Gehring: Sonntag als politikfreier Tag
Am beliebtesten ist Heinz Fischer in Niederösterreich, am unbeliebtesten in Kärnten. Im Stiftungsrat des ORF steuern SPÖ und ÖVP beim Vorsitz auf Kampfabstimmung zu.

Foto © APAHofburgkandidat Gehring
Sollte Rudolf Gehring das schier Unmögliche schaffen und in die Hofburg einziehen, wird man den Bundespräsidenten bei öffentlichen Terminen am Sonntag kaum noch sehen. Gehring, Chef der Christlichen Partei Österreichs, will den Tag des Herrn zum politikfreien Raum erklären, sagte er zur Kleinen Zeitung. "Viele Veranstaltungen müssen nicht am Sonntag sein, die gehen zu anderen Zeiten genauso." Zu einem Interview war Gehring übrigens nur am Gründonnerstag - und das auch nur tagsüber - bereit. "Den Karfreitag und den Ostersamstag lasse ich komplett aus, denn da will ich an der Liturgie teilnehmen."
Heinz Fischer, der amtierende Bundespräsident, nutzt das frühchristliche Fischsymbol in seinem Wahlkampf. Dieser Tage drückte er Kindern Ostereier mit seinem fischförmigen Autogramm in die Hand. Der nächste Marketing-Gag lässt nicht lang auf sich warten: Kommende Woche stellt Fischer gemeinsam mit dem Wiener Großbäcker Kurt Mann das "Präsidentenweckerl", ein Vollkornbrot, vor. Seit Kurzem gibt es einen "Präsidentenwein". Fehlt nur noch ein Fotostopp bei McDonalds, wo sich Fischer einen Fish Mac gönnt.
Augen zu und durch! Das ist die Strategie der ÖVP-Strategen im Hofburg-Wahlkampf. "Am Tag nach der Wahl kräht kein Hahn mehr danach", räsoniert ein Funktionär über die viel diskutierte Entscheidung, keinen Kandidaten gegen Heinz Fischer ins Rennen zu schicken. Jüngsten Umfragen zufolge ist der Amtsinhaber auch in ÖVP-Kreisen äußerst populär. 82 Prozent der Österreicher sind der Ansicht, Fischer habe seine Arbeit als Bundespräsident "bisher gut" gemacht, in ÖVP-Kreisen sind es sogar 86 Prozent. Ein Ausreißer findet sich nur bei den FPÖ-Wählern (65 Prozent). Interessant auch die regionale Verteilung: Am höchsten sind die Beliebtheitswerte in Vorarlberg und Niederösterreich, am niedrigsten in Kärnten und im Burgenland.
Nur kurz währt der koalitionäre Osterfriede. Dieser Tage bringen die Parteizentralen ihre Regimenter für die Wahl des Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats am 22. April in Stellung. Die Koalitionsvereinbarung legt zwar fest, dass man sich nicht gegenseitig überstimmt, andernfalls drohen Neuwahlen. Für den ORF gelten die Spielregeln aber nicht. So wie beim Publikumsrat steuern SPÖ und ÖVP auch im Stiftungsrat auf eine Kampfabstimmung zu. Die besseren Karten hat auch diesmal die SPÖ, sie stellt 15 Gefolgsleute auf, die ÖVP nur zwölf. Die Sozialdemokraten schicken Karl Krammer, einst Pressesprecher von Franz Vranitzky und heute Vorsitzender des "SPÖ-Freundeskreises im Stiftungsrat", für den Chefposten ins Rennen. In ÖVP-Kreisen hält man sich noch bedeckt, meint aber nur, eine "rote Doppelspitze" (Krammer und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz) sei "nur schwer verdaulich".
Die ÖVP will wegen der umstrittenen Reportage über Skinheads bei einer Kundgebung von Heinz-Christian Strache nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen. Für den 12. April wurde eine Sondersitzung des Publikumsrates einberufen. Nicht mehr ausgeschlossen wird eine Anzeige beim Bundeskommunikationssenat, eine seltene Vorgehensweise.














