sprung in den Nationalrat. Im Hohen Haus angelangt, konnte Lunacek unbeirrt für die rechtliche Gleichstellung und soziale Akzeptanz homosexueller Menschen auftreten. Das tat sie stets mit Selbstbewusstsein, einengen ließ sie sich auf eine derartige Rolle allerdings nicht. Seit der Kür Eva Glawischnigs ist ihr Standing in der Partei noch höher, sie fungiert als stellvertretende Klubobfrau. Als außenpolitische Sprecherin holte sich Lunacek zusätzliches Rüstzeug für das Europaparlament. Ob sie nun dort auch einzieht, hängt letztlich von der Popularität Eva Lichtenbergers bei der Grünen Wählerschaft ab.


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