Volle Gasspeicher nehmen dem Winter seinen Schrecken
Lokalaugenschein im größten Erdgaslager Österreichs in Haidach: Reserven würden für ein halbes Jahr ausreichen. Damit verliert Putins Gas-Boykott-Drohung ihren Schrecken.

Foto © APAPutin könnte erneut den Erdgas-Hahn abdrehen. Die österreichischen Reserven reichen aber für sechs Monate
Der Empfang im Moskauer Kreml war frostig für Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ): Entgegen der in ihn gesetzten Hoffnungen will der russische Ministerpräsident Vladimir Putin einen erneuten Gas-Boykott ganz und gar nicht ausschließen. Mit fifty-fifty beziffert Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) das Risiko, dass Putin den Hahn erneut abdreht. Schon vergangenen Jänner war Österreich, wie zahlreiche andere EU-Länder, Opfer einer russischen Kraftmeierei gegen Kiew geworden - bei Minus zehn Grad. Weil das Gas-Transitland Ukraine offene Rechnungen nicht zahlen konnte, kappte Putin die Leitung.
54 Prozent russisches Gas
Österreichische Haushalte müssten die Launen des russischen Bären jedoch nicht fürchten, betont Mitterlehner bei einem Lokalaugenschein im größten heimischen Gasspeicher Haidach. In bis zu 1600 Meter Tiefe lagern hier, an der Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich, 1,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Von außen sieht man, abgesehen von kleineren Raffinerie-Gebäuden, wenig davon. 54 Prozent des hier zwischengelagerten Gases gehören dem staatlichen russischen Gashersteller Gazprom, der zugesichert hat, im Falle eines Engpasses seine Reserven zu öffnen. Schon im Vorjahr hatte Gazprom, gemeinsam mit Wiengas so verhindert, dass die österreichischen Öfen kalt bleiben.
Insgesamt fassen die österreichischen Speicher 4,2 Milliarden Kubikmeter Gas: Das entspricht rund der Hälfte des heimischen Jahresbedarfs. Zuständig ist die RAG (Rohöl Aufsuchungs-AG): Gazprom ist in Österreich also sowohl Gas-Lieferant als auch Kunde, da ein Teil des Gases für andere Länder bestimmt ist. Daneben ist der Anteil österreichischen Erdgases gestiegen, seit Anfang der 1990er rund um Hainach ein Erdgasfeld gefunden wurde. Ein Glücksgriff, mit dem niemand gerechnet hatte.
Nabucco ärgert Putin
Rund 14 Prozent des Bedarfs an Erdgas kann somit über heimische Quellen abgedeckt werden. "Damit verringern wir die Abhängigkeit von Russland", sagt Mitterlehner. Zudem beteiligt sich Österreich am Pipeline-Projekt "Nabucco", das die Versorgung mit nicht-russischem Gas aus dem kaspischen Raum sicherstellen soll. Obwohl die Bundesregierung auch eine Beteiligung an der russischen Pipeline "South Stream" anpeilt, hat die deutliche Priorität der Bundesregierung für Nabucco für Irritationen in Moskau gesorgt.
Neben diesen internationalen Plänen wird der Ausbau österreichischer Gasspeicher massiv forciert. Eine Milliarde Euro will die RAG bis 2017 investieren und damit die Kapazität von 4,2 auf sechs Milliarden Kubikmeter erhöhen, so RAG-Generaldirektor Markus Mitteregger. Die Kapazität des Speichers Haidach soll bis 2011 verdoppelt werden.
Daneben wird nach neuen Erdgasquellen gesucht. Von Bayern über Salzburg, Oberösterreich und Niederösterreich zieht sich ein unterirdisches Gasfeld, das es anzuzapfen gilt. Dabei wird via Schallwellen nach unter der Erde liegenden Freiräumen gesucht - ein starkes Indiz für Gasvorkommen. Ist die Messung erfolgreich, beginnt die Bohrung. Die Chancen, auf Erdgas (oder Erdöl) zu stoßen, lägen bei rund 50 Prozent, so Mitteregger. Und nicht jede "Fehlbohrung" muss ein Misserfolg sein. Kann doch ein unterirdisches Loch auch mit heißem Wasser gefüllt sein - wie die zahlreichen Thermalbäder der Region zeigen.












