Belgien droht nach der Wahl der Zerfall
Neue Flämische Allianz (N-VA) von Bart de Wever erringt bei den Parlamentswahlen einen Erdrutschsieg. Christdemokraten weit abgeschlagen. Die Zukunft des Landes ist damit ungewisser denn je.

Foto © APABart De Wever von der Neuen Flämischen Allianz
Mark Eyskens rang um Worte: "Das ist ein Erdbeben", sagte der frühere belgische Premierminister und flämische Christdemokrat zum Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahlen, die den Gegnern des gemeinsamen belgischen Einheitsstaates einen nie da gewesenen historischen Sieg beschert haben.
"Schicksalshafte" Wahlen
Die Wahlen waren im Vorfeld als "schicksalhaft" für die Zukunft des Landes gesehen worden. Hochrechnungen zufolge erreichte die nationalistische Neue Flämische Allianz (N-VA) von Bart De Wever (39), die für die langsame Auflösung Belgiens und eine lose Konföderation aus dem niederländischsprachigen Norden und der französischsprachigen Wallonie eintritt, in Flandern aus dem Stand gut ein Drittel der Stimmen und wurde damit zur mit Abstand stärksten politischen Kraft im Lande.
Die bisher regierenden flämischen Christdemokraten, deren Juniorpartner die Separatisten nach der letzten Wahl 2007 noch gewesen waren, erlitten eine vernichtende Niederlage. Sie waren bisher stimmenstärkste Partei und liegen jetzt abgeschlagen hinter der N-VA und den Sozialdemokraten auf Platz drei. Im französischsprachigen Süden konnten dagegen die Sozialisten unter Elio Di Rupo ihren 2007 an die Liberalen verlorenen ersten Platz zurückerobern.
"Wir müssen Brücken bauen"
Der Triumph der flämischen Nationalisten zeigt, dass immer mehr Flamen nicht mehr in einem gemeinsamen Staat mit den Frankofonen zusammenleben möchten. "Wir müssen Brücken bauen", sagte De Wever zwar am Sonntag. Aber das wird schwierig werden. Denn viel Porzellan wurde zerschlagen und die Fronten zwischen den Gegnern des gemeinsamen Staats und seinen Befürwortern sind verhärtet. Erschwert wird die Lage dadurch, dass Belgien ab 1. Juli für sechs Monate den EU-Vorsitz übernimmt und Auswege aus der Eurokrise suchen sollte.
Die Hoffnungen vieler Belgier richten sich jetzt auf König Albert II. Er muss einen erfahrenen Politiker mit Sondierungsgesprächen beauftragen. Als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Premiers gilt Elio Di Rupo.
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Der Urnengang gilt als schicksalshaft für die Zukunft des Landes. Die N-VA strebt langfristig die Unabhängigkeit Flanderns an, forderte im Wahlkampf aber zunächst nur weitreichende Autonomie der Regionen. In Belgien treten auch die großen politischen Parteien getrennt im in Flandern und in der französischsprachigen Wallonie an.












