Jürgen Rüttgers: Der "schwarze Arbeiterführer" in Nöten
Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen musste eine bittere Niederlage einstecken.

Foto © ReutersJürgen Rüttgers
Nach 39 Oppositionsjahren hatte Jürgen Rüttgers die CDU bei der Landtagswahl 2005 zurück an die Macht geführt. Für seinen Triumph fand er eine plakative Erklärung. "Der Vorsitzende der Arbeiterpartei in Nordrhein-Westfalen bin ich", bekannte Rüttgers damals stolz.
Am Sonntagabend musste der selbst ernannte Arbeiterführer eine bittere Niederlage eingestehen. Seine Partei, die CDU, verlor gut zehn Prozentpunkte.
Rüttgers wurde am 25. Juni 1951 als Sohn eines Elektromeisters in Köln geboren. Nach Jurastudium (Fachgebiet Wasserrecht) und Arbeit in der Kommunalverwaltung schaffte er 1987 den Einzug in den Bundestag.
Bundeskanzler Helmut Kohl machte ihn 1994 zum "Zukunftsminister" für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Die NRW-CDU führt er seit 1999. In der Bundespartei ist der Vater von drei Söhnen seit 2000 Vize-Vorsitzender.
Rüttgers versteht sich als Sachwalter des "Rheinischen Kapitalismus" - einer Marktwirtschaft mit starker sozialer Seite. Ausdrücklich umwirbt er die "Johannes-Rau-Wähler", die aus seiner Sicht in einer nach links driftenden SPD keine Heimat mehr finden. Oft hilflos mussten die Sozialdemokraten ansehen, wie sich Rüttgers als Erbe des legendären NRW-Landesvaters inszenierte.
Wie Rau bemüht sich Rüttgers, parteiübergreifend alle in seine Politik einzubinden. Regelmäßig traf er sich mit den Spitzen der Arbeitgeber und des Deutschen Gewerkschaftsbundes und heimste anschließend Lob von beiden Seiten ein. Um markige Worte ist Rüttgers selten verlegen. Das Management des Opel-Mutterkonzerns General Motors nannte er "das hässliche Gesicht des Turbokapitalismus".
Dubiose Finanzpraktiken des CDU-Landesverbands
Bisweilen rutschen ihm aber unbedachte Äußerungen heraus. So trug im Landtagswahlkampf 2000 sein umstrittener Vergleich "Kinder-statt- Inder" dazu bei, dass sein erster Griff nach dem Amt des NRW- Ministerpräsidenten misslang. Im vergangenen Jahr sorgte Rüttgers mit einer Tirade über rumänische Arbeiter ("Sie kommen und gehen, wann sie wollen, und sie wissen nicht, was sie tun.") für Schlagzeilen. In diesem Wahlkampf hatte er mit dubiosen Finanzpraktiken seines CDU-Landesverbands zu kämpfen. Dies schadete seinem Nimbus als Landesvater.












