Die "Minus-Meute" namens Politiker
Den Politikern wurde im "APA/OGM-Vertrauensindex" ein vernichtendes Urteil als mauschelnde Meute ausgestellt. Doch die Regierungsparteien taktieren weiter - am unwürdigen Ende, dem der Untersuchungs-Ausschusses zusteuert, trägt jetzt natürlich niemand mehr Schuld. Ein Kommentar von Thomas Golser.

Foto © vectorscheffe - Fotolia.com
Die Österreicher sprachen ihren Politikern ein Urteil als mauschelnde Minus-Meute aus: Von 27 Spitzenpolitikern sind im aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex gleich 19 im negativen Bereich, nur acht wurden "positiv" bewertet. Und dieser Schuldspruch erging wohlgemerkt noch bevor der Untersuchungs-Ausschuss beinahe ganz abgedreht wurde und zur Mogelpackung wurde. Der nächste - nach seinem lässig hingebogenen Auslaufen - dürfte also noch unmissverständlicher ausfallen. So viel ist wenigstens sicher.
Zum Thema
Dazuzulernen ist auch in der Politik eine Notwendigkeit, kein Luxus, den man sich gönnen darf: Trotzdem will nun keiner daran Schuld tragen, dass der Untersuchungs-Ausschuss zur Light-Variante mit schlechtem Beigeschmack wurde. "Es stand ja wirklich jetzt auf des Messers Schneide - das ist aber mit Sicherheit nicht das Verschulden der ÖVP gewesen", gab ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf mäßig betroffen zu Protokoll (Vertrauensindex: minus 29, Platz 22 von 27). Die Frage aller Fragen - nämlich, ob die Partnerschaft mit der SPÖ durch eine Ladung von Ex-Infrastruktur-Minister Werner Faymann (Vertrauensindex: minus 5, Rang 10) automatisch vor dem Scheidungsrichter landen würde, wurde von ihm nicht direkt beantwortet: Details aus den Verhandlungen würden nicht ausgeplaudert, stellte Kopf klar und meinte zum "Ehevertrag": "Es gibt ein Koalitionsabkommen, da braucht niemand ständig drauf verweisen". Verweis - das ist ein ganz fabelhaftes Stichwort: Eben diesen möchte man jetzt erteilen, doch leider sieht man da inzwischen recht schwarz. Und dann doch wieder ziemlich rot.
SPÖ-Klubchef Josef Cap (Vertrauensindex: minus 18, Rang 19) nahm das durch die parteirot gefärbte Brille ähnlich wahr: Es habe Lösungsversuche gegeben, man habe einen detaillierten Plan zur Fortführung vorgelegt. Teile der Opposition wollten aber gar nicht mehr weiterverhandeln. Was soll man denn da bitte tun? Etwa den Chef einladen? Mitnichten! Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter hat der Untersuchungs-Ausschuss "schon den Charakter einer Inquisition". Die ÖBB-Inserate hätten dem Unternehmen "massiv genutzt", nicht aber dem ehemaligen Infrastrukturminister. Vom SPÖ-Bundeskanzler selbst vernahm man zuletzt (bereits mehrfach vorgebrachtes) Widersinniges: "Wenn die der Meinung sind, dass ich gebraucht werde, bin ich da - da muss man die emotionale Seite ausblenden", so drischt die Gebetsmühle in der SPÖ-Parteizentrale also weiter eifrig ihre von innen ausgehöhlten Phrasen.
Ein wenig fühlt man sich an schlecht bis gar nicht erzogene Kleinkinder erinnert, die sich etwas zu viel von allem genommen, etwas kaputt gemacht oder irgendwo ein nicht so gut riechendes Häufchen hinterlassen haben. Danach will man davon aber nichts mehr wissen, und so schlimm sei die Sache ja nun wirklich nicht. Mit dem schmutzigen Zeigefinger ist dafür flott auf das Gegenüber gezeigt. Die Österreicher sollen doch an das Gute im Politiker glauben und dankbar sein - für das, was die (vorgeladenen und erschienenen) Zeugen im Untersuchungs-Ausschuss preisgegeben haben. Der Höhepunkt an Hohn und Heuchelei scheint erreicht - er muss nicht vorgetäuscht werden.













