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Knapp 79 Prozent: Heinz Fischer bleibt Präsident Burgstaller: "Österreicher schätzen die Arbeit von Fischer" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Bundespräsidentenwahl Nächster Artikel Knapp 79 Prozent: Heinz Fischer bleibt Präsident Burgstaller: "Österreicher schätzen die Arbeit von Fischer"
Zuletzt aktualisiert: 23.04.2010 um 21:41 UhrKommentare

" ... mir is ollas ans, mir is ollas ans, ob Fischer oder Rosenkranz"

Antonio Fian, Meister genialer Miniaturen, schrieb exklusiv für die Kleine Zeitung ein wunderbar satirisches Wahl-Dramolett.

Foto ©

WAHLTAG, PANORAMA

Österreich. Aufgehende Sonne, blühende Obstbäume, Gesang von Lerchen. Von fern Blasmusik. Ein Hauch von Fäulnis.)

(Straße. Ein Wahllokal wird geöffnet. Ein schwer betrunkener Mann wankt hinein.)

DER MANN (singt): Wer a Geld hat, der kann's zählen gehn, und wer kans hat, der darf wählen gehen, mir is ollas ans, mir is ollas ans, ob Fischer oder Rosenkranz.

(Wohnung des Bundespräsidenten Fischer. Seine Gattin wartet ausgehfertig und ungeduldig im Vorzimmer.)

GATTIN: Kommst du endlich? Je früher du deine Stimme abgibst, umso entschlossener wirkst du!

FISCHER (off): Bin gleich so weit!

GATTIN: Eine halbe Stunde bist du jetzt schon da drin!

FISCHER: Sekunderl noch!

Straße. Ein sehr alter Mann in einem Rollstuhl, der von einer müde aussehenden jungen Frau geschoben wird.)

DER MANN: Alles Scheiße, Lenka. Alles Trottel. Verstehn?

LENKA: Verstehn.

DER MANN: Immer gewählt, verstehst, immer... Seit 45 immer gewählt. Und immer die Schwarzen... Gleißner, Denk, Raab, Gorbach, kennt schon keiner mehr, aber ich (tippt sich an Stirn): Alle gespeichert, alle da drin... (Leiser, zu sich:) Waldheim, Lugger, Kirchschläger... Kirchschläger... Erster schwarzer Präsident... Mehr rot als schwarz, trotzdem erster schwarzer Präsident... Guter Präsident, Kirchschläger... (Wieder lauter, zu Lenka:) Du nix Estarreich ohne Kirchschläger, Lenka, verstehn?

LENKA: Verstehn.

DER MANN: Aber, einen Dreck verstehst! Achtundsechzig! Warst du noch gar nicht auf der Welt! (Zu sich:) Kirchschläger Botschafter in Prag... Waldheim Außenminister... Miserabler Außenminister Waldheim... Miserabler Präsident... Trotzdem gewählt... Immer gewählt... Immer schwarz gewählt... (Laut, zu Lenka:) Wenn Russ' kommen Prag, Waldheim sagta, Behm nix darf gehen Estarreich, verstehn? Aber Kirchschläger sagta, du Waldheim Trottel, ich einelossn. Deswegen viele Behm heite Estarreicher, verstehn?

LENKA: Verstehn.

DER MANN ( zu sich): Guter Präsident Kirchschläger... Und jetzt? Alles Scheiße... Nicht einmal einen Kandidaten haben sie... Aber den Fischer empfehlen tun sie auch nicht... Warum nicht? Haben den Kirchschläger auch empfohlen... Wen wähl' ich?... Immer schwarz gewählt... Ich wähl' nicht nix, nein, mach' ich nicht... (Kurze Pause, dann laut, zu Lenka:) Sag mir, wen wähl' ich?

LENKA: Verstehn.

Wohnung der Familie Rosenkranz. Horst Jakob Rosenkranz, einen Zettel und einen Bleistift in Händen, und die Kinder der Familie um einen mächtigen Eichentisch.)

ROSENKRANZ: Sonntagsfrage: Wen habt ihr bzw. hättet ihr heute gewählt? Alwine?

ALWINE: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Arne?

ARNE: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Hedda?

HEDDA: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Hildrun?

HILDRUN: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Horst?

HORST: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Mechthild?

MECHTHILD: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Sonnhild?

SONNHILD: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Ute?

UTE: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Volker?

