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Zuletzt aktualisiert: 26.03.2012 um 14:56 UhrKommentare

Der Fluch der toten Tiere

Die ÖVP hat in Sachen Korruption neuerlich Aufklärungsbedarf: Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter soll sieben Gratis-Jagdeinladungen angenommen haben. Platter sieht darin kein Vergehen, es sei alles anständig und sauber gewesen.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter

Foto © APADer Tiroler Landeshauptmann Günther Platter

Die Korruptions-Vorwürfe rund um die ÖVP reißen nicht ab. Nach der Ende vergangener Woche bekanntgewordenen möglichen Wahlkampf-Finanzierung der Tiroler VP-Abg. Karin Hakl durch den Lobbyisten Peter Hochegger, forderte der Klubobmann im Tiroler Landtag, Josef Geisler, Konsequenzen. Hakl müsse bis zur Klärung der Vorwürfe vorübergehend ihre Funktion als Telekom-Sprecherin im Nationalrat zurücklegen, meinte Geisler am Montag bei einem Pressegespräch in Innsbruck. Neue Vorwürfe gab es unterdessen gegen Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) wegen weiterer Jagdausflüge.

Gleich sieben Jagdeinladungen

So war auf der Homepage des Ötztaler Tiwag-Kritikers Markus Wilhelm war am Montag von sieben angeblichen Gratis-Jagdeinladungen an Platter die Rede. Bisher hatte es geheißen, Platter habe eine Jagdeinladung eines Oberländer Unternehmers wahrgenommen. Ein Bericht darüber war vergangene Woche in der ORF-Sendung "Report" zu sehen. Der Landeshauptmann war am Montag zu den neuen Vorwürfen gegenüber der Austria Presse Agentur vorerst nicht zu einer Stellungnahme bereit. Die Einladungen sollen nicht nur von Freunden gekommen sein, sondern unter anderem auch vom Promi-Wirt Balthasar Hauser und einem Schweizer Fleischgroßhändler. Unter den Trophäen der sieben Jagden waren unter anderem ein Murmeltier, ein Hirsch, ein Rehbock und eine Gams. In den Einladungen sieht der Tiroler Landeshauptmann aber keine Probleme, wie Ö1 berichtet, in einer schriftlichen Stellungnahme unterstreicht er, dass alles anständig und sauber gewesen sei.

Massive Kritik an Hakl

Massive Kritik übt der Klubobmann im Tiroler Landtag auch an der VP-Abgeordneten Karin Hakl, er habe den Eindruck, so Geisler, dass "die Dame schlau genug" sei, diese Konsequenz zu ziehen, um für eine "lückenlose Aufklärung" zu sorgen, sagte der Klubobmann. Sollte sich Hakl jedoch weigern, von sich aus diesen Schritt zu setzen, trete er dafür ein, dass der ÖVP-Nationalratsklub sie dieser Funktion enthebe. Die "Tiroler Tageszeitung" berichtete in ihrer Montagsausgabe, dass Parteichef Michael Spindelegger, Generalsekretär Hannes Rauch und Klubobmann Karlheinz Kopf am Sonntagabend über die weitere Vorgangsweise in der Causa Hakl berieten. Laut dem Bericht fordere die ÖVP ein Zeichen Hakls, andernfalls werde der Parlamentsklub in seiner Sitzung am Dienstag die Abgeordnete von ihrer Sprecherfunktion abziehen.

Hakl bestritt bisher, 20.000 Euro vom Telekom-Lobbyisten Hochegger für ihren Nationalratswahlkampf 2008 erhalten zu haben. Tirols VP-Geschäftsführer Martin Malaun, seines Zeichens damaliger Chef der Werbeagentur Headquarter, die den Wahlkampf Hakls zum Teil "entworfen und durchgeführt" habe, hatte hingegen am Wochenende der APA erklärt: "Ja, es wurden damals zwei oder drei Rechnungen im Gesamtumfang von 20.000 Euro im Auftrag Hakls an die Valora (Hochegger-Firma, Anm.) gerichtet". Hakl war damals Wahlkreisspitzenkandidatin. Die Tirolerin sitzt seit zwölf Jahren im Nationalrat. Hakl selbst wollte am Montag zu den Vorwürfen auf Anfrage der Austria Presse Agentur sich nicht äußern. In der "TT" kündigte sie jedoch an, ihre Funktion nicht ruhend stellen zu wollen.

Der Klubobmann der ÖVP im Nationalrat, Karlheinz Kopf, möchte mit Hakl ein persönliches Gespräch führen, um sich Klarheit zu verschaffen. Dieses Gespräch soll am morgigen Dienstag am Rande der Klubsitzung im Parlament stattfinden. Vorher wolle er sich öffentlich nicht dazu äußern, ließ Kopf auf Anfrage der Austria Presse Agentur ausrichten. Auch ÖVP-Bundesparteiobmann Michael Spindelegger wollte die Causa vorerst nicht kommentieren. Die Angelegenheit könnte auch noch den Korruptions-Untersuchungsausschuss im Parlament beschäftigen. Peter Pilz von den Grünen vermutet bei Hakl verdeckte Wahlkampffinanzierung durch die Telekom - er will nun Tirols VP-Geschäftsführer Malaun, damals Chef der Werbeagentur Headquarter, in den U-Ausschuss laden, wie er gegenüber der Austria Presse Agentur meinte.


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