Abschrecken, ohne zu provozieren: USA in der Korea-Zwickmühle
Harte Strafmaßnahmen, so wird befürchtet, könnten Entwicklungen in Gang setzen, die Nordkorea zu einer militärischen Reaktion provozieren oder auch die Machtposition von Staatschef Kim Jong Il untergraben könnten.

Foto © AP
Die USA stehen vor einem heiklen Problem: Wie sollen sie darauf reagieren, dass Nordkorea ein Kriegsschiff Südkoreas, eines ihrer engsten Verbündeten in Asien, versenkt hat? Zu viel Härte könnte eine gefährliche Gegenreaktion Pjöngjangs auslösen, zu wenig wiederum zu weiteren Angriffen ermutigen.
Eine militärische Reaktion der USA oder Südkoreas auf den - von Pjöngjang bestrittenen - Torpedoangriff ist unwahrscheinlich. Washington erwägt Regierungskreisen zufolge aber eine Reihe von Möglichkeiten, angefangen von einer Einschaltung des UN-Sicherheitsrats bis zu weiteren amerikanischen Sanktionen.
Abschrecken, ohne zu provozieren
Harte Strafmaßnahmen, so wird befürchtet, könnten Entwicklungen in Gang setzen, die Nordkorea zu einer militärischen Reaktion provozieren oder auch die Machtposition von Staatschef Kim Jong Il untergraben könnten. Ein Krieg oder chaotische Zustände in Nordkorea hätten verheerende Folgen."Man muss die Nordkoreaner abhalten, so etwas noch einmal zu tun, aber man darf auch keinen Krieg anfangen", sagt der Korea-Experte Victor Cha vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien. Gar nicht so einfach, meint er: "Es braucht eine Reaktion, die abschreckt, aber nicht provoziert."
"Akt der Aggression"
Sicherheits- und Außenpolitiker beraten in Washington über Optionen. Nach Veröffentlichung des Ermittlungsberichts, der Nordkorea für den Untergang der "Cheonan" und den Tod von 46 Besatzungsmitgliedern verantwortlich macht, hatte das Weiße Haus von einem "Akt der Aggression" gesprochen. Nordkorea habe sich damit ein weiteres Mal inakzeptabel verhalten und das Völkerrecht missachtet. Der Angriff gefährde Frieden und Sicherheit und verletze das Waffenstillstandsabkommen, das den Koreakrieg beendet hatte.
Außenministeriumssprecher Gordon Duguid erklärte, die USA arbeiteten eng mit ihrem Verbündeten Südkorea zusammen und berieten mit ihren Partnern über "angemessene Schritte". Das werde auch ein wichtiges Thema bei der Asienreise von Außenministerin Hillary Rodham Clinton sein, kündigte der für Asien zuständige Staatssekretär Kurt Campbell an. Clinton besucht in den nächsten Tagen Japan, China und Südkorea.
Angst vor Flüchtlingswelle
Beobachter vermuten, dass die USA und Südkorea die U-Boot-Abwehr verstärken. Seoul könnte seine Gewässer für nordkoreanische Schiffe sperren. Eine Importsperre besonders für Fischereierzeugnisse wäre ein schwerer Schlag für die Wirtschaft Nordkoreas. Über allem aber schwebt die Sorge, dass harte Strafmaßnahmen die Spannungen verschärfen und sogar Zusammenstöße nach sich ziehen könnten. Oder aber dem Regime in Pjöngjang könnte die Kontrolle entgleiten. In diesem Fall befürchten Experten einen Machtkampf mit möglicherweise katastrophalen Folgen und eine Flüchtlingswelle, die die ganze Region destabilisieren könnte.












