Dramatische Gegenwart und belastete Vergangenheit
Ausgelöschte in Slowenien, Verschleppte aus Kärnten, Krieg am Balkan - Christian Wehrschütz analysiert die Entwicklung.

Foto © Weichselbraun
"Über ein Land sollte man schreiben, wenn man dort lange genug gelebt hat und die Sprache kennt", sagt Christian Wehrschütz. Der ORF-Korrespondent am Balkan, der auch für die Kleine Zeitung schreibt, hält nichts von den verlegerischen Schnellschüssen. Nach zehn Jahren in Belgrad - mit Zuständigkeit für Albanien und das gesamte ehemalige Jugoslawien - war die Zeit reif für das erste Buch. Es trägt den Titel "Im Kreuzfeuer - am Balkan zwischen Brüssel und Belgrad". Wehrschütz beschreibt und analysiert darin die belastete Vergangenheit und die dramatische Gegenwart. Ein umfassendes Kapitel ist den Verschleppten aus Kärnten und der Steiermark, sowie der beginnenden slowenischen Aufarbeitung der Verbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Schicksal der "Ausgelöschten" gewidmet.
Die "Hängepartie in Bosnien-Herzegowina" und die Entwicklung des unabhängigen Kosovo, der immer noch von fünf EU-Staaten nicht anerkannt ist, sieht Wehrschütz als die derzeit größten Probleme in Europa. Er kommt zu dem kritischen Schluss: "Am Balkan ist die EU Teil des Problems und nicht der Lösung". Wie der Autor in seinem Buch überhaupt mit dem Balkan-Klischee aufräumt. Wehrschütz: "Die Balkanisierung Europas schreitet schneller voran als die Europäisierung des Balkans". Anfang Oktober hat er sein Buch erstmals in Kärnten präsentiert, Ende November kommt Wehrschütz nochmals (in die Landhausbuchhandlung in Klagenfurt).
Features
Das Buch
"Im Kreuzfeuer - Am Balkan zwischen Brüssel und Belgrad" ist im Molden Verlag erschienen; 312 Seiten, 24,95 Euro.












