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Zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 um 10:16 UhrKommentare

Letzte Vorbereitungen für Staatsbegräbnis

Das Militär flog die Särge des polnischen Präsidentenpaars, das vor einer Woche bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war, von Warschau nach Krakau. Angesichts des Flugverbots über weite Teile Europas gab es viele Absagen von Staats- und Regierungschefs.

Foto © APA

In Krakau sind am Sonntagmorgen die letzten Vorbereitungen für die Beisetzung des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seiner Frau Maria angelaufen. Eine Militärmaschine mit den Leichnamen des Präsidentenpaares, das am 10. April beim Flug zu einer Gedenkfeier in Katyn tödlich verunglückt war, startete am Morgen von Warschau in die südpolnische Stadt. Die Särge sind laut Berichten auch schon in Krakau eingetroffen. Die Feierlichkeiten sollen in der Marienkirche am Krakauer Marktplatz um 14.00 Uhr mit einer Messe beginnen.

Anschließend ist die Überführung auf den Wawel-Hügel, die traditionelle Grabstätte polnischer Könige, geplant, wo um 18.30 Uhr eine weitere Zeremonie vorgesehen ist. In Krakau werden Zehntausende Trauergäste und hochrangige ausländische Delegationen erwartet. Allerdings haben einige der ausländischen Staatsgäste die Teilnahme an den Feierlichkeiten in Krakau wegen der Behinderungen im Flugverkehr kurzfristig abgesagt. So werden US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht an der Beisetzung teilnehmen. Auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, der ständige Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero, der britische Außenminister David Miliband, der türkische Präsident Abdullah Gül, die finnische Staatspräsidentin Tarja Halonen, der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper und Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer gaben bekannt, dass sie den Weg nach Krakau nicht antreten.

Andere Politiker-Kollegen ließen vermelden, dass sie statt mit dem Flugzeug mit dem Auto oder mit der Bahn nach Krakau reisen wollten, etwa der tschechische Präsident Vaclav Klaus und seine Kollegen aus der Slowakei, Ivan Gasparovic, und aus Estland, Andrus Ansip. Aus Moskau hieß es ebenfalls, dass der russische Präsident Dmitri Medwedew auf dem Landweg anreisen wollte.

Auch gekrönten Häuptern wie Schwedens König Carl Gustav, dem spanischen Monarchen Juan Carlos und dem britischen Thronfolger Prinz Charles machte die Aschewolke einen Strich durch ihre Reisepläne. Nach Angaben des polnischen Außenministeriums haben außerdem Delegationen aus Indien, Ägypten, Japan, Südkorea, Mexiko, Neuseeland, Mazedonien und Pakistan ihre Teilnahme an dem Staatsbegräbnis abgesagt. Ursprünglich sollten zur Beisetzung des Präsidentenpaares in die südpolnische Metropole Vertreter von 98 Staaten kommen. Der Luftraum über weiten Teilen Europas und auch über Polen ist seit Freitag wegen der Aschewolke aus einem isländischen Vulkan aus Sicherheitsgründen für Passagierflugzeuge gesperrt.

Die Überführung des verunglückten Präsidentenpaares mit einer Militärmaschine wurde von den polnischen Behörden trotz des allgemein geltenden Flugverbotes wegen der Aschewolke über weiten Teilen Europas angeordnet. Da die Flughöhe von Militärmaschinen unter 5.000 Metern liege, seien diese durch die Vulkanasche nicht gefährdet, sagte ein Mitarbeiter des Präsidialamtes in Warschau am Samstag.

Kaczynski und seine Frau sollen in der Krypta unter der Kathedrale auf dem Wawel-Hügel, der traditionellen Grabstätte der polnischen Könige, beigesetzt werden. Der Beisetzungsort hatte in Polen zu Protesten geführt. Kritiker finden, dass der Präsident nicht neben Königen und Nationalhelden beerdigt werden sollte.

Kaczynski, seine Frau und weitere 94 Mitglieder einer polnischen Delegation waren am vergangenen Samstag auf dem Flug zu einer Gedenkfeier für die Opfer des Massakers von Katyn vor 70 Jahren tödlich verunglückt. Der sowjetische Geheimdienst hatte damals 22.000 polnische Offiziere und andere Mitglieder der Führungselite rund um Katyn liquidiert.

In Warschau nahmen bereits am Samstag Zehntausende Menschen an Trauerfeiern teil. Auch in der Nacht kamen tausende in die Warschauer Johannes-Kathedrale, um den Verunglückten die letzte Ehre zu erweisen. Ministerpräsident Donald Tusk nannte das Unglück die größte Tragödie der polnischen Nachkriegsgeschichte.


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