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Zuletzt aktualisiert: 06.05.2008 um 17:23 Uhr

Bayern fordert höheren Stellenwert für deutsche Sprache in der EU

Regierung des Freistaates stellte einen Forderungskatalog auf. Auch 46 Europaabgeordnete unterzeichneten die Erklärung, darunter die sechs ÖVP-Mandatare.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein

Foto © APBayerns Ministerpräsident Günther Beckstein

Bayern hat einen stärkeren Stellenwert der deutschen Sprache in der Europäischen Union gefordert. Deutsch müsse in der EU denselben Stellenwert als Arbeitssprache bekommen wie Englisch und Französisch, erklärte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein am Dienstag in München. "Deutsch ist auf dem europäischen Kontinent nach Russisch die meistgesprochene Muttersprache", begründete er die Initiative der bayrischen CSU-Regierung.

Nur Englisch und Französisch. Beckstein erklärte, die geringe Nutzung von Deutsch als Amtssprache habe etwa für deutsche Unternehmer Nachteile. Die jährlich rund 240.000 Ausschreibungen der EU würden fast ausschließlich auf Französisch und Englisch veröffentlicht.

Öfter Muttersprache verwenden. Bayerns Regierung fordert unter anderem, dass deutsche Beamte Entwürfe für alle Initiativen, die von der Kommission vorgelegt werden, in ihrer Muttersprache erstellen. Zudem sollen Kommissionsbeschlüsse und andere wichtige Mitteilungen und Richtlinien rechtzeitig in allen drei Amtssprachen vorliegen. Auch sollten deutsche Vertreter von EU-Institutionen bei öffentlichen Veranstaltungen öfter in ihrer Muttersprache sprechen, hieß es weiter in dem Forderungskatalog.

"Größter Nettozahler". "Als größter Mitgliedstaat der EU und größter Nettozahler dürfen wir uns die Benachteiligung der deutschen Sprache nicht länger gefallen lassen", erklärte der bayrische Europaminister Markus Söder.

Österreicher forderten mit. Vor einem Monat hatten deutschsprachige Regionen in den EU-Staaten - darunter auch acht österreichische Bundesländer - in einer Erklärung an den EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, eine stärkere Verwendung der deutschen Sprache in den EU-Institutionen gefordert. Die Unterzeichner beklagten, "dass Deutsch insbesondere gegenüber Französisch diskriminiert wird". Auch 46 Europaabgeordnete unterzeichneten die Erklärung, darunter die sechs ÖVP-Mandatare.

Sprachenstreit. Zu Beginn der slowenischen EU-Ratspräsidentschaft im Jänner hatte für kurze Zeit eine Neuauflage des Sprachenstreits um informelle Ministertagungen gedroht. Missverständliche Äußerungen des Ratsvorsitzes ließen nämlich den Eindruck entstehen, dass bei den Tagungen in Slowenien nicht für eine Übersetzung ins Deutsche gesorgt wird. Während der finnischen Ratspräsidentschaft im Jahr 1999 hatten Deutschland und Österreich mit einem Boykott von informellen Ministersitzungen durchgesetzt, dass nicht nur ins Englische und Französische, sondern auch ins Deutsche gedolmetscht wird.


EU-Sprachen

In der Europäischen Union werden 23 Sprachen als Amts- und Arbeitssprachen anerkannt. Dies wurde durch die erste Verordnung festgelegt, die überhaupt von der EWG erlassen wurde.

Sprachenregelung

Die Regelung beruht auf Artikel 290 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, wo es heißt: "Die Regelung der Sprachenfrage für die Organe der Gemeinschaft wird unbeschadet der Verfahrensordnung des Gerichtshofs vom Rat einstimmig getroffen."

Freistaat Bayern

Der Freistaat Bayern liegt im Südosten Deutschlands und ist das flächengrößte deutsche Land (70.551,57 km²). Nach der Einwohnerzahl (12.492.568) steht es hinter Nordrhein-Westfalen an zweiter Stelle.

Landesteile

Traditionell gliedert sich Bayern in die drei Landesteile Franken (heute die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken), Schwaben und Altbayern (Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern und Oberpfalz).

Politik

Ministerpräsident ist Günther Beckstein von der CSU. Die nächsten Wahlen sind für September 2008 geplant.

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