EU-Parlament streitet über Abschiebe-Regeln
Christdemokraten und Liberale sehen einen Fortschritt gegenüber jetzt. Sozialdemokraten und Grüne wollen keine Richtlinie um jeden Preis.

Foto © APASchubhaft für illegale Einwanderer könnte von sechs auf 18 Monate ausgedehnt werden
Das EU-Parlament ist am Vortag der Entscheidung
über die geplanten gemeinsamen EU-Regeln für Abschiebungen von
illegalen Einwanderern aus Europa gespalten. Sozialdemokraten, Grüne
und die Linken warnten am Dienstag in einer Debatte im
Europaparlament in Straßburg vor der Annahme des mit den
Mitgliedstaaten ausverhandelten Kompromisstextes. Die
Christdemokraten, denen auch der zuständige Berichterstatter Manfred
Weber angehört, aber auch die Liberalen verteidigten die Richtlinie,
weil sie Fortschritte gegenüber der aktuellen Situation bringe.
Begrenzung der Schubhaft. EU-Innenminister und EU-Parlament haben sich nach langen
Verhandlungen auf eine Begrenzung der Schubhaft bei illegalen
Einwanderern auf sechs Monate geeinigt, die aber gegebenenfalls auf
18 Monate ausgedehnt werden können. Strittig sind im EU-Parlament
neben der Haftfrist auch die Bedingungen, unter denen den Betroffenen
gratis Rechtsbeistand gewährt wird. Sollte das Parlament weitere
Änderungen verlangen, wäre eine zweite Lesung notwendig, was einen
Beschluss um mindestens ein Jahr verschieben würde.
Ende des "modernen Sklaventums". Nach Ansicht des Berichterstatters wird die geplante Richtlinie
mithelfen, die Millionen illegalen Einwanderer in Europa zu
legalisieren oder gegebenenfalls abzuschieben und das "moderne
Sklaventum", zu beenden. "Jeder, der gegen diese Richtlinie stimmt,
sorgt dafür, dass es hier keinen Fortschritt gibt", sagte Weber.
Vorteile gebe es in erster Linie durch die neuen Bestimmungen für
Minderjährige, weil diese klare Rechte auf Ausbildung bekämen und
weil es in neuen Mitgliedstaaten erstmals überhaupt Fristen für
Schubhaft gebe.
Bescheidener Kompromiss. Die niederländische Liberale Jeanine Hemmis-Plaschaert bezeichnete
den Kompromiss, als "sehr bescheiden", er sei aber ein
"Mosaiksteinchen", das notwendig sei, für eine gemeinsame
Immigrationspolitik. Solle es zu einer zweiten Lesung kommen, sei zu
befürchten, dass der Rat noch inakzeptablere Forderungen stellen
werde.
Europa schottet sich ab. Die französische Sozialdemokratin Martin Roure unterstrich, die
Abschieberichtlinie bringe niemanden aus der Illegalität, weil es nur
um Ausweisung gehe und sich Europa damit nur weiter abschotte. "Um
illegale Immigration zu verhindern, sollten wir die legale
Immigration fördern", betonte Roure. Ihre Fraktion sei zwar nicht
grundsätzlich gegen Ausweisung, wolle aber keine Richtlinie um jeden
Preis. Notwendig sei eine "klare Gesetzgebung, die auch das Schicksal
der Menschen verbessert. Der SPÖ-Europaabgeordnete Jörg Leichtfried
fordert vor allem verpflichtenden Rechtsbeistand für Schubhäftlinge.
Standards nicht eingehalten. Die britische Grüne Jean Lambert betonte, auch ihre Fraktion sei
grundsätzlich nicht gegen die Rückführung von illegalen Einwanderern,
der Kompromiss entspreche aber "nicht den Standards, die wir uns
gesetzte haben, vor allem bei der geplanten maximalen Dauer der
Schubhaft. Drastische Worte fand der italienische linke Abgeordnete Giusto
Catania: "Diese Richtlinie ist eine Schande, eine Beleidigung der
Rechtskultur in Europa", sagte er. Das sei "das x-te Dokument für die
Festung Europa". Es könne nicht sein, dass Menschen in Europa bis zu
18 Monate festgehalten werden, ohne dass sie irgendeine Straftat
begangen haben.











