EU-Stimmung in Österreich im Keller
Laut Eurobarometer-Umfragen der EU-Kommission sind nur Briten und Letten vereinzelt noch EU-kritischer. Deutlicher Vertrauensverlust von EU-Kommission und -Parlament.

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Dass Österreich bei den zweimal jährlich erhobenen
Eurobarometer-Umfragen der EU-Kommission unter den EU-skeptischsten
Ländern auftaucht, ist nicht neu. Doch die am Dienstag von der
EU-Behörde vorgelegten neuen Umfragedaten zeigen erneut einen
Abwärtstrend in der heimischen EU-Stimmung. Für Bundeskanzler Alfred
Gusenbauer (S) ist die Umfrage die Begründung für den radikalen
SPÖ-Schwenk in Richtung einer Volksabstimmung über einen allfälligen
neuen oder geänderten EU-Vertrag. Im Folgenden die Ergebnisse der
Umfrage im Detail:
Das Bilder der EU. Gefragt wurde, ob die Europäische Union ganz
allgemein ein sehr positives, ziemlich positives, weder positives
noch negatives, ziemlich negatives oder sehr negatives Bild
hervorruft. Nur 28 Prozent der Österreicher sehen das Bild der EU
positiv, womit die Alpenrepublik Schlusslicht unter den 27 EU-Staaten
ist. Dies ist ein Minus von 6 Prozent gegenüber der vorangegangenen
Eurobarometer-Umfrage vom Herbst 2007. Am besten ist das Bild der EU
in Rumänien (67 Prozent positiv); EU-weit sehen 48 Prozent die Union
als etwas positives.
Fakten
Für die Eurobarometer-Umfrage wurden in Österreich vom 27. März bis 20. April 1.000 Personen vom österreichischen Gallup-Institut interviewt.
EU-Mitgliedschaft. Die Frage, ob die Mitgliedschaft des eigenen
Landes in der EU "eine gute Sache" sei, bejahen 36 Prozent der
Österreicher (minus 2 Punkte). 26 Prozent der Österreicher lehnen die
EU-Mitgliedschaft dezidiert ab, mehr als ein Drittel ist
unentschieden. Schlechtere Werte verzeichnen nur Ungarn,
Großbritannien und Lettland. Spitzenreiter sind die Niederlande mit
75 Prozent Zustimmung, EU-weit beträgt sie 52 Prozent. Ein Rekordtief
für Österreich sind die 36 Prozent Zustimmung zur EU nicht: 2004 und
2007 lag der Wert schon einmal bei 30 Prozent.
Vorteile der EU-Mitgliedschaft. Ebenfalls 36 Prozent der
Österreicher sind der Ansicht, dass die EU-Mitgliedschaft Vorteile
für das eigene Land bringt. Damit teilt sich Österreich den letzten
Platz mit Ungarn und Großbritannien. Im Schnitt sehen 54 Prozent der
EU-Bürger Vorteile für ihr Land, in Irland trotz gescheiterter
Volksabstimmung über den Lissabon-Reformvertrag sogar 82 Prozent.
Vertrauen in die EU und in nationale Institutionen. Nur 38 Prozent
der Österreicher vertrauen in die Europäische Union - auch das ist
EU-weit der schlechteste Wert. Gegenüber Herbst 2007 ging das
Vertrauen um 8 Prozentpunkte zurück. EU-weit gab im Schnitt jeder
Zweite an, der Union zu vertrauen. Dem nationalen Parlament vertrauen
im Vergleich dazu 46 Prozent der Österreicher (minus 8 Punkte), der
eigenen Bundesregierung 42 Prozent (minus 11 Punkte). EU-weit
vertrauen nur 34 Prozent der Bürger ihren Parlamenten und 32 Prozent
ihren Regierungen.
Europäische Kommission. Die Brüsseler Behörde genießt das
Vertrauen von 37 Prozent der Österreicher, nur die Briten misstrauen
der EU-Kommission noch stärker (24 Prozent Zustimmung). Auch hier ist
mit minus 11 Prozentpunkten ein deutlicher Vertrauensverlust der
Österreicher gegenüber dem Herbst offensichtlich. 47 Prozent der
EU-Bürger geben an, der Kommission zu vertrauen.
Europaparlament. Dem EU-Parlament vertrauen immerhin 43 Prozent
der Österreicher (EU-weit 52 Prozent), dies bedeutet ein Minus von 8
Punkten. Einen schlechteren Wert verzeichnet das Europaparlament nur
in Lettland und Großbritannien. EU-Kommission und Europaparlament
genießen dagegen das meiste Vertrauen in Belgien, dem Sitz der beiden
EU-Institutionen.












