Erfolg beim EU-Gipfel: Tschechien lenkt ein
Tschechien wollte die Ratifizierung des EU-Vertrages nach dem irischen Nein stoppen. Nun haben die Delegationen eine Lösung gefunden.

Foto © APAGusenbauer (l) die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (r) und Mirek Topolanek (tschechischer Premier)
Mit Tschechien ist offenbar hinsichtlich des
Entwurfs der EU-Gipfelerklärung Einverständnis erzielt worden. "Am
Ende haben wir einen gemeinsamen Standpunkt gefunden", sagte
Außenminister Karel Schwarzenberg am Freitag in Brüssel. Auf Details
zum endgültigen Text wollte er nicht eingehen. Daran werde noch
gearbeitet, zudem wolle Ministerpräsident Mirek Topolanek dies selbst
tun, wie Schwarzenberg sagte.
Ratifikationsprozess.
Zum weiteren Ratifikationsprozess des in Irland bei einer
Volksabstimmung abgelehnten EU-Reformvertrages (Vertrag von Lissabon)
sagte der Außenminister: Es wäre gut für Tschechien, wenn dieser vor
dem 1. Jänner 2009 abgeschlossen wäre, weil dann die tschechische
EU-Ratspräsidentschaft beginne. "Aber es gibt Dinge, die das
schwierig machen könnten", räumt er ein.
Prüfung.
Er verwies darauf, dass das Verfassungsgericht in seinem Land
derzeit prüft, ob der Lissabon-Vertrag überhaupt mit der
tschechischen Verfassung in Einklang steht. Damit ist der
parlamentarische Ratifikationsprozess in Tschechien unterbrochen.
Schwarzenberg: "Was ich annehme wäre, dass der Gerichtshof bis Anfang
Herbst entscheidet. Dann könnte das Parlament im November beraten und
der Vertrag im Dezember ratifiziert sein."
Treffen.
In der Früh vor der Abschlusssitzung des Gipfels war der
konservative Premier Topolanek mit dem slowenischen Regierungschef
und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Janez Jansa sowie der deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammengetroffen. Die EU-Staaten
sollen laut einem Entwurf für die Erklärung des EU-Krisengipfels auch
nach der Ablehnung des Lissabon-Reformvertrags in Irland ein
Bekenntnis zur Fortsetzung der Ratifizierung ablegen. Diplomaten
zufolge wollte Topolanek diesem allgemeinen Bekenntnis zur
Ratifizierung aber nicht zustimmen. Mehrere konservative Politiker in
Tschechien wie Staatspräsident Vaclav Klaus und Senatschef Premysl
Sobotka betrachten die Fortsetzung des Ratifizierungsprozesses nach
dem irischen Nein als überflüssig.











