Plassnik: "Halbe-halbe-Kommissar" ein "Sommerscherz"
Frankreichs Präsident will jeweils nur einen Kommissar für "ähnliche Kultur- und Sprachkreise". Plassnik zeigt sich darüber empört.

Foto © APAAußenministerin Ursula Plassnik (V)
"Das kann kein ernsthafter französischer Vorschlag
sein", hat Außenministerin Ursula Plassnik (V) am Mittwoch auf die
kolportierten Pläne der französischen EU-Ratspräsidentschaft über
eine Verkleinerung der EU-Kommission reagiert. "Ich schätze die
französische Diplomatie viel zu sehr, die Idee des Kombi-Kommissars
oder Halbe-Halbe-Kommissars ist nicht einmal ein schlechter
Sommerscherz."
Nur ein Kommissar.
Die deutsche Tageszeitung "Die Welt" hatte unter Berufung auf
Pariser Diplomatenkreise von dem Vorschlag berichtet, "Länder aus
ähnlichen Kultur- und Sprachkreisen - etwa Großbritannien und Irland
oder Deutschland und Österreich" könnten künftig nur einen
gemeinsamen Kommissar haben. Fakt ist, dass die Zahl der
EU-Kommissare von derzeit 27 auf wahrscheinlich 18 reduziert werden
muss, sollte der EU-Reformvertrag von Lissabon Mitte 2009 noch immer
nicht in Kraft getreten sein. Zwar tritt die neue EU-Kommission erst
im November 2009 ihr Amt an, die Zahl der Kommissare muss aber schon
im Sommer kommenden Jahres fest stehen.
Lissabonner Vertrag.
Plassnik wies neuerlich darauf hin, dass der Lissabonner Vertrag
im Unterschied zur geltenden Vertragsgrundlage von Nizza die
rechtliche Möglichkeit biete, an der Formel "ein Kommissar pro
Mitgliedsstaat" festzuhalten. Damit der Vertrag von Lissabon in Kraft
treten kann, müssen ihn alle EU-Mitglieder ratifizieren. In Irland
wurde das neue Vertragswerk per Referendum abgelehnt. In Tschechien
und Schweden steht ein Votum des Parlaments noch aus, in Deutschland
und Polen fehlt die Unterschrift der Präsidenten. In Tschechien und
Deutschland muss zudem das Oberste Gericht urteilen, ob die
Ratifizierung des EU-Vertrags verfassungskonform ist.
Fakten
Sollte nach dem Nein der Iren der Vertrag von Lissabon bis Mitte 2009 noch immer nicht in Kraft getreten sein und damit der bisherige Nizza-Vertrag weiter gelten, muss die Zahl der EU-Kommissare von derzeit 27 auf wahrscheinlich 18 reduziert werden.












