EU-Chefs praktisch einig über europäisches Konjunkturpaket
Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich bei ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag in Brüssel im Grundsatz auf ein EU-Konjunkturpaket gegen die Wirtschaftsflaute geeinigt.

Foto © ReutersEU einig über Konjukturpaket.
Nach Angaben von Bundeskanzler Werner Faymann (S) wird das Paket wie geplant in der Größenordnung von 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU oder rund 200 Mrd. Euro sein. Den Kompromisstext wird die französische Präsidentschaft am Freitag vorgelegen.
Entschlossenheit. Zwischen Deutschland und Frankreich und anderen Regierungschefs habe es keinen Unterschied "in der Sache" gegeben, sagte Faymann. Es habe eine "gewisse Einsicht vorgeherrscht", dass die EU nun entschlossen agieren müsse. "Wenn man diesen psychologischen Faktor der Hoffnung auf seine Seite bekommen möchte, muss auch Europa zeigen, dass man entschlossen vorgeht", betonte der Bundeskanzler. Dabei handle es sich nur um einen ersten Schritt, da derzeit noch niemand wisse, ob etwa das Hilfspaket für die Banken wirke. "Niemand kann sagen, wie viele Schritte noch notwendig sind".
Zum Thema
Nationale Konjunkturprogramme. Wie geplant soll der Löwenanteil von 170 Mrd. Euro oder 1,2
Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus nationalen
Konjunkturprogrammen der EU-Staaten stammen und schon ergriffene oder
angekündigte Maßnahmen eingerechnet werden. Die restlichen 30 Mrd.
Euro sollen zu gleichen Teilen von der Europäischen Investitionsbank
und aus dem EU-Budget stammen. Die EU-Kommission will dazu nicht
genützte Mittel umschichten und Strukturfondsgelder vorziehen.
Faymann signalisierte auch Zustimmung zur vorgeschlagenen
Umschichtung von fünf Mrd. aus Reserven des EU-Budget für
Infrastrukturprojekte. Man werde sich sehr genau ansehen ob auch
Österreich davon profitiere, aber vom Prinzip sei die Richtung in
Ordnung.
1,9 Milliarden. Österreich hat im Regierungsprogramm bereits zwei
Konjunkturprogramme für 2009 und 2010 verankert, die in Summe rund
1,9 Mrd. Euro umfassen. Rechnet man auch die geplante Steuerreform
dazu, umfasst es sogar fünf Mrd. Euro.
Antwort auf Krise. Es gebe die Einsicht, dass eine starke wirtschaftspolitische
Antwort auf die Krise gegeben nötig ist, sagte auch der Luxemburger
Premier und Chef der Eurozone Jean-Claude Juncker laut dpa. Einzelne
Punkte des Programms waren in Mitgliedstaaten auf Widerstand
gestoßen, beispielsweise die Idee der Kommission für Senkungen der
Mehrwertsteuer zum Anheizen des Konsums.
Deutschland stimmt zu. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zum Auftakt des
Gipfels am Nachmittag gesagt, Deutschland unterstütze "im Grundsatz"
den Plan der Kommission und werde im kommenden Jahr prüfen, ob ein
weiteres Paket nötig sei. Das deutsche Konjunkturpaket von rund 32
Milliarden Euro entspricht bisher nur rund einem Prozent.
Features
Klima-Debatte:
Vertrag von Lissabon
Der Vertrag von Lissabon soll die vor drei Jahren bei Referenden in Frankreich und den Niederlanden gescheiterte EU-Verfassung ersetzen und die Union effizienter und demokratischer machen. Um in Kraft treten zu können, müs-
Infos rund um das EU-Konjunkturpaket
Das EU-Konjunkturpaket soll der EU aus der Wirtschaftskrise helfen. Das Paket wird wie geplant in der Größenordnung von 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU oder rund 200 Mrd. Euro sein. Auf das Konjunkturpaket werden noch weitere Schritte der EU folgen. Bis lang ungewiss ist etwa, ob das Hilfspaket den europäischen Banken tatsächlich helfen wird.












