Burgenländer bescheren Parteien Wahlkrimi mit Verlängerung
Die SPÖ hat nach dem vorläufigen Endergebnis der Burgenland-Wahl die Absolute Mehrheit knapp verpasst. FPÖ legt massiv zu, ÖVP pflegt das blaue Auge. Grüne könnten aus Landtag fliegen.

Foto © ReutersRotes Zittern: Hans Niessl hofft auf die Wahlkarten
Die burgenländische Landtagswahl hat der SPÖ zwar den ersten Platz, jedoch nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Das Wahlziel von 50 Prozent plus wurde recht deutlich verfehlt und auch die Absolute Mehrheit ist mit großer Wahrscheinlichkeit dahin. Etwas besser als erwartet schlug sich die ÖVP, die trotzdem ihr historisch schlechtestes Resultat einfuhr. Die FPÖ legte zu, verpasste aber die angepeilte Zweistelligkeit. Ganz eng wird es für Grüne und Liste Burgenland, die erst nach Auszählung der Wahlkarten am Mittwoch wissen, ob sie im Landtag vertreten sind.
Laut vorläufigem Endergebnis von Sonntagabend kommt die SPÖ auf 48,55 Prozent, was einem Minus von 3,63 Prozentpunkten entspricht. Die ÖVP folgt mit 34,17 Prozent, minus 2,21 Punkte. Rang drei erobern wieder die Freiheitlichen mit 9,3 Prozent, plus 3,55. Ebenfalls im Landtag vertreten wäre die Liste Burgenland mit 4,03 Prozent, die Grünen wären mit 3,96 Prozent (minus 1,25) draußen.
Zünglein an der Waage
Drehen könnten alles noch die Wahlkarten, etwa 16.500 gültige Stimmen werden aus diesem Pool erwartet. Laut einer Prognose der ARGE Wahlen werden die Grünen auf diesem Weg doch noch in den Landtag kommen, bei der Liste Burgenland wird es um wenige Stimmen gehen. Die SPÖ wird demnach weiter verlieren und somit das 19. Mandat verpassen, das den Erhalt der Absoluten Mehrheit sichern würde. Ziemlich sicher ihre 13 Sitze und damit eine Verfassungssperrminorität erhalten wird die ÖVP, die FPÖ könnte noch eines ihrer vier Mandate abgeben müssen.
Landeshauptmann Hans Niessl zeigte sich mit dem Ergebnis nicht unzufrieden, auch wenn er sein deklariertes Wahlziel einer Absoluten Mehrheit verpasste. Immerhin würdigte er es als "sehr guten Erfolg", dass es im Landtag keine Mehrheit gegen die SPÖ gebe. Unterstützung gab es aus der Bundeshauptstadt. SPÖ-Chef Werner Faymann meinte: "Nie soll es schlechter sein, als dass die SPÖ 49 Prozent macht."
Zwangsoptimismus
Die ÖVP sieht ihre knapp zwei Prozentpunkte minus mit zwei lachenden Augen: "Wir waren in Umfragen in der Größenordnung um 30 Prozent, dieses Ergebnis konnten wir deutlich überbieten", sagte Generalsekretär Fritz Kaltenegger.
Gut gelaunt zeigte sich VP-Obmann Josef Pröll bei einem Besuch in Eisenstadt. Trotz schwacher Umfragewerte hat die Landes-VP ihre Mandate gehalten, was nach den Turbulenzen um das letztlich verhinderte Flüchtlingslager Eberau nicht sicher war: "Ich freue mich riesig, weil die ÖVP totgeschrieben wurde." ÖVP-Landeschef Franz Steindl freute sich über drei Regierungssitze und 13 Mandate und zeigte sich für eine Zusammenarbeit mit der SPÖ offen.
"Der einzige Sieger"
Die Freiheitlichen ärgerten sich mit ihrem Spitzenmann Johann Tschürtz darüber, dass Stimmen durch das Antreten der Liste Burgenland mit ehemaligen FPÖ-Politikern verloren gegangen seien. Generalsekretär Herbert Kickl sah die Blauen trotzdem als "den einzigen Wahlsieger".
Aus dem Nichts auf vier Prozent gekommen ist die Liste Burgenland um die Ex-Freiheitlichen Manfred Kölly und Wolfgang Rauter. Sie punktete vor allem in jenen Gemeinden, wo ihre Proponenten bereits aktiv sind, etwa in Deutschkreutz, wo Kölly Bürgermeister ist, sowie in Bad Sauerbrunn.
Bitter verlief der Abend für die Grünen, die auf die Briefwähler hoffen müssen, wollen sie wenigstens mit noch einem Mandatar im Landtag in Eisenstadt vertreten sein. Der zweite Sitz ist wohl fix weg. Spitzenkandidat Michel Reimon bezeichnete es als "Handicap", dass er selbst erst vor vier Monaten als Spitzenmann präsentiert worden sei. Die "gar nicht zufriedene" Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig verwies auf den "populistischen" Wahlkampf Niessls, der es für die Grünen in einem für sie ohnehin nicht einfachen Bundesland noch schwieriger gemacht habe. Das BZÖ sah alle Parteien als gescheitert an, ist selbst aber gar nicht angetreten.
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Fakten
Die Wahlbeteiligung beträgt 71 Prozent, das ist um knapp zehn Prozentpunkte weniger als 2005 (81,38 Prozent).
Der Hochrechnung liegt ein Auszählungsgrad von zwölf Prozent zugrunde.
Reaktionen
Verhalten und ein wenig gedrückt war nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse die Stimmung am Nachmittag im Büro von Landeshauptmann Niessl.
ÖVP-Spitzenkandidat Steindl kommentierte die Zahlen dagegen wohlwollend. FPÖ-Kandidat Tschürtz wollte noch keine "Luftsprünge" wagen, weil es der Liste Burgenland gelungen sei, der "FPÖ zu schaden".








