Brüssel nimmt die Hedge Fonds an die Leine
Die EU will hochspekulative Spekulanten künftig unter staatliche Aufsicht stellen. Auch eine Zulassungspflicht für die sogenannten Hedge-Fonds ist angedacht. Doch nicht alle sind damit zufrieden, der Vorschlag gehe zu wenig weit, so Kritiker.

Foto © APAMusste einlenken: Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy
Die Europäische Union will bei der Kontrolle
hochspekulativer Hedge-Fonds weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen.
Dazu legte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy am Mittwoch in
Brüssel einen Gesetzentwurf vor. "Wir hoffen, dass andere uns folgen
werden", sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Außerdem
empfahl die Kommission den Mitgliedstaaten, Abfindungen und Boni für
Spitzenmanager zu beschränken. Diese Empfehlungen sind allerdings
unverbindlich.
Der EU-Entwurf sieht vor, dass Hedge-Fonds und Beteiligungsfirmen
staatlich beaufsichtigt werden. Dazu sollen alle Fondsmanager, die
mehr als 100 Millionen Euro verwalten, sich bei den Behörden ihrer
Heimatländer anmelden müssen. Die Verwalter können dann EU-weit
arbeiten. Das dürfte auf rund 30 Prozent aller Verwalter und 90
Prozent aller Anlagen zutreffen, sagte McCreevy. Für längerfristige
Fonds soll die Anmelde-Schwelle bei 500 Millionen Euro liegen. Den
Sozialisten im EU-Parlament und der Regierung in Paris gehen die
Pläne nicht weit genug.
Managerzahlungen. Zu den Managerzahlungen empfiehlt die Kommission den EU-Staaten,
Zusatzzahlungen an Spitzenmanager börsennotierter Unternehmen zu
beschränken und nach der Geschäftsentwicklung auszurichten.
"Misserfolg darf nicht bezahlt werden", sagte McCreevy. Bei
unternehmerischem Versagen sollte auf eine Abfindung - den
sogenannten goldenen Handschlag - verzichtet werden. McCreevy
kündigte an, im Juni die Kapitalausstattungsrichtlinie zu ändern.
Dann sollen die Aufsichtsbehörden die Handhabe bekommen, auch die
Vergütungspolitik von Unternehmen zu kontrollieren.
Druck. McCreevy hatte sich lange geweigert, Hedge-Fonds an die Leine zu
nehmen, musste aber unter dem Druck der Finanzkrise einlenken. Die
G-20-Länder hatten sich Anfang April in London darauf geeinigt,
Hedge-Fonds besser zu kontrollieren.
Gesetz. Die EU-Parlamentarier und die EU-Staaten müssen den
Gesetzesentwurf zu den Hedge-Fonds noch mehrheitlich billigen. Bis
2013 soll das Gesetz dann in den Mitgliedstaaten rechtlich verankert
werden. Hedge-Fonds sind hochspekulative Investoren, die auf fallende
oder steigende Kurse wetten und damit Börsenturbulenzen verstärken
können.
Übergang. Nach einer dreijährigen Übergangsphase will die Kommission auch
Fonds aus Drittländern auf dem europäischen Markt zulassen und ihnen
einen sogenannten "EU-Pass" ausstellen. "Unser Ziel ist ja nicht, die
Branche aus Europa zu vertreiben", sagte McCreevy. Bis dahin dürften
Nicht-EU-Fonds weiterhin nur in den Mitgliedstaaten aktiv werden, die
das - wie Großbritannien - ausdrücklich erlauben. Den Angaben zufolge
steckten Ende 2008 EU-weit rund zwei Billionen Euro in Hedge-Fonds,
Beteiligungsgesellschaften und anderen "alternativen Anlagen".
Kritik. Die Sozialisten im Europa-Parlament kritisierten den Entwurf als
"löchrig wie ein Schweizer Käse". Die Pläne gingen nicht weit genug
und stellten nur die Fondsmanager, nicht aber die Fonds selbst unter
Aufsicht. Auch Paris hatte den Entwurf bereits als "nicht akzeptabel"
bezeichnet. Die Öffnung für Drittländer berge für die EU "die Gefahr,
zum Trojanischen Pferd der Offshore-Fonds zu werden", sagte die
französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde.
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Hedge-Fonds
Hedge-Fonds sind hochspe-











