Unsachlichkeit größter Feind in Wehrpflicht-Diskussion
Der "DiensTalk" startete mit der Heeresdebatte in die Herbstsaison. Einigkeit gab es nur in Politikerschelte.

Foto © KLZ / HoffmannGisela Hopfmüller leitete die durchaus kurzweilige Debatte
GRAZ. Leicht hatte er es am Dienstagabend nicht, der Unternehmensberater und frühere Militärstratege Brigadier Gerhard Karner. In der "DiensTalk"-Diskussionsrunde in der prall gefüllten ÖVP-Zentrale am Grazer Karmeliterplatz war er der Einzige, der die Position der Berufsheer-Befürworter zu vertreten hatte. Doch eines teilte er mit seinen Mitdiskutanten: die Bauchschmerzen, die ihm das bisherige Niveau in der Wehrsystemdebatte bereitet.
"Nichts ist uns feindlicher als die Unsachlichkeit", sprach Brigadier i. R. Josef Paul Puntigam die derzeitige Parteienschlacht um die Volksbefragung im Jänner an. Auch Caritas-Präsident Franz Küberl bediente sich militärischen Vokabulars, als er den "blitzschnellen Stellungswechsel" der Parteien in ihrer Haltung zur Berufsarmee ansprach.
Doch die Debatte trug - wenn auch zuweilen emotional geführt - durchaus ein Stück zur allseits geforderten Versachlichung bei. Generalmajor Heinrich Winkelmayer, Präsident der Offiziersgesellschaft Steiermark, legte dar, dass der vorliegende Entwurf einer Sicherheitsstrategie durchaus "ein gutes Papier" sei. Doch die dort definierten Aufgaben könne ein Berufsheer niemals in gleicher Qualität und gleichem Umfang erfüllen wie derzeit - nicht mit sinkendem Budget. "Wir haben bereits jetzt die kritische Masse erreicht."
Viel wurde über Sinn und Unsinn der Verwendung von Rekruten gesprochen, Gerhard Karner wollte deren Leistung auch nicht schlechtreden. "Die Frage ist nur, ob das ein vernünftiges System für die Zukunft ist." Am Ende bekam der Veranstalter auch aus dem Publikum eine Breitseite mit: "Die ÖVP ist der Totengräber der Miliz", beklagte ein Milizoffizier.











