George W. Bush: Ein Texaner kehrt Washington den Rücken
Nacht acht Jahren Amtszeit zieht sich der umstrittene Politiker in sein Privatleben zurück.

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Ein größerer Bruch in der Lebensführung ist
kaum vorstellbar. Acht Jahre lang wurde jeder öffentliche Schritt von
US-Präsident George W. Bush verfolgt, jedes Wort wurde registriert.
Am 20. Jänner 2009, dem letzten Tag seiner Amtszeit, beginnt für Bush
ein neues Leben. Mit seiner Frau Laura wird er zum letzten Mal in das
Präsidentenflugzeug Air Force One steigen und ins heimatliche Texas
fliegen. Bush, der so unpopulär ist wie kaum ein anderer seiner
Vorgänger, will sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen.
Zu seinen Langzeitprojekten im Ruhestand zählt, den Makel des
Scheiterns loszuwerden und seine Politik nachträglich zu
rechtfertigen.
Zukunftspläne. In einer Serie von Interviews hat Bush in den vergangenen Wochen
über seine Zukunftspläne Auskunft gegeben. Er präsentierte sich als
Mann, der mit sich selbst im Reinen ist. "Ich will keine
Aufmerksamkeit mehr erregen", sagte er dem TV-Sender ABC. "Ich will
eine Weile außerhalb des Scheinwerferlichts leben." Seine Frau Laura
pflichtete ihm bei: "Ich freue mich auf ein normaleres Alltagsleben."
Dem politischen Haifischbecken Washington kehren die Bushs den
Rücken: In der texanische Metropole Dallas kauften sie sich eine
Villa, ihre rustikale Ranch im Dörfchen Crawford liegt ganz in der
Nähe.
Buch geplant. Mit einem Buch über seine Regierungszeit will Bush im Ruhestand
sein Image aufpolieren. "Ich will, dass die Leute wissen, warum ich
manche meiner Entscheidungen getroffen habe", sagte er dem Sender
CNN. "Ich will, dass die Leute die Wahrheit wissen." Die Millionen
von Dokumenten aus seiner Amtszeit will Bush in einer
Präsidentenbibliothek auf einem Universitätscampus in Dallas
archivieren lassen, in einem "Freiheitsinstitut" (Freedom Institute)
sollen Wissenschaftler dort über sein außenpolitisches Kernanliegen
forschen, die Demokratisierung autoritärer Staaten.
Sein Erbe. Hier sieht Bush sein Vermächtnis, das freilich durch den von
Planungspannen und Fehlkalkulationen begleiteten Irak-Krieg schwer
belastet wird. Angesichts der Irak-Bürde scheint Bushs Erwartung an
das Urteil der Nachwelt sehr optimistisch: "Ich möchte als Präsident
in Erinnerung bleiben, der 50 Millionen Menschen befreit hat und
Frieden erreicht hat", sagte er kürzlich in einem Gespräch mit
Historikern der Kongress-Bibliothek mit Bezug auf den Irak und
Afghanistan.
Resistent gegen Kritik. Die beißende Kritik an seiner Amtsführung, die inzwischen auch in
seiner eigenen Partei erhoben wird, ficht Bush offenbar nicht an.
Keine Spur von Reue oder Zweifeln ist in seinen Abschiedsinterviews
zu erkennen. Er sehe sich als einer, "der seine Seele nicht dem
politischen Prozess zuliebe verkauft hat", sagte der Präsident in dem
Historiker-Interview. "Ich kam mit festen Wertvorstellungen nach
Washington, und ich verlasse Washington mit denselben
Wertvorstellungen."