VOLKER: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Wolf?

WOLF: Rosenkranz.

ROSENKRANZ: Danke. (Er macht sich Notizen, greift zum Handy ) Barbara? Ich bin's. Also, die ersten Umfragen schauen nicht schlecht aus.

S traße. Zwei Jugendliche im Skaterlook vor einem Wahllokal. Sie sprechen leichten slawischen Akzent.)

DER ERSTE: Weißt du schon? Fischer, oder?

DER ZWEITE: Eher weiß, glaub' ich.

DER ERSTE: Geh, nicht weiß! Wähl Fischer. Fischer is' besser.

DER ZWEITE: Glaub' nicht. Weiß is' besser.

(Eine ältere Frau drängt sich vorbei.)

DIE FRAU: Weiß i's besser, Blödsinn! Ich weiß es besser, heißt das! Lernt's deutsch z'erscht, dann wählt's!

(Biergarten. Zwei alte Nazis.)

DER ERSTE: Vom Programm her finde ich Rosenkranz in Ordnung, aber der Name, ich weiß nicht...

DER ZWEITE: Ich vertrau' g'fühlsmäßig auch mehr dem Gehring.

Wahllokal. Die sechzehnjährige Marina Vuturo verlässt die Wahlzelle. Der Kandidat Gehring tritt auf sie zu, ergreift ihre Hand und schüttelt sie.)

GEHRING: Fräulein Vuturo? Marina Vuturo? Ich habe im "Standard" gelesen, dass Sie mich bei dieser Wahl unterstützen. Dafür möchte ich Ihnen danken.

VUTURO: Keine Ursache. Schließlich sind Sie wie ich gegen Abtreibung, Euthanasie und die Einschreibung der Homo-Ehe.

GEHRING: Richtig. Ich setze mich auch dafür ein, dass Österreich moralischer wird. Und dazu brauchen wir junge Menschen. Junge Menschen wie Sie sind unsere Zukunft. Bei Ihnen (lacht) steht das ja schon im Namen, Vuturo, nicht wahr, lateinisch Zukunft.

VUTURO: Naja, nicht ganz, im Lateinischen schreibt sich das mit F wie -

GEHRING: Sagen Sie es nicht!

Kaffeehaus. Zwei österreichische Schriftsteller mittleren Alters und Bekanntheitsgrads, missmutig Kamillentee trinkend.)

DER ERSTE: Nicht dass ich sie gewählt hätt', aber schlecht wär's nicht, wenn die Rosenkranz zumindest in die Stichwahl kommt. Die ganze Welt schaut auf Ungarn und vergisst, wer das eigentliche Naziland ist.

DER ZWEITE: Stimmt. Unsereins warnt und warnt, und profitieren tun die anderen. Wann warst du das letzte Mal in Frankreich eingeladen?

DER ERSTE: Gar nimmer wahr!

(Wohnung des Bundespräsidenten Fischer. Seine Gattin hämmert gegen die Toilettentür.)

GATTIN: Heinz, die Wahllokale machen gleich zu! Komm endlich!

FISCHER: Bin gleich so weit!

GATTIN: Ein Kreuz machen, das kann doch nicht eine so schwerwiegende Entscheidung sein!

FISCHER: Sekunderl noch! (Österreich. Untergehende Sonne, blühende Obstbäume, Gesang von Nachtigallen. Von fern Blasmusik. Ein Hauch von Verwesung. Vorhang)

ANTONIO FIAN

Zur Person

Antonio Fian, geboren 1956 in Klagenfurt, lebt als freier Schriftsteller in Wien.

Erste Veröffentlichungen 1987, erhob die satirischen Dramolette zur virtuosen Kunstform.

So hat Österreich gewählt

 


Top und Flop

 

KLEINE.tv

Wahl: "12 Jahre sind ein langer Zeitraum"

Heinz Fischer ist alter und neuer Bundespräsident. Insgesamt soll er das...Bewertet mit 4 Sternen

 

Die Kandidaten

Steckbriefe von Heinz Fischer, Barbara Rosenkranz und Rudolf Gehring

APA/Reuters/APA

Hätten Sie es gewusst?

Bemerkenswertes zum Amt des Bundespräsidenten im Land.

Wissenswertes zum Präsidentenamt | Foto: APA
 

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Im Wahlkampffieber: Was Fischer, Gehring, Rosenkranz von sich gaben.

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