Telekom: Gutachten zu Kursmanipulation liegt vor
Im Februar 2004 hatte ein Kurssprung der Telekom-Aktie in sprichwörtlich letzter Sekunde knapp 100 Telekom-Managern einen Geldregen von über 9 Mio. Euro beschert.

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In der Causa Telekom Austria liegt nun das erste Strafgutachten zur Kursmanipulation im Jahr 2004 vor, schreibt die "Wiener Zeitung" am Donnerstag. Der Sachverständige Matthias Kopetzky prüfte diverse Geldflüsse und kam zum Schluss, dass der bisherige Tenor der Einvernahmen ergeben habe, dass Lobbyist Peter Hochegger bzw. dessen Firma Valora "als Bereitsteller respektive Verwalter eines 'Geldtopfes' für die Telekom agiert haben". Außerdem geht aus dem Gutachten laut Zeitung hervor, dass im Zuge der Bargeldübernahmen an den Broker Johann Wanovits auch Kickback-Zahlungen an einen Telekom-Manager und Gernot Schieszler geflossen sein sollen.
Im Februar 2004 hatte ein Kurssprung der Telekom-Aktie in sprichwörtlich letzter Sekunde knapp 100 Telekom-Managern einen Geldregen von über 9 Mio. Euro beschert. Zu verdanken hatten sie dies einem Bonusprogramm, wonach der Kurs an einem Stichtag einen bestimmten Wert erreichen musste. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Hocheggers Valora als Gelddrehscheibe zwischen Telekom-Managern und Euro-Invest-Banker Wanovits - er soll die Kursmanipulation durchgeführt haben - fungiert hat und gab dazu ein Gutachten in Auftrag.
Laut der nun vorliegenden Expertise soll der Verdacht objektiviert sein, dass "die Euro Invest Bank in der Schlussauktion vom 26. Februar 2004 in erheblicher Orderzahl Telekom-Aktien in zeitlich unmittelbarer aufeinander folgende Tranchen aufkaufte". Dadurch habe sich der Kurs auf das erforderliche Niveau erhöht, wodurch am 27. Februar das Geld aus dem Stock-Options-Programm floss.
"Folgt man den Angaben der involvierten Beschuldigten", heißt es in dem Gutachten laut Zeitung weiter, solle für den Ankauf durch Euro Invest eine Risikoprämie im Ausmaß von 1 bis 1,5 Mio. Euro an Wanovits vereinbart gewesen sein. Ein Teil dieser Summe soll via Telekom-Manager in bar geflossen sein, gehe aus den Einvernahmen hervor.
Das Nachrichtenmagazin "profil" hatte bereits im August 2011 in dem Zusammenhang über eine Bargeldübergabe in der Nähe des Wiener Naschmarkts berichtet und sich dabei auf Aussagen von Ex-TA-Vizefinanzvorstand Schieszler bezogen, der sich bei der Staatsanwaltschaft als "Kronzeuge" verdient machen wollte. Schieszler will demnach Wanovits einen Betrag von knapp 500.000 Euro auf offener Straße übergeben haben. Er soll den Broker immer in Begleitung eines Managerkollegen getroffen haben.
Andere Beschuldigte dürften den Ermittlern andere Versionen puncto Bargeldbeträge erzählt haben. Gutachter Kopetzky schreibt nämlich laut "Wiener Zeitung", dass "hinsichtlich der Zeitpunkte und der Höhe der übergebenen Bargeldbeträge an Wanovits" unter den Beschuldigten "keine einheitliche Meinung respektive Erinnerung" herrsche. Jedoch gebe es 2004 Anhaltspunkte, "dass Konto-Barbehebungen von Peter Hochegger an Verantwortliche der Telekom weitergereicht wurden." Rund 953.000 Euro sollen laut Kopetzky rund um das Stock-Options-Programm via Hochegger an Wanovits geflossen sein.
Wanovits selbst teilte der Staatsanwaltschaft Ende 2011 schriftlich mit, dass ihm drei Bargeldübergaben in den Jahren 2004/05 in Höhe von insgesamt 600.000 Euro "erinnerlich geblieben sind". Zahlungsbelege oder Empfangsbestätigungen gebe es aber nicht, merkte der Gutachter dem Zeitungsbericht zufolge an.
Puncto Telekom-"Geldtopf", den Hocheggers Valora bereitgestellt bzw. verwaltet haben soll, schreibt Kopetzky: "Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Kassa den Möglichkeiten der Telekom entsprechend laufend und 'präventiv' gefüllt wurde, ohne dass zwangsläufig konkrete Verwendungsüberlegungen bestanden hätten."
So solle zum Beispiel eine Osteuropa-Studie der Telekom mit dem Logo der Valora versehen worden sein und Hochegger als Leistungsnachweis gedient haben, um zwei Rechnungen in Höhe von je 900.000 Euro brutto der Telekom belegen zu können. Aus diesen Zahlungen sollen zum Teil die Bargeldübergaben an Wanovits bestritten worden sein - laut Kopetzky 563.000 Euro. Weiteres Geld soll über "Windparkstudien" geflossen sein.
Der Manager-Kollege von Schieszler sagte wiederum in Einvernahmen laut Zeitung aus, dass es im Zuge der Bargeldübergaben auch zu Kickback-Zahlungen an ihn und Schieszler gekommen sei. Anfangs habe er dem Gutachten zufolge von je 50.000 Euro an Rückflüssen gesprochen, später jedoch seine Angaben auf 10.000 und 15.000 Euro korrigiert. Schieszler soll, so die Zeitung, schon zuvor bei der Staatsanwalt darüber ausgepackt haben.
Wanovits wollte gegenüber der "Wiener Zeitung" zum laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben. Schieszlers Verteidiger Stefan Prochaska meinte: "Das ist nichts Neues." Sein Mandant habe das alles bereits vor den Hausdurchsuchungen und der Einvernahme des TA-Managers beim Staatsanwalt ausgesagt. Die Telekom wollte das Gutachten am Donnerstag nicht kommentieren, aber "generell begrüßen wir alle behördlichen Schritte, die die Angelegenheit zu einem positiven Ende bringen", wie Sprecherin Uschi Novotny auf APA-Anfrage sagte.












