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Zuletzt aktualisiert: 15.01.2009 um 16:16 UhrKommentare

George W. Bush: Ein Texaner kehrt Washington den Rücken

Nacht acht Jahren Amtszeit zieht sich der umstrittene Politiker in sein Privatleben zurück.

Foto © AP

Ein größerer Bruch in der Lebensführung ist kaum vorstellbar. Acht Jahre lang wurde jeder öffentliche Schritt von US-Präsident George W. Bush verfolgt, jedes Wort wurde registriert. Am 20. Jänner 2009, dem letzten Tag seiner Amtszeit, beginnt für Bush ein neues Leben. Mit seiner Frau Laura wird er zum letzten Mal in das Präsidentenflugzeug Air Force One steigen und ins heimatliche Texas fliegen. Bush, der so unpopulär ist wie kaum ein anderer seiner Vorgänger, will sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Zu seinen Langzeitprojekten im Ruhestand zählt, den Makel des Scheiterns loszuwerden und seine Politik nachträglich zu rechtfertigen.

Zukunftspläne. In einer Serie von Interviews hat Bush in den vergangenen Wochen über seine Zukunftspläne Auskunft gegeben. Er präsentierte sich als Mann, der mit sich selbst im Reinen ist. "Ich will keine Aufmerksamkeit mehr erregen", sagte er dem TV-Sender ABC. "Ich will eine Weile außerhalb des Scheinwerferlichts leben." Seine Frau Laura pflichtete ihm bei: "Ich freue mich auf ein normaleres Alltagsleben." Dem politischen Haifischbecken Washington kehren die Bushs den Rücken: In der texanische Metropole Dallas kauften sie sich eine Villa, ihre rustikale Ranch im Dörfchen Crawford liegt ganz in der Nähe.

Buch geplant. Mit einem Buch über seine Regierungszeit will Bush im Ruhestand sein Image aufpolieren. "Ich will, dass die Leute wissen, warum ich manche meiner Entscheidungen getroffen habe", sagte er dem Sender CNN. "Ich will, dass die Leute die Wahrheit wissen." Die Millionen von Dokumenten aus seiner Amtszeit will Bush in einer Präsidentenbibliothek auf einem Universitätscampus in Dallas archivieren lassen, in einem "Freiheitsinstitut" (Freedom Institute) sollen Wissenschaftler dort über sein außenpolitisches Kernanliegen forschen, die Demokratisierung autoritärer Staaten.

Sein Erbe. Hier sieht Bush sein Vermächtnis, das freilich durch den von Planungspannen und Fehlkalkulationen begleiteten Irak-Krieg schwer belastet wird. Angesichts der Irak-Bürde scheint Bushs Erwartung an das Urteil der Nachwelt sehr optimistisch: "Ich möchte als Präsident in Erinnerung bleiben, der 50 Millionen Menschen befreit hat und Frieden erreicht hat", sagte er kürzlich in einem Gespräch mit Historikern der Kongress-Bibliothek mit Bezug auf den Irak und Afghanistan.

Resistent gegen Kritik. Die beißende Kritik an seiner Amtsführung, die inzwischen auch in seiner eigenen Partei erhoben wird, ficht Bush offenbar nicht an. Keine Spur von Reue oder Zweifeln ist in seinen Abschiedsinterviews zu erkennen. Er sehe sich als einer, "der seine Seele nicht dem politischen Prozess zuliebe verkauft hat", sagte der Präsident in dem Historiker-Interview. "Ich kam mit festen Wertvorstellungen nach Washington, und ich verlasse Washington mit denselben Wertvorstellungen."


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